Der Trump-Wähler in uns

Während wir kopfschüttelnd bei der US-amerikanischen Wahl verfolgen müssen, dass voraussichtlich erneut Donald Trump zum Präsidenten des Landes gewählt wird, sollten wir die Gelegenheit nutzen und den Blick auf uns selber richten.

Denn wenngleich wir kein Verständnis für einen Trump-Wähler aufbringen, der aus unserer europäisch aufgeklärten Perspektive so offensichtlich falsches und negatives nicht sehen will, so sehen wir in unserem Alltag auch nonchalant über die Dinge hinweg, die nicht zu unserem Weltbild passen. Und dabei ist es die Perspektive auf unsere Welt, die unsere Realität ausmacht. Und die ist für jeden Menschen verschieden. Bei Trump-Wählern z.B. aus den zentralen Bundesstaaten kann die schon mal sehr eng umrissen ausfallen.

Ein zentrales Problem dabei ist, dass wir einerseits wenig Einfluss auf unsere Perspektive haben – denn die wird uns durch unsere Erziehung und unser Erwachsenwerden eingeschliffen – und wir andererseits von Natur aus Veränderungen gegenüber kritisch oder sogar ablehnend gegenüber stehen. Das hat gar nichts mit dem Charakter zu tun, sondern ist einfach evolutionsbiologisch begründet: Unser Gehirn benötigt für Veränderung einfach deutlich mehr Energie als für die Bewahrung des Status quo. Ergo muss der bewusste Leidensdruck erst eine gewisse Schwelle überschreiten bevor wir Veränderungsprozesse anstoßen. Die Betonung liegt hier auf “bewusster Leidensdruck” – denken Sie mal darüber nach.

Da war er also wieder – der Status quo. Wie ist denn Ihrer? Bereit für Veränderungen? Eine neue Weltsicht, Christ werden, WhatsApp deinstallieren, schlechte Freunde verlassen, einen inspirierenden Job suchen, den Wohnort ins gefühlte Paradies verlegen, sich neu zu verlieben, oder was auch immer die Veränderung bei Ihnen sein könnte? Nein? Ja, dann stehen Sie ihm gegenüber, dem inneren Trump-Wähler: Mit einer eher engen Realität und zufrieden mit dem Status quo, Veränderungen gegenüber eher ablehnend. Aber sicher mit einem gerütteltem Maß Offenheit für neue Einsichten.

Gastbeitrag von Andreas Penzel
Bild von Laura Seaman auf Unsplash

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