Die letzte Gemeinderatssitzung des Jahres am 16. Dezember 2025 verlief auf den ersten Blick unspektakulär: Der Haushalt 2026 wurde einstimmig verabschiedet, die Gemeinde bleibt schuldenfrei, Kredite sind nicht nötig, Steuern und Gebühren werden nicht erhöht. Und doch war die Sitzung geprägt von deutlicher Kritik – erneut an der Kreisumlage, die 2026 auf 53,7 Prozent steigt und damit ein neues Rekordniveau erreicht.
Schon in früheren Artikeln von Grasbrunn Aktuell war die Kreisumlage regelmäßig Thema: Seit Jahren warnen Gemeinderäte davor, dass die Umlage schleichend, aber stetig steigt – und dabei immer tiefer in die kommunalen Spielräume eingreift.
Was lange als Problem der finanz-schwächeren Kommunen galt, ist nun endgültig auch in Grasbrunn angekommen.
Kämmerer Sebastian Stüwe fand in der Sitzung klare Worte. Sinngemäß erinnerte er daran, dass noch 2024 versprochen worden sei, eine Umlage über 50 Prozent sei ein einmaliger Ausreißer. Zwei Jahre später liege man bei 53,7 Prozent – eine Entwicklung, die aus seiner Sicht „so nicht weitergehen“ könne. Für 2026 bedeutet das für Grasbrunn Zahlungen von rund 13,5 Millionen Euro an den Landkreis, etwa eine halbe Million mehr als im Vorjahr.
Auch Grasbrunns Erster Bürgermeister Klaus Korneder (SPD) stellte sich hinter diese Kritik.
Der Tenor: Noch sei die Belastung für Grasbrunn tragbar, doch viele Nachbarkommunen stünden bereits mit dem Rücken zur Wand. Wenn dieser Trend anhalte, drohten Umlagesätze, die kommunale Selbstverwaltung faktisch aushöhlen.
Die nüchternen Zahlen aus der Haushaltspräsentation zeichnen ein paradoxes Bild. Das Gesamtvolumen des Haushalts steigt 2026 auf knapp 37,8 Millionen Euro. Der Verwaltungshaushalt wächst deutlich, der Vermögenshaushalt sinkt leicht. Kredite? Fehlanzeige. Verpflichtungsermächtigungen? Ebenfalls keine. Seit 2024 ist Grasbrunn schuldenfrei und plant bis mindestens 2029 ohne Neuverschuldung.
Möglich wird das unter anderem durch stabile Einnahmen: Die Gewerbesteuer lag 2025 deutlich über den vorsichtig angesetzten 15 Millionen Euro, realistisch sind über 20 Millionen. Für 2026 kalkuliert die Kämmerei bewusst defensiv mit 14 Millionen. Auch die Einkommensteuerbeteiligung steigt weiter und wird erstmals klar über acht Millionen Euro liegen.
Und dennoch: Die Zuführung zum Vermögenshaushalt beträgt 2026 exakt null Euro. Stattdessen werden über 5,2 Millionen Euro aus der Rücklage entnommen – vor allem für Investitionen wie die Geothermie (3,5 Millionen Euro), Tiefbaumaßnahmen inklusive Lärmschutz, sowie energetische Sanierungen und Ausstattung der Feuerwehren. Die Rücklagen bleiben zwar komfortabel, doch der Trend zeigt: Die Substanz wird angegriffen.
Selbstkritisch blickt die Gemeinde auch auf ihre eigenen Ausgaben. Die Personalkosten überschreiten 2026 erstmals die Marke von zehn Millionen Euro – ein drastischer Anstieg im Vergleich zu den unter sechs Millionen vor zehn Jahren. Hinzu kommen freiwillige Leistungen von rund 1,14 Millionen Euro für Vereine, Feuerwehren und Organisationen. „Beides machen wir natürlich gerne, aber es ist nicht unproblematisch und wir werden diese freiwilligen Leistungen künftig genauer hinterfragen müssen.“ sagte Stüwe.
Diese Offenheit ist bemerkenswert, denn sie widerspricht dem oft gehörten Argument aus Landkreisen und Bezirken, die Gemeinden müssten zuerst vor der eigenen Haustür kehren. Grasbrunn tut genau das und kritisiert deshalb zu Recht die übergeordnete Ebene.
Der Landkreis München verweist seinerseits auf massive Belastungen: sinkende Umlagekraft, rückläufige Gewerbesteuereinnahmen, steigende Sozialausgaben und eine höhere Bezirksumlage. Der Kreistag verabschiedete den Haushalt 2026 einstimmig, nach monatelangen Sparrunden. Landrat Christoph Göbel räumte ein, die Kreisumlage sei zu hoch und müsse perspektivisch wieder sinken.
Doch diese Perspektive ist vage. Für Grasbrunn bleibt vorerst die Realität einer Umlage von 53,7 Prozent und die Sorge, dass selbst eine finanziell vorbildliche Gemeinde immer weniger Gestaltungsspielraum behält. Wie Grasbrunn Aktuell bereits in früheren Jahren kommentierte: Wenn Sparsamkeit und Schuldenfreiheit nicht mehr belohnt, sondern durch steigende Umlagen relativiert werden, gerät das kommunale System insgesamt aus dem Gleichgewicht.
Der Haushalt 2026 zeigt Grasbrunn als finanziell starke, solide geführte Gemeinde. Doch die Debatte um die Kreisumlage offenbart eine wachsende strukturelle Schieflage. Noch kann Grasbrunn die Belastung schultern. Die eigentliche Frage, die im Raum steht, lautet jedoch: Wie lange noch – und zu welchem Preis für kommunale Projekte, Investitionen und Selbstbestimmung?

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