Generationenwechsel beim Heimatkreis Harthausen

Nach dem Verlust seines langjährigen Vorsitzenden Josef Karl stellt sich der Heimatkreis Harthausen neu auf und blickt zugleich nach vorne.
Generationenwechsel beim Heimatkreis Harthausen

Noch im vergangenen Jahr hatte Josef Karl, vielen als „Seil Sepp“ bekannt, bei der Jahreshauptversammlung angekündigt, zwei Jahre weitermachen zu wollen. Dass es dazu nicht mehr kommen sollte, traf den Verein tief. Sein Tod ein halbes Jahr später hinterließ nicht nur eine persönliche Lücke, sondern stellte den Heimatkreis auch organisatorisch vor Herausforderungen.

Josef Karl
Josef Karl (1954-2025)

Um handlungsfähig zu bleiben, wurde bereits im Oktober 2025 in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung seine Stellvertreterin Irmgard Karg einstimmig zur ersten Vorsitzenden auf Zeit gewählt. Bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung lag es nun an ihr, durch den Abend zu führen und die Weichen für die Zukunft zu stellen. Souverän begrüßte sie rund 70 anwesende Mitglieder und führte gewohnt sicher durch die Tagesordnung. Gleich zu Beginn sorgte sie mit einer pragmatischen Frage für Auflockerung: erst das Grußwort des Ersten Bürgermeisters oder zuerst das Essen? Die Mehrheit entschied sich für die Worte von Bürgermeister Klaus Korneder.

Dieser nutzte die Gelegenheit, dem Heimatkreis für sein Engagement zu danken und hob insbesondere die jüngste Ausstellung hervor, die viele Einblicke in die Ortsgeschichte ermöglicht hatte. Darüber hinaus kündigte er an, dem Vereinsarchiv künftig die Beschlüsse der ehemaligen Gemeinde Harthausen aus den Jahren 1906 bis 1978 zu überlassen. Damit erhält der Heimatkreis wertvolles historisches Material, das die Arbeit der vergangenen Jahre sinnvoll ergänzt und die Bedeutung des Vereins für die Bewahrung lokaler Geschichte weiter unterstreicht.

Nach dem gemeinsamen Essen folgten die Berichte, unter anderem von Kassier Hans Karl, sowie die Entlastung der Vorstandschaft durch die Kassenprüfer. Im Anschluss richtete sich der Blick nach vorne: Die Neuwahlen standen an. Unter der Leitung von Bürgermeister Korneder als Wahlvorstand wurde innerhalb kurzer Zeit eine neue Vorstandschaft einstimmig gewählt. Hubert Karl übernimmt künftig den Vorsitz, unterstützt von Irmgard Karg als Stellvertreterin. Martin Renk jun. wurde zum Kassier gewählt, Irmgard Voglsinger übernimmt das Amt der Schriftführerin. Auch die Kassenprüfer Hans Keller sen. und Eva Maas-Eiba wurden einstimmig bestätigt.

In seiner ersten Ansprache machte Hubert Karl deutlich, dass ihm die Verantwortung bewusst ist. Er trete in große Fußstapfen, wolle aber das Erbe seines Vaters in dessen Sinne weiterführen. Der 45-jährige IT-Fachmann und Nebenerwerbslandwirt setzt dabei auf Kontinuität. Bestehende Projekte sollen fortgeführt werden, darunter auch das Seilhof-Museum, das eng mit der Geschichte der Familie Karl verbunden ist. Besonders hob er die bisherige Archivarbeit hervor, die maßgeblich von Irmgard Karg geprägt wurde.

Die kommenden Monate sind bereits klar umrissen. Schon in wenigen Wochen steht mit dem Herrichten des Heiligen Grabes für Karfreitag und Karsamstag eine der traditionellen Aufgaben an. Für den Sommer ist ein gemeinsamer Ausflug geplant, während die nächste große Ausstellung erst für das Jahr 2028 vorgesehen ist und sich dem Thema Maibaum widmen wird. Auch im Ort selbst ist die Arbeit sichtbar: Die erneuerten Ortseingangstafeln, gestaltet von der Harthauser Künstlerin und Kirchenmalerin Heike Mrasek, setzen einen neuen Akzent im Ortsbild.
Neben den offiziellen Programmpunkten zeigte sich auch an diesem Abend, was den Heimatkreis ausmacht. In einer Pause trug Herbert Baumann ein Gedicht über das Bürgerhaus und seinen Wandel im Laufe der Zeit vor. Solche Beiträge sind es, die die Verbindung zwischen Geschichte und Gegenwart greifbar machen.
Auch ein Filmprojekt zur Landwirtschaft von Maximilian Eiba steht in den Startlöchern, für dessen Präsentation noch technische Anpassungen notwendig sind.

Mit derzeit 135 Mitgliedern ist der Heimatkreis Harthausen der größte Verein im Ort und ein wichtiger Träger des gesellschaftlichen Lebens. Gleichzeitig hält auch hier die Moderne Einzug. Während Einladungen bislang per Hand verteilt wurden, setzt der Verein künftig verstärkt auf digitale Kommunikation per E-Mail, ohne dabei Mitglieder ohne Internetanschluss auszuschließen.
Nach rund zweieinhalb Stunden konnte die Versammlung geschlossen werden.

Der Abend machte deutlich, dass der Heimatkreis trotz eines schmerzlichen Verlusts gut aufgestellt ist. Zwischen Tradition und Erneuerung gelingt es dem Verein, das Andenken an Josef Karl zu bewahren und gleichzeitig neue Wege zu gehen – ganz im Sinne eines lebendigen Dorflebens, das Vergangenheit und Zukunft miteinander verbindet.

Beitragsfoto v.l.n.r.: Hubert Karl, Irmgard Voglsinger, Irmgard Karg und Martin Renk

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