Autobahn GmbH stellt Pläne zur Autobahnbrückensanierung an der A99/B 304 vor

Am 16. September 2025 stellte Sabine Wiedemann, Abteilungsleiterin A6 Brückenmodernisierung bei der Autobahn GmbH, im Grasbrunner Bauausschuss den Ersatzneubau der Brücke B 304 über die A 99 Ost an der Anschlussstelle Haar vor. Bürgerinnen und Bürger konnten im Anschluss außerhalb des Ratsaals Fragen stellen.
Radweg-Umleitung an der Autobahnbrücke A99 erst ab April 2026

Die Brücke stammt aus dem Jahr 1973 und weist nach der letzten Prüfung im Mai 2025 eine Zustandsnote von 3,5 auf. Schäden wie Chloridbelastungen, Korrosion, Abplatzungen, Rissbildungen und Hohlstellen wurden festgestellt. Eine akute Gefahr besteht laut den Unterlagen zwar nicht, dennoch ist der Handlungsdruck hoch, um eine Sperrung zu vermeiden.

Die Maßnahme ist in zwei Hauptphasen geplant:

1. Bau einer Behelfsbrücke südlich des Bestandsbauwerks,
2. Abriss und Ersatzneubau der alten Brücke.

Die Behelfsbrücke soll alle Fahrspuren sowie Rad- und Gehweg aufnehmen, um die Verkehrsbelastung von täglich 38.000 Fahrzeugen auf der B 304 und 96.000 Fahrzeugen auf der A 99 zu bewältigen. Auch die Radwegeführung ist während der Bauzeit eingeschränkt – zeitweise sind Sperrungen von sechs bis acht Wochen vorgesehen.

Für die Behelfsbrücke werden 1.903 m² Bannwald beansprucht. Laut Autobahn GmbH handelt es sich um einen „alternativlosen“ Eingriff, der nach Abschluss der Bauarbeiten vollständig aufgeforstet werden soll. Schonende Bodenlagerung und heimisches Pflanzgut seien vorgesehen. Wie Grasbrunn Aktuell bereits im August berichtete, fordern insbesondere die Grünen eine nachhaltige Planung und stärkere Bürgerbeteiligung – auch weil frühere Projekte gezeigt haben, dass Kompensationsmaßnahmen oft Jahre dauern, bis sie tatsächlich umgesetzt sind.

Bauablauf Behelfsbrücke A99/B 304 und Neubau der Autobahnbrücke © Autobahn GmbH

Die Autobahn GmbH stellte für den Luisenweg 60 außerdem rechnerische Dezibel-Werte vor:

  • Bestand: 66,7 dB(A) am Tag, 60,9 dB(A) in der Nacht.
  • Mit Behelfsbrücke: 64,4 dB(A) / 58,7 dB(A).
  • Mit Sichtschutzwand: 64,0 dB(A) / 58,4 dB(A).

Damit soll es tagsüber um 2,7 dB(A) und nachts um 2,5 dB(A) leiser werden.

Doch diese Modellwerte sind mit Vorsicht zu genießen. Messungen von Anwohnern vor zwei Jahren entlang der A 99 zwischen Grasbrunn und Neukeferloh ergaben im Tagesdurchschnitt 72,3 dB und nachts 64,6 dB – also deutlich höhere Werte, als in den Berechnungen angesetzt wurden. Ein reales Bild des Lärmschutzes werden die Bürger daher wohl erst nach Fertigstellung erhalten.

Laut Autobahn GmbH beginnen die Vorarbeiten (Kabelverlegung, Rodungen) noch im Herbst 2025. Der Bau der Behelfsbrücke soll Anfang 2026 starten, die gesamte Baumaßnahme einschließlich Wiederaufforstung bis Ende 2028 abgeschlossen sein.

Doch darf man diesen Zeitplan glauben? Bundesweit müssen rund 11.000 Brücken saniert oder ersetzt werden, wie eine BUND-Analyse 2024 zeigte. Schon in den vergangenen Jahren haben Brückensanierungen an der A 99 regelmäßig länger gedauert als ursprünglich veranschlagt – sei es wegen Lieferengpässen, fehlender Baukapazitäten oder unvorhergesehener Schäden. Ein Abschluss Ende 2028 dürfte daher eher optimistisch sein.

Über eine Projektseite will die Autobahn Südbayern Gemeindeverwaltung und Bürger regelmäßig informieren und sucht auch den direkten Dialog mit den Anwohnern.

Die Sanierung der B-304-Brücke über die A 99 ist notwendig und unumgänglich. Doch beim Zeitplan, beim Lärmschutz und beim Eingriff in den Bannwald bleiben berechtigte Zweifel. Nach Jahrzehnten verschleppter Brückensanierungen im ganzen Land stellt sich die Frage: Wird auch dieses Projekt am Ende teurer, länger und lauter, als es jetzt angekündigt wird?

Die Präsentation der Autobahn GmbH können Sie hier als PDF herunterladen.

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