Mit der Drehleiter zum letzten Wunsch vom Seil Sepp

Ein Herzenswunsch des verstorbenen Josef Karl geht in Erfüllung: Feuerwehr Putzbrunn holt mit der Drehleiter das Zifferblatt der Kirchenuhr von St. Andreas Harthausen herunter.
Mit der Drehleiter zum letzten Wunsch von Seil Sepp

Es war ein ungewöhnliches Bild, das sich am Dorfplatz von Harthausen bot: Statt zu einem Brand oder einer Unfallrettung rückte die Drehleiter der Freiwilligen Feuerwehr Putzbrunn aus, um hoch oben am Kirchturm von St. Andreas ein Stück Dorfgeschichte herunterzuholen – das südliche Zifferblatt der Kirchenuhr.

Anlass war ein letzter Wunsch von Josef Karl, im Ort als „Seil Sepp“ bekannt. Karl war eine Persönlichkeit, die wie kaum ein anderer das Dorfleben in Harthausen bereichert und geprägt hat – als 45 Jahre aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Harthausen und als Vorsitzender des Harthauser Heimatkreises setzte er sich unermüdlich dafür ein, Geschichte und Traditionen lebendig zu halten. Am 16. September 2025 ist Josef Karl verstorben. Sein Wunsch: Das südliche Zifferblatt der St.-Andreas-Kirche sollte restauriert werden.

Um diesen Wunsch zu erfüllen, nahm der Heimatkreis Kontakt mit der Freiwilligen Feuerwehr Harthausen auf und fragte, ob eine technische Lösung möglich sei. Kommandant Mathias Friesinger bat daraufhin die Feuerwehr Putzbrunn mit ihrer Drehleiter um Amtshilfe – und die sagte ohne Zögern zu. Für die Putzbrunner Wehr war der Einsatz zugleich eine willkommene Übung, denn die Örtlichkeiten am engen Harthauser Kirchturm gelten als anspruchsvoll für den Einsatz einer Drehleiter.

Das bestätigte sich auch vor Ort: Der Maschinist musste mehrfach ansetzen, bis er den Korb auf rund einen Meter an die Kirchenuhr heranmanövrieren konnte. Näher ließen die räumlichen Gegebenheiten es nicht zu. Von dort aus löste Kommandant Friesinger akrobatisch zunächst die Zeiger und anschließend die vier Befestigungsschrauben des Zifferblatts. Nach rund 15 Minuten intensiver Arbeit im Korb der Drehleiter hielt er das Zifferblatt schließlich hoch – begleitet vom Applaus der stetig gewachsenen Menschenmenge, die sich am Dorfplatz eingefunden hatte.

Für den Einsatz war der Dorfplatz zwischen 19:30 und 20:00 Uhr für den Durchgangsverkehr gesperrt, die Feuerwehr leitete den Verkehr in dieser Zeit um.

Mit der Aktion erfüllt sich nun der letzte Wunsch eines Mannes, der sich zeitlebens für den Erhalt der Harthauser Geschichte eingesetzt hat – etwa 2007, als er sich für den Fortbestand des Gut Möschenfeld in seiner ursprünglichen Form einsetzte. Für sein Engagement war Josef Karl mehrfach geehrt worden, unter anderem 2014 mit der Grasbrunner Bürgermedaille in Gold. Dass jetzt ausgerechnet die Feuerwehr – seine Feuerwehr, der er 45 Jahre lang angehörte – bei der Erfüllung seines letzten Wunsches half, dürfte im Sinne des „Seil Sepp“ gewesen sein.

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