Den Grasbrunner Wald im Wandel hautnah erleben

Bei einer Exkursion rund um den Waldfriedhof Neukeferloh wurde deutlich, wie stark der Klimawandel die Wälder bereits heute verändert.
Den Grasbrunner Wald im Wandel hautnah erleben

Wie lässt sich der Wald für kommende Generationen erhalten? Dieser Frage widmete sich die Exkursion „Wald im Wandel“, zu der die Gemeinde Grasbrunn gemeinsam mit dem Team Klimaanpassung des Landratsamts München sowie dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Ebersberg-Erding eingeladen hatte. Mehr als 20 interessierte Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, sich direkt vor Ort ein Bild von den Herausforderungen zu machen, vor denen die heimischen Wälder stehen.

Eröffnet wurde die Exkursion von Grasbrunns Erstem Bürgermeister Sebastian Stüwe. Er betonte die große Bedeutung der Waldflächen für die Gemeinde Grasbrunn. Gerade an heißen Sommertagen seien die Wälder wichtige Rückzugsorte, sie prägten das Landschaftsbild, dienten der Erholung und erfüllten zugleich zahlreiche ökologische Funktionen. Dass diese Aufgaben künftig nicht selbstverständlich erfüllt werden können, wurde während der Führung eindrucksvoll deutlich.

Die fachliche Leitung übernahm Revierleiterin Julia Borasch vom AELF Ebersberg-Erding. An mehreren Stationen erläuterte sie, welche Veränderungen bereits heute in den Wäldern der Region sichtbar sind. Längere Trockenperioden, steigende Temperaturen, Sturmschäden und Schädlingsbefall setzen vielen Baumarten zunehmend zu. Besonders auf der Münchner Schotterebene, auf der auch Grasbrunn liegt, verschärfen die speziellen Bodenverhältnisse die Situation zusätzlich. Die kiesreichen Böden können nur wenig Wasser speichern, wodurch die Bäume in trockenen Sommern besonders schnell unter Stress geraten.

Themen wie diese gewinnen auch auf kommunaler Ebene immer mehr an Bedeutung. Rund zehn Hektar Wald befinden sich im Eigentum der Gemeinde Grasbrunn, der überwiegende Teil der Waldflächen gehört jedoch privaten Waldbesitzern. Der Gemeindewald wird durch das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten betreut und gezielt weiterentwickelt, um ihn widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen.

Während der Exkursion wurde deutlich, dass der Wald der Zukunft anders aussehen wird als jener, den viele Menschen aus ihrer Kindheit kennen. Statt großflächiger Monokulturen setzen Förster heute verstärkt auf artenreiche Mischwälder. Klimaresiliente Baumarten werden gezielt unter bestehende Bestände gepflanzt, um die Wälder langfristig stabiler zu machen. Gleichzeitig wurde erklärt, dass nachhaltige Forstwirtschaft nicht im Widerspruch zum Naturschutz stehen muss. Vielmehr gehe es darum, ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Interessen miteinander in Einklang zu bringen.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Rolle des Bannwaldes, der rund um Grasbrunn eine besondere Bedeutung besitzt. Er schützt das Klima, filtert Luftschadstoffe, speichert Kohlendioxid, bietet zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum und dient gleichzeitig vielen Menschen als Naherholungsgebiet. Gerade im dicht besiedelten Münchner Umland übernehmen diese Waldflächen wichtige Funktionen, die sich kaum ersetzen lassen.

Anhand konkreter Beispiele zeigte Julia Borasch außerdem, weshalb es nicht immer sinnvoll ist, Waldflächen vollständig sich selbst zu überlassen. Abgestorbene oder instabile Bestände können unter bestimmten Bedingungen die Entwicklung eines gesunden Mischwaldes erschweren. Deshalb seien gezielte Pflegemaßnahmen notwendig, um widerstandsfähige und artenreiche Wälder zu fördern und gleichzeitig Risiken für Mensch und Natur zu minimieren.

Die Exkursion war Teil der Umsetzung des Klimaanpassungskonzepts, das die Gemeinde Grasbrunn gemeinsam mit dem Landratsamt München und weiteren Kommunen des Landkreises entwickelt hat. Ziel ist es, die Bevölkerung frühzeitig über die Auswirkungen des Klimawandels zu informieren und gleichzeitig konkrete Anpassungsmaßnahmen sichtbar zu machen.

Veranstaltungen wie „Wald im Wandel“ zeigen dabei eindrucksvoll, dass Klimaanpassung keine abstrakte Zukunftsaufgabe ist, sondern bereits heute direkt vor der eigenen Haustür beginnt.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen zahlreiche Eindrücke und neue Erkenntnisse mit nach Hause. Vor allem wurde deutlich, dass der Wald weit mehr ist als eine Ansammlung von Bäumen. Er ist Lebensraum, Klimaschützer, Wasserspeicher, Erholungsgebiet und zugleich ein empfindliches Ökosystem, dessen Zukunft maßgeblich davon abhängt, wie verantwortungsvoll heute mit ihm umgegangen wird.

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