Brenner-Nordzulauf: Arbeitskreis „Bahnlärm Kirchseeon“ fordert mehr Lärmschutz

Beim geplanten Ausbau des Brenner-Nordzulaufs der Bahn fordert der Arbeitskreis "Bahnlärm Kirchseeon" jetzt entschlossenes Handeln für unsere Gesundheit und Lebensqualität.
Brenner-Nordzulauf: Arbeitskreis „Bahnlärm Kirchseeon“ fordert mehr Lärmschutz

Der Brenner-Nordzulauf stellt eine der bedeutendsten Infrastrukturmaßnahmen innerhalb des Trans-Europäischen-Netzes dar. Dieser als Scan-Med-Korridor bekannte Hauptverkehrsweg verbindet Skandinavien mit dem Mittelmeer und verläuft unmittelbar durch unsere Gemeindegebiete in Neukeferloh und Vaterstetten. Mit der für das Jahr 2032 geplanten Eröffnung des Brenner-Basis-Tunnels und der anschließenden Fertigstellung des Nordzulaufs bis 2040 wird eine massive Zunahme des Güterverkehrs auf der Schiene erwartet. In einer Informationsveranstaltung am 12. Februar 2026 informierte der seit acht Jahren aktive und überparteiliche Arbeitskreis Bahnlärm Kirchseeon über die drohenden Auswirkungen für unsere Region.

Im Zentrum der Debatte steht der Streckenabschnitt zwischen Kirchseeon und Trudering. Hier soll durch den Einsatz des neuen digitalen Zugleitsystems ETCS und eine sogenannte Blockverdichtung die Kapazität der vorhandenen Gleise verdoppelt werden. Ein technischer Meilenstein, der jedoch ohne zusätzlichen Lärmschutz katastrophale Folgen für die Anwohner hätte. Zusätzlich plant die Deutsche Bahn den Bau eines neuen Überholbahnhofs zwischen Baldham und Zorneding, der zusätzliche Gleise auf einer Länge von rund zwei Kilometern umfasst. Trotz dieser baulichen Eingriffe stuft die Bahn das Vorhaben bisher lediglich als Ausbaustrecke ein und verweigert den Anwohnern damit den rechtlichen Anspruch auf eine Lärmvorsorge nach dem strengeren Neubaustandard der 16. Bundesimmissionsschutzverordnung.
Der Arbeitskreis sowie die betroffenen Kommunen halten diese Sichtweise für rechtlich nicht haltbar. Unter Berufung auf Urteile des Bundesverwaltungsgerichts wird argumentiert, dass eine Kapazitätsverdoppelung eine wesentliche Änderung der Anlage darstellt, die zwingend einen modernen Schallschutz auslösen muss. Die gesundheitlichen Risiken durch den zunehmenden Schienenlärm sind wissenschaftlich belegt: Dauerhafte Belastungen über 65 Dezibel führen zu einem signifikant höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und massiven Schlafstörungen. Besonders in der dicht besiedelten Metropolregion München darf der Gesundheitsschutz nicht hinter wirtschaftlichen Interessen zurückstehen.

Die grüne Gemeinderätin Inge Ziegler, die die Veranstaltung besuchte, unterstreicht die Notwendigkeit einer starken regionalen Allianz. Bürgermeister Korneder hat bereits Kontakt zu seinem Amtskollegen in Vaterstetten aufgenommen, um sicherzustellen, dass Grasbrunn aktiv in das Bündnis der Gemeinden von Kirchseeon bis Trudering eingebunden wird. Es gilt, vor der entscheidenden Abstimmung im Bundestag im Laufe des Jahres 2026 ein klares Signal an die Bundespolitik zu senden. In diesem politischen Umfeld, das auch auf höchster Ebene durch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und aktuelle Regierungsentscheidungen geprägt wird, darf der lokale Lärmschutz nicht auf der Strecke bleiben.

Ein weiteres zentrales Anliegen ist die Sicherung der S-Bahn-Qualität. Der Arbeitskreis warnt davor, die S-Bahn-Gleise künftig im Mischbetrieb für den Fern- und Güterverkehr zu nutzen. Dies würde die Pünktlichkeit gefährden und den Nahverkehr destabilisieren. Stattdessen werden Lösungen wie Express-S-Bahnen gefordert, die ohne Zwischenhalt von Zorneding oder Grafing nach München fahren könnten. Dies wäre eine effektivere Methode zur Fahrzeitverkürzung als das bloße Zeichnen neuer Linien in die Landschaft, die oft ohne Rücksicht auf die örtliche Bevölkerung geplant werden.
Weitere Informationen finden Interessierte auf der Webseite des Arbeitskreis Bahnlärm Kirchseeon.

Beitragsfoto: © DB InfraGO AG

Teilen mit:

Schreibe einen Kommentar

Mit dem Absenden eines Kommentars stimmen Sie unserer Datenschutzerklärung und der Speicherung der von Ihnen angegebenen, personenbezogenen Daten zu.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

 

Es werden alle Kommentare moderiert. Lesen Sie bitte auch unsere Kommentarregeln:

Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen. Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte - gerne auch mit Humor.