Wenn in München kurz nach Beginn der Fastenzeit der Nