Entscheidung um Energiezentrale im Technopark Neukeferloh vertagt

In einer nicht ganz so überraschenden Wendung hat der Grasbrunner Gemeinderat den Tagesordnungspunkt zur geplanten Energiezentrale in Neukeferloh am 29. Juli 2025 kurzfristig von der Agenda gestrichen.
Entscheidung um Energiezentrale im Technopark Neukeferloh vertagt

Was sich bereits in den vergangenen Monaten abzeichnete, kulminierte nun im vollbesetzten Sitzungssaal des Rathauses: ca. 30 Anwohner aus Vaterstetten und Neukeferloh hatten im Vorfeld gegen den geplanten Standort der Energiezentrale protestiert. In Flugblättern, Leserbriefen und einem offenen Brief an die Gemeinderäte, der unter anderem von Peter Walczuch im Namen vieler Betroffener verfasst wurde, wurde massive Kritik am Standort am Rande von Neukeferloh geäußert – direkt angrenzend an Wohngebiete, ein geplantes Bannwaldstück und einen beliebten Bolzplatz.

Die Energiezentrale soll nach bisherigen Planungen auf mehreren Grundstücken im sogenannten Technopark entstehen (Fl.Nrn. 507/200, 507/203–207). Geplant ist ein massives Gebäude mit einer Grundfläche von über 30 x 32 Metern, drei Schornsteinen und einer Höhe von bis zu 32,5 Metern. Laut der schalltechnischen Untersuchung und dem Schornsteinhöhengutachten, die auf der Website der Gemeinde einsehbar sind, wird das Gebäude technisch als dauerbetriebenes Heizkraftwerk beschrieben – nicht nur als reine Geothermie-Übergabestation.

Die Bürger sehen darin einen drastischen Eingriff in ihre Wohnqualität und die örtliche Umwelt. Besonders der Verlust des Waldstreifens und des Spielplatzes ist für viele nicht hinnehmbar.

Bereits zu Beginn der 8. Grasbrunner Gemeinderatssitzung, die in Abwesenheit des Ersten Bürgermeisters Klaus Korneder diesmal vom 3. Bürgermeister Hannes Bußjäger geleitet wurde, beantragte Freie Wähler-Fraktionschef Johannes Seitner, den Tagesordnungspunkt zu streichen. SPD, CSU und Grüne schlossen sich mit klaren Worten an. Der Tenor: „Es kann keinen Beschluss geben, bevor Alternativstandorte ernsthaft geprüft wurden.“ Die Verwaltung hatte bislang nur den Technopark entlang der Gemeindegrenze Vaterstetten betrachtet – andere mögliche Flächen wurden, so der Vorwurf, aus wirtschaftlichen Gründen ausgeklammert.

Letztlich wurde die Abstimmung mit nur zwei Gegenstimmen vertagt. Die Sommerpause soll nun genutzt werden, um Alternativen zu evaluieren. Ein Teilerfolg für die Bürgerinitiative – der Applaus von etwa 50 anwesenden Bürgerinnen und Bürgern war entsprechend laut.

Obwohl das Baugesetzbuch (§3 Abs. 1 BauGB) eine frühzeitige Bürgerbeteiligung vorsieht, war dies nach Ansicht vieler Kritiker nicht ausreichend gewährleistet. Erst in der aktuellen Beschlussvorlage zur Änderung des Flächennutzungs- und Bebauungsplans wurden konkrete Maße und technische Details öffentlich – über ein halbes Jahr nach dem ursprünglichen Aufstellungsbeschluss vom 10. Oktober 2024.

Auch frühere Veranstaltungen – wie der Bürgerdialog im Januar 2025 – wurden von vielen als zu einseitig empfunden. Die Gemeindeverwaltung verwies damals auf Zeitdruck, Flächenverfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit. Dass inzwischen rund 170.000 Euro im Haushaltsplan für Planungskosten eingestellt wurden, erhöhte den Eindruck, dass der Standort bereits feststand.

In den kommenden Wochen wird die Verwaltung Alternativen prüfen müssen – auch auf Grundstücken, die bisher nicht im Gemeindebesitz sind. Ob damit tatsächlich ein Kompromiss gefunden werden kann, bleibt offen. Der geplante Ausbau des kommunalen Wärme- und Energienetzes in Grasbrunn bleibt notwendig – doch die Standortfrage dürfte die Gemeinde auch nach der Sommerpause weiter beschäftigen.

Frühere von Grasbrunn Aktuell:

Öffentliche Dokumente der Gemeindeverwaltung zu Flächennutzungs- und Bebauungsplanänderung sowie Umweltgutachten finden Sie im Ratsinformationssystem der Gemeinde Grasbrunn.

Grundkonzept der Festsetzungen: Fläche für Versorgungsanlagen – Erneuerbare Energien, Grünfläche – (Montage: Grasbrunn Aktuell)

 

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