Wer es nicht zufällig ausprobiert hat, hätte es gar nicht bemerkt: Weder gab es eine feierliche Einweihung mit rotem Band, noch ein Gruppenfoto mit Bürgermeistern, Landtagsabgeordneten und Blaskapelle. Nein, der Aufzug fährt einfach wieder. Fast so, als wäre es das Normalste der Welt.
Seit Dezember 2024 (wir berichteten: „Aufzug am S-Bahnhof Vaterstetten außer Betrieb“) stand das Gerät still. Neun Monate lang mussten Reisende mit Kinderwagen, Fahrrädern, Rollatoren oder Rollstühlen auf kreative Lösungen zurückgreifen – oder gleich den Umweg über Baldham nehmen. Dass ausgerechnet dort der Aufzug 2023 ebenfalls stillgelegt wurde, war für viele nur noch der traurige ironische Höhepunkt.
Im Mai 2025 kam es sogar zu einem kleinen Aufstand: Bürgerinnen und Bürger protestierten gegen die monatelange Blockade. Transparente, Unterschriftenlisten, mediale Aufmerksamkeit – sogar die Süddeutsche berichtete. Landtagsabgeordnete kritisierten öffentlich die Deutsche Bahn, die sich bekanntlich Zeit nimmt, wenn sie welche hat.
Und jetzt? Der Aufzug fährt, die S-Bahn-Durchsagen sagen aber noch immer: „Der Aufzug ist außer Betrieb. Bitte benutzen Sie den Aufzug Baldham.“ Ein Servicehinweis, der in etwa so hilfreich ist wie der Tipp „gehen Sie zu Fuß nach Rom, dort gibt’s auch eine Kirche“.
Wer die Unterführung nutzt, wünscht sich allerdings eher eine Komplettsanierung. Die Fliesen erinnern mehr an den Berliner U-Bahnhof Zoo der 80er als an eine moderne Pendlerstation im Münchner Umland. Ein bisschen Putz, vielleicht mal ein Hochdruckreiniger – und der frisch reparierte Fahrstuhl könnte sogar Freude auslösen.

Bis dahin dürfen wir uns immerhin freuen: Vaterstetten hat seinen Aufzug zurück. Und diesmal, so hofft man, bleibt er länger in Betrieb als ein durchschnittlicher ICE auf der Strecke München–Berlin pünktlich ist.

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