Die Gemeinde Grasbrunn hat im Jahr 2025 einen langjährigen und geschätzten Ehrenamtlichen verloren: Josef Karl, der über 40 Jahre als Feldgeschworener in Harthausen tätig war, wurde posthum mit der Ehrenurkunde des Freistaates Bayern ausgezeichnet.
Grasbrunns Erster Bürgermeister Klaus Korneder übergab die Urkunde stellvertretend an seine Witwe Katharina Karl und seinen Sohn Hubert Karl. Josef Karl verstarb im September 2025 im Alter von 71 Jahren, und die Gemeinde würdigt mit dieser Auszeichnung sein außergewöhnliches Engagement und seine tiefgehende Verbundenheit zur Heimat.
Josef Karl, in Harthausen geboren und aufgewachsen, war weit mehr als nur ein Feldgeschworener. Sein Wissen über die örtlichen Gegebenheiten, die Historie und die Landschaft der Gemeinde war einzigartig.
„Der Mann mit Hut“, wie er liebevoll genannt wurde, hatte nicht nur als Feldgeschworener einen hervorragenden Ruf, sondern war auch in vielen weiteren Bereichen der Dorfgemeinschaft aktiv. Mit seiner ruhigen und freundlichen Art konnte er Geschichten aus der Vergangenheit lebendig werden lassen und brachte mit seinem tiefen Fachwissen und seinem Humor auch die jüngeren Generationen dazu, sich für die Geschichte Harthausens zu interessieren. Auch nach seiner Pensionierung blieb er der Region und der Geschichte seiner Heimat treu.
Die Tätigkeit als Feldgeschworener ist eine der ältesten und traditionellsten Ehrenämter Bayerns. Diese Rolle geht weit über eine rein bürokratische Funktion hinaus – die Feldgeschworenen
sind nicht nur für die Einhaltung der Grundstücks- und Gemarkungsgrenzen verantwortlich, sondern stehen den Bürgern bei Fragen rund um die Vermessung und Grenzverläufe als Ansprechpartner zur Seite. In einer Zeit, in der technische und digitale Hilfsmittel immer mehr die Oberhand gewinnen, sind es vor allem die Menschen mit der ortskundigen Expertise, wie Josef Karl sie hatte, die die Tradition und die kulturelle Identität einer Gemeinde lebendig halten.
Besonders beeindruckend war auch seine Arbeit im Heimatkreis Harthausen, wo er maßgeblich zur Aufbereitung von Ausstellungen beitrug, die die Geschichte und Kultur des Ortes bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich machen.
In der Gemeinschaft wurde Josef Karl immer wieder als jemand beschrieben, der mit seiner Präsenz den Ort prägte.
Josef Karl wird nicht nur als Fachmann und Ehrenamtlicher in Erinnerung bleiben, sondern auch als Mensch, der das Dorfleben mit seiner unaufgeregten Art und seinem Engagement bereicherte. Er hinterlässt eine bleibende Spur in der Geschichte von Grasbrunn und Harthausen – eine Geschichte, die er selbst mitgeschrieben hat.

Wenn es nach dem gesetzlichen Reglement geht, werden derartige Auszeichnungen nur lebenden Personen zuteil.
Deshalb freut es mich persönlich ganz besonders, dass man sich von offizieller Seite nach langem hin und her schlussendlich dazu durchgerungen hat, die Auszeichnung posthum vorzunehmen.
Allen, die dazu beigetragen haben, meinen besonderen Dank!
Walter Pusch
Obmann der Grasbrunner Feldgeschworenen