Vandalismus gehört inzwischen fast so selbstverständlich zum Gemeindeleben wie das Maibaumaufstellen oder der Stau auf der B 304. Wer regelmäßig einen Blick in frühere Berichte von Grasbrunn Aktuell wirft, erinnert sich an beschädigte Sportanlagen, zerstörte Mülleimer oder mutwillig verwüstete Plätze.
Erst vor kurzem wurde erneut über zunehmende Sachbeschädigungen im Gemeindegebiet berichtet, wie etwa im Artikel über Vandalismusfälle im Frühjahr 2025 oder die Vorfälle im Sportpark aus dem Jahr 2024. Dass es nun aber eine Fensterscheibe trifft, die offensichtlich jemand so dringend braucht, dass er sie gleich komplett mitnimmt, hebt die Sache auf ein neues Niveau.
Genau das ist jetzt in Neukeferloh passiert. Am öffentlichen Bücherschrank neben dem Rathaus, einer liebevoll umgebauten Telefonzelle, wurde kurzerhand eine Fensterscheibe entwendet. Nicht eingeschlagen, nicht beschädigt, sondern offenbar fachgerecht ausgebaut und mitgenommen. Ein Vorgang, der viele Fragen aufwirft.
Man könnte meinen, irgendwo in der Region existiert inzwischen ein geheimer Zweitmarkt für Telefonzellenteile. Vielleicht trifft man sich abends auf einem abgelegenen Parkplatz, öffnet den Kofferraum und flüstert verschwörerisch: „Original Neukeferloher Telefonzellenscheibe, kaum benutzt.“ Oder jemand restauriert zu Hause eine eigene Telefonzelle und hat sich gedacht, warum neu kaufen, wenn es in der Gemeinde ein rund um die Uhr geöffnetes Ersatzteillager gibt.
Der betroffene Bücherschrank war erst vor gut einem Jahr feierlich eröffnet worden. Damals wurde er als Ort des Austauschs und der Begegnung gefeiert. Bücher bringen, Bücher holen, vielleicht ein kurzer Ratsch mit dem Nachbarn. Dass dieses Konzept nun um die Kategorie „Baumaterialien zum Mitnehmen“ erweitert wurde, war allerdings nicht Teil der ursprünglichen Idee.
Die Folgen sind dabei weniger amüsant als der Gedanke dahinter. Ohne Scheibe sind die Bücher im Inneren Wind und Wetter ausgesetzt. Regen interessiert sich bekanntlich wenig für literarische Qualität, und auch ein spannender Krimi verliert schnell seinen Reiz, wenn er durchnässt ist. Für die Gemeinde entstehen zusätzliche Kosten, die am Ende von allen getragen werden.
Die offene Stelle wurde mittlerweile natürlich behelfsmäßig geschlossen.
Die Gemeinde Grasbrunn bittet deshalb um Mithilfe. Wer etwas gesehen hat oder Hinweise geben kann, wird gebeten, sich zu melden. Bauhofleiter Herr Sachse ist unter 0160-90649564 erreichbar. Alternativ können Sie das Bauamt auch per E-Mail erreichen. Vielleicht erinnert sich ja jemand an eine Person, die in letzter Zeit auffällig zufrieden mit einer neuen Fensterscheibe unter dem Arm durch Neukeferloh spaziert ist.
So kurios der Vorfall auch ist, er reiht sich leider in eine Serie von Vandalismusfällen ein, die in den vergangenen Jahren immer wieder Thema waren. Ob beschädigte Einrichtungen oder mutwillige Zerstörung, das Muster ist bekannt. Neu ist lediglich die kreative Ausführung.
Bleibt zu hoffen, dass die verschwundene Scheibe entweder wieder auftaucht oder der unbekannte „Sammler“ zumindest bald feststellt, dass Bücherregale ohne Glas zwar rustikal wirken, aber selten eine echte Verbesserung darstellen. Bis dahin gilt in Grasbrunn wohl weiterhin die einfache Regel: Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, könnte morgen schon Geschichte sein.

Werte kann man nicht lehren, sondern nur vorleben, lautet ein berühmtes Zitat. Und genau das ist das Problem.
Vandalismus ist kein Kavaliersdelikt und wird von der Gesellschaft teuer bezahlt. Er mindert unsere Lebensqualität – wenn ich an der S-Bahn Vaterstetten stehe, wundere ich mich immer, wie schlimm es dort aussieht. Das ist wirklich kein Aushängeschild für unsere Gemeinde! Es ist auch peinlich, wenn Kunden oder Besucher mit der S-Bahn zum Technopark kommen und dort aussteigen müssen.