Nach der vollständigen Freiräumung des Platzes läuft nun die technische Vorbereitung für die Tiefenbohrungen, die ab 2026 heißes Thermalwasser aus mehreren Kilometern Tiefe erschließen sollen. „Eine konstante Frischwasserversorgung der Bohranlage ist essenziell. Allein 15 Liter Wasser pro Sekunde sind notwendig, um das Bohrklein aus der Tiefe nach oben zu spülen“, erklären die GEMO-Geschäftsführer Tobias Aschwer und Markus Porombka. Das Wasser wird vor Ort gefördert und durch den örtlichen Versorger VEMO ergänzt. Die ersten Bohrungen bis 25 Meter Tiefe dienen dazu, die Gesteinszusammensetzung und Grundwasserleiter zu erkunden. Alle Arbeiten stehen unter strengen wasserrechtlichen Auflagen, denn – so die Geschäftsführung – „unser Grund- und Trinkwasser ist ein höchst schützenswertes Gut.“
Die Gemeinden Vaterstetten, Grasbrunn, Haar und Zorneding verfolgen das Ziel, ihre Wärmeversorgung klimafreundlich und unabhängig von fossilen Energien zu machen. Bereits 2023 wurde die Arbeitsgemeinschaft Geothermie und Wärmewende gegründet, um Kräfte zu bündeln. Zahlreiche vorbereitende Maßnahmen – von archäologischen Grabungen über Vermessungen in Grasbrunn bis zu Förderbescheiden für Vaterstetten – haben das Projekt Schritt für Schritt vorangebracht.
Wie wir bei Grasbrunn Aktuell bereits berichteten, setzt insbesondere die Gemeinde Haar stark auf Geothermie, um ihre Fernwärmeversorgung langfristig klimaneutral auszubauen. Für Grasbrunn wiederum ist das Projekt nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz, sondern auch ein finanzieller Kraftakt, der sich bereits im Haushaltsplan 2025 niederschlug.
Parallel zu den technischen Fortschritten sorgt die Standortfrage der geplanten Energiezentrale im Technopark Neukeferloh weiterhin für Diskussionen. Ursprünglich war ein Bolzplatz am Rand des Technoparks im Gespräch, was zu Protesten von Anwohnern und Vereinen führte. Inzwischen zeichnet sich ein Kompromiss ab, bei dem der Bolzplatz erhalten bleibt – dennoch ist die Entscheidung im Gemeinderat zuletzt mehrfach vertagt worden. Die Debatte bleibt also hochaktuell, und auch im Bürgerdialog wurde deutlich, dass sich viele Einwohner mehr Transparenz und Mitsprache wünschen.
Die Frischwasserbohrungen in Weißenfeld sollen innerhalb der nächsten zwei Wochen abgeschlossen sein. Danach folgt die Ausschreibung für die Tiefenbohrungen, deren Start für Ende 2026 vorgesehen ist. Wenn alles nach Plan läuft, könnte die Region dann über eines der größten kommunalen Geothermieprojekte Bayerns verfügen.
Beitragsbild: Von links: Andreas Gahr (Geschäftsführer der HÖRMANN ENEX Power), Georg Stockinger (Enex Power), Dr. Hartwig Schröder, Geschäftsführer der HÖRMANN ENEX Engineering, René Kahnt (G.E.O.S. Ingenieurgesellschaft mbH), Markus Porombka (Geschäftsführer der GEMO), Julio Kemenyfy (Geschäftsführer und Inhaber der KEMCO Drilling Management Consulting GmbH), Mitarbeiter der baugrund Süd sowie Aufsichtsratsvorsitzender der GEMO und Erster Bürgermeister der Gemeinde Grasbrunn, Klaus Korneder.

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