Am Karfreitag wurde in Harthausen ein beinahe vergessenes Stück gelebter Tradition wieder hörbar gemacht: das „Karfreitagsratschen“.
Statt des gewohnten Glockenläutens, das an diesem Tag aus Respekt vor der Karfreitagsstille schweigt, erfüllten die rhythmischen Geräusche der Ratschen die Straßen und erinnerten an die besondere Bedeutung dieses Tages im Kirchenjahr.
Der Brauch hat eine lange religiöse Tradition und steht symbolisch für die Stille und Trauer rund um den Tod Jesu. Während vielerorts die Glocken bis zur Osternacht verstummen, übernehmen Ratschen diese akustische Funktion. In Harthausen wurde diese Form des Brauchtums nun wieder stärker in den Mittelpunkt gerückt, nachdem sie in den vergangenen Jahren nur noch in eingeschränkter Form, etwa mit einer großen Ratsche vor der Kirche, praktiziert wurde. Dass Kinder mit eigenen Ratschen durch den Ort ziehen, ist hingegen eine neue Entwicklung.
Initiiert wurde die Aktion von der Harthauser Ministrantengruppe, unterstützt von engagierten Eltern, die sowohl bei der Organisation als auch beim Bau der Ratschen mitgewirkt haben. Dieses Zusammenspiel aus ehrenamtlichem Einsatz und gemeinschaftlichem Engagement zeigt einmal mehr, wie lebendig Vereins- und Gemeindestrukturen in unserer Region sind.
Am Vormittag des Karfreitags versammelten sich rund 30 Kinder an drei Treffpunkten im Ort, um gemeinsam mit ihren Ratschen zur St. Andreas Kirche Harthausen zu ziehen. Dort angekommen, feierten sie gemeinsam den Kreuzweg für Kinder. Der Ablauf verband damit religiöse Themen mit einem aktiven gemeinssamen Erlebnis, das insbesondere für die jüngeren Teilnehmer einen einfacheren Zugang zu kirchlichen Traditionen bietet.

Bemerkenswert ist auch, dass selbst ältere Einwohner sich nur vage an die Ursprünge der großen Ratsche erinnern konnten. Dies zeigt, wie sehr ein solcher Brauch im Laufe der Zeit in den Hintergrund geraten kann und nun durch gezielte Initiativen wieder ins Bewusstsein gerückt wird.
Fotos: Wolfgang Mende

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