Der Hofname „Seil Sepp“ geht auf den traditionsreichen Seidlhof zurück, der seit 1620 besteht und seit 1815 im Besitz der Familie Karl ist. Hier lebte und arbeitete Josef Karl, der nicht nur als Landwirt, sondern vor allem als leidenschaftlicher Bewahrer von Geschichte und Gemeinschaft in Erinnerung bleiben wird.
Unvergessen ist sein Engagement für das Dorf: 45 Jahre war er aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Harthausen, stets zuverlässig, hilfsbereit und voller Fachwissen. Als Vorsitzender des Heimatkreises Harthausen setzte er sich unermüdlich dafür ein, Geschichte lebendig zu halten.
2007 engagierte sich Josef Karl für den Erhalt des Gut Möschenfeld in seiner ursprünglichen Form, gegen den Bau einer riesigen Golfanlage, die dann aufgrund von Protesten der Bürger durch einen Gemeinderatsbeschluss auch nicht gebaut wurde.
Auch die Ortschronik „1200 Jahre Harthausen“ trägt seine Handschrift. Mit Akribie, Leidenschaft und Heimatliebe sammelte er über Jahre hinweg Wissen, Geschichten und Bilder, die ohne ihn wohl verloren gegangen wären. Bei Errichtung des Dorfladens in Harthausen im alten Feuerwehrhaus war er eine der Schlüsselfiguren und brachte sich mit vielen unentgeltlichen Stunden Arbeit ein. Unvergessen auch sein bis aufs kleinste Detail gestaltetes Modell der St. Ottilie-Wallfahrtskirche in Möschenfeld im Maßstab 1:4 in das er 100 Arbeitsstunden investierte.
Dank der Initiative von Josef Karl und dem Heimatkreis Harthausen e.V. erstrahlt seit einigen Jahren auch das Heilige Grab in der St. Andreas Kirche wieder in vollem Glanz. Nach jahrzehntelanger Lagerung und einem gescheiterten Restaurierungsversuch im Jahr 1983, wurde die alte Tradition im Jahr 2008 erfolgreich wiederbelebt, die von Karfreitag bis zur Auferstehung Jesu die Kirche in ein mystisches Licht taucht.
2022 eröffnete Karl das Seilhof Mu(h)seum in Harthausen, eine einzigartige Sammlung historischer Landwirtschaftsgeräte, Alltagsgegenstände und Dokumente zur Dorfgeschichte. Damit schenkte er Harthausen eine Attraktion, die über Generationen hinaus Bestand haben wird. Kurz darauf folgte die Wiedereröffnung der historischen Kegelbahn an der Wolfersberger Straße, für deren Neubau sich Josef Karl ebenfalls jahrelang einsetzte und die Arbeiten begleitete.
Neben seinen öffentlichen Aufgaben war er auch als Mesner tätig, kümmerte sich um die Kirchen und Friedhöfe in Harthausen und Möschenfeld und engagierte sich in zahlreichen Projekten, darunter auch bei der Afrika-Hilfsaktion „Harthausen hilft Togo“.
Für sein außergewöhnliches Engagement wurde Josef Karl vielfach geehrt – unter anderem 2014 mit der Grasbrunner Bürgermedaille in Gold mit Ehrennadel und Urkunde. Doch die größte Anerkennung erhielt er wohl durch die Menschen in Harthausen, die ihn kannten als jemanden, auf den man sich in jeder Sitation immer verlassen konnte und der immer ein offenes Ohr für die Probleme und Nöte anderer hatte.
Sein Tun war geprägt von Verlässlichkeit, Hilfsbereitschaft und einer tiefen Verwurzelung in seiner Heimat. Mit Josef Karl, dem „Seil Sepp“, verliert Harthausen ein echtes Urgestein – einen Menschen, der mit seinem Einsatz das Gemeindeleben reicher, bunter und menschlicher gemacht hat. Wir werden ihn sehr vermissen.
Die Trauerfeier und Beisetzung findet am 23.09.2025 um 10:00 Uhr in Harthausen statt.

Beitragfoto; Uschi Voglsinger

Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines geliebten Menschen ersetzen kann. Je schöner und voller die Erinnerung, desto härter die Trennung, aber die Dankbarkeit schenkt in der Trauer eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne wie ein kostbares Geschenk in sich. Von ihm geht eine dauernde Freude und Kraft aus. (Dietrich Bonhoeffer)
Servus Sepp,
„gute Reise „!
Ich vermisse Dich!
Trudi