Nachdem das Projekt lange auf Eis gelegen hatte, kommt nun Bewegung hinein – allerdings begleitet von einem offenen Konflikt zwischen Verein und Gemeinde über die Finanzierung. Am 25. März 2025 hat der Gemeinderat den Antrag des TCN beraten und weitreichende Entscheidungen getroffen.
Was der Tennisclub fordert
In einem Schreiben vom 10. Februar 2025 beantragte der TCN unter Vorsitz von Hans Greineder die Unterstützung der Gemeinde für den Bau einer 3-Feld-Tennishalle. Das Projekt soll über ein Bankdarlehen und Fördermittel des Bayerischen Landessportverbands (BLSV) finanziert werden. Der Verein stellte jedoch drei zentrale Forderungen an die Gemeinde:
- Übernahme der Planungs- und Genehmigungskosten
- Übernahme der Erschließungs- und Ausgleichskosten für Natur- und Landschaftseingriffe
- Übernahme potenzieller Rückbaukosten im Falle einer späteren Umnutzung
Die bisher genutzte Traglufthalle ist wirtschaftlich nicht mehr tragbar: Seit 2022 seien die Energiekosten um 450 Prozent gestiegen, die monatlichen Betriebskosten lägen bei rund 4.200 Euro.
Die Position der Gemeinde
Bürgermeister Klaus Korneder verwies in der Sitzung auf den städtebaulichen Vorvertrag vom 16. Januar 2024, in dem sich der TCN verpflichtet hatte, sämtliche Planungs- und Beratungskosten selbst zu tragen. Bereits rund 28.000 Euro für Rechtsberatung wurden dem Verein in Rechnung gestellt, jedoch noch nicht beglichen. Auch die Erschließungskosten (geschätzt 25.000 Euro) und naturschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen (ca. 87.000 Euro) seien laut Vertrag Sache des Vereins.
Darüber hinaus wurde der Antrag auf Übernahme der Rückbaukosten durch die Gemeinde mit 17 zu 1 Stimmen abgelehnt. Die Verwaltung betonte, dass der Verein für den Rückbau selbst Rückstellungen bilden müsse. Die Mitglieder des Gemeinderats kritisierten zudem, dass bisher kein Mitgliederbeschluss für den Bau einer 3-Feld-Halle existiere und der Verein bislang keinen umfassenden Businessplan vorgelegt habe.
Diskussion im Gemeinderat
50 Mitglieder des TCN waren als Gäste bei der Sitzung am 25.03.2025 anwesend. Hans Greineder verteilte ein 28-seitiges Handout mit detaillierten Informationen zum Projekt an die Gemeinderäte. Im Gegenzug legte die Verwaltung eine Analyse der finanziellen Auswirkungen für die Gemeinde vor. Diese zeigt unter anderem:
- Planungskosten: 43.000 Euro für Flächennutzungsplan und Bebauungsplan, 40.000 Euro für rechtliche Abwägungen
- Erschließungs- und Kompensationskosten: Mindestens 400.000 Euro für Wasser, Abwasser, Strom und Gas
- Rückbaukosten: Derzeit geschätzt auf 220.000 Euro, indexiert über 25 Jahre auf bis zu 440.000 Euro
- Erbpacht und mögliche Kaufpreisänderungen: Verlängerung um fünf Jahre könnte 638.000 Euro kosten, eine zehnjährige Verlängerung sogar 1,3 Millionen Euro
Die Meinungen im Gemeinderat waren gespalten:
Während Paul König (CSU) die Tennishalle als „Gamechanger“ für Grasbrunn bezeichnete und für eine Kostenübernahme plädierte, schlug Max Wallleitner (Bündnis 90/Grüne) einen Kompromiss vor, bei dem sich sowohl Gemeinde als auch Verein an den Kosten beteiligen.
