Glasfaser in Grasbrunn: Grünes Licht? Eher grüne Schilderuggf 

Fast ein Jahr lang zierten sie die Vorgärten wie das Symbol einer verheißungsvollen Zukunft: die kleinen grünen UGG-Schilder, stolz verkündet als Zeichen des baldigen Glasfaserzeitalters. Nur – von Glasfaser ist bis heute keine Spur. Die Euphorie von Ende 2024 ist verflogen, zurück bleibt ein Stillleben aus Plastikschildern und gebremster Digitalisierung.
Glasfaser in Grasbrunn: Grünes Licht? Eher grüne Schilder

Aufgrund eines Schreibens und Gesprächs mit Jens Lauser von der UGG wurden wir gebeten folgende Aussagen richtigzustellen und haben den Artikel modifiziert.

„Die UGG zieht sich nicht vom Glasfaserprojekt in Grasbrunn zurück. Aktuell hat sich in unseren Planungen nichts geändert. Wir suchen aber nach der Ankündigung der Telekom aber das Gespräch mit der Gemeinde.“


Die „Unsere Grüne Glasfaser“ (UGG) versprach damals vollmundig, „spätestens Mitte 2025“ mit dem Ausbau zu beginnen. Geblieben ist von diesem Zeitplan wenig – abgesehen von freundlichen Hotline-Stimmen, die Geduld empfehlen. Schon im Frühjahr musste das Unternehmen einräumen, sich „weiterhin in der Planungsphase“ zu befinden. Der Start verschob sich auf 2026 – und selbst das war offenbar zu optimistisch gedacht.

Nun also die offizielle Kehrtwende: Wie schon in den letzten Monaten vermutet wurde, scheint sich der Glasfaserausbau durch die UGG weiter hinauszuzögern. Wie seit gestern bekannt ist, will die Telekom nun überraschend den Ausbau im zweiten Quartal 2026 beginnen. Anschlüsse können sogar schon ab dem 17. November 2025 gebucht werden – ein Datum, das man sich in Grasbrunn vorsichtshalber mit Bleistift in den Kalender schreiben sollte.

Dabei war die Idee ja schön: Ein eigenwirtschaftlicher Ausbau, schnell, unabhängig, modern. Doch bis jetzt ist nicht viel passiert. Auch in anderen Gemeinden blieb es bei Versprechungen und Werbeschildern. In Grasbrunn wuchs derweil das Gras – buchstäblich – über die geplanten Glasfasergräben.

Grasbrunn Aktuell hatte schon mehrfach über den zähen Glasfaser-Krimi berichtet: 2023 zog die Telekom ihre Ausbaupläne wegen steigender Tiefbaukosten zurück. 2024 startete die UGG mit großen Ankündigungen und im Juni 2025 folgte die Verschiebung auf unbestimmte Zeit.

Die Gemeinde zeigte sich diplomatisch: Man sei „überrascht, aber froh über die neue Dynamik“. Die Telekom plant laut eigenen Angaben den Ausbau von rund 40 Kilometern Glasfasertrasse, 34 Netzverteilern und eine flächendeckende Versorgung aller Gemeindeteile.
Wie realistisch das ist, bleibt abzuwarten – schließlich hatte die Telekom vor zwei Jahren selbst die Reißleine gezogen. Immerhin sollen diesmal bereits bestehende Leitungstrassen genutzt werden, um die Bauarbeiten zu verkürzen.

Für die Grasbrunner Bürger heißt es nun: weiter warten. Verträge mit der UGG bleiben aktuell gültig, doch deren Zukunft ist so unklar wie die Tiefbaupläne beider Unternehmen. Ob die Telekom wirklich zügig übernehmen kann oder erst einmal sortieren muss, ist offen.

Die gute Nachricht: Die grünen Schilder dürfen stehen bleiben – als Mahnmal eines Glasfaserversprechens, das (vorerst) im Datennebel verschwunden ist. Vielleicht sieht man sie eines Tages als Kuriosität vergangener Ausbau-Ären, wenn Grasbrunn tatsächlich im digitalen Zeitalter angekommen ist. Bis dahin bleibt’s beim guten alten Kupfer – und der Erkenntnis, dass Glasfaser hier offenbar deutlich langsamer verlegt wird, als das Internet später einmal sein soll.

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2 Antworten auf “Glasfaser in Grasbrunn: Grünes Licht? Eher grüne Schilderuggf 

  1. Wäre dann mal an der Zeit die Bewohner von Grasbrunn zu unterrichten wie es mit den Verträgen der Kunden die bei der UGG unterschrieben es weitergeht . Wie es aussieht werden Verträge diesbezüglich mit der Telekom schon abgeschlossen

  2. Zitat: Die Gemeinde zeigte sich diplomatisch: Man sei „überrascht, aber froh über die neue Dynamik“.

    Das ist ja putzig: die Gemeinde hätte sich lieber nicht auf die (vermeintliche) Dynamik von externen Akteuren verlassen sollen! Viel besser wäre es gewesen, wenn die Gemeinde ab 2012 eigene Dynamik entwickelt und selber ein Glasfasernetz gebaut hätte, wie ich es als Gemeinderat seit zig Jahren, auch mittels Anträgen, immer wieder vorgeschlagen habe. Aber Abstimmungen des Gemeinderats darüber hat der Erste Bürgermeister ja ‚elegant‘ mit der Behauptung vermieden, dass man bereits „in Gesprächen mit Firmen“ sei – besonders vor der letzten Kommunalwahl. Da hat man vielleicht ‚dynamisch‘ geredet, aber in die Eigendynamik des wirksamen Tuns ist man nie gekommen.

    Dagegen reagiert man auf (angeblich bevorstehende) Einnahmeeinbußen und auf Kostensteigerungen stets mit einer erstaunlichen Dynamik.

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