Thomas Michalka (AusschussG FDP/Michalka) äußerte Bedenken hinsichtlich des finanziellen Risikos und erinnerte an die ursprüngliche Zusage des TCN, die Halle eigenständig zu finanzieren. Dieter Schuster (SPD) betonte, dass die Zustimmung des Gemeinderats auf dieser Zusicherung basierte. Julia Blanck (SPD) forderte einen Mitgliederbeschluss des TCN, um Klarheit über die Finanzierung zu schaffen. Detlef Wildenheim (CSU) schlug vor, die bisherige Unterstützung der Gemeinde um 150.000 Euro zu erhöhen und begründete dies mit der Unterstützung des Tennisclubs bei der Traglufthalle, für die die Gemneinde damals 174.000 Euro zugeschossen hatte.
Beschlüsse der Sitzung
Nach intensiver Diskussion wurde der Antrag des TCN in seiner ursprünglichen Form mit 12 zu 6 Stimmen abgelehnt. Hier ist die Zusammenfassung der Beschlüsse:
- Die vollständige Übernahme der Planungs- und Genehmigungskosten durch die Gemeinde wurde mit 12 zu 6 Stimmen abgelehnt.
- Die Gemeinde übernimmt die über 20.000 Euro hinausgehenden Kosten für Rechtsberatung. Beschluss mit 17 zu 1 Stimmen angenommen.
- Die Übernahme der Erschließungs- und Kompensationskosten durch die Gemeinde wurde mit 15 zu 3 Stimmen abgelehnt.
- Ein Zuschuss von 100.000 Euro für Erschließungs- und Kompensationskosten wurde mit 10 zu 8 Stimmen abgelehnt.
- Die Verpflichtung der Gemeinde, die Rückbaukosten der Tennishalle zu übernehmen, wurde mit 17 zu 1 Stimmen abgelehnt.
- Der TCN muss für die Rückbaukosten Rückstellungen bilden, eine Barsicherheit ist nicht erforderlich. Beschluss mit 17 zu 1 Stimmen angenommen.
- Die Verwaltung wird beauftragt, mit den Grundeigentümern eine Verlängerung des Erbbaurechtsvertrags um 8 Jahre zu verhandeln. Beschluss mit 16 zu 0 Stimmen angenommen.
- Der TCN muss vor Unterzeichnung des städtebaulichen Vertrags einen Mitglieder- oder Vorstandsbeschluss zur Finanzierung und zum Bau der Tennishalle vorlegen. Beschluss mit 17 zu 1 Stimmen angenommen.
Wie geht es weiter?
Innerhalb des Vereins herrscht Uneinigkeit über die Finanzierung. Ehemalige Vorstandsmitglieder wie Herbert Schick betonten, dass es nie einen Beschluss für eine 3-Feld-Halle gab, sondern lediglich für eine Einfeld-Halle. Zudem fehle eine klare Finanzierungsstrategie: Die geplanten Baukosten von 1,7 Millionen Euro setzen einen 400.000-Euro-Zuschuss vom Landessportbund voraus – der Tennisclub müsste also rund 1,1 Millionen Euro aufbringen. Kritiker fragen sich, ob dies realistisch ist.
Hans Greineder argumentierte, dass eine echte Finanzierungszusage erst nach Vorliegen aller Genehmigungen möglich sei. Der Gemeinderat will nun Klarheit und fordert, dass der Verein einen verbindlichen Beschluss seiner Mitglieder herbeiführt.
Der Bau der Tennishalle bleibt ein kontroverses Thema in Grasbrunn. Die Gemeinde zeigt sich grundsätzlich bereit, das Projekt zu unterstützen, stellt jedoch Bedingungen: Der Verein muss seine Finanzierungsstrategie darlegen, eine Mitgliederversammlung abhalten und Rückstellungen für Rückbaukosten bilden. Ob die Halle tatsächlich gebaut wird, hängt jetzt davon ab, ob der TCN die geforderten Nachweise erbringen kann.
Das Handout des TCN können Sie bei Interesse hier als PDF herunterladen.
Beitragsbild: Mögliche Planansicht der Tennishalle

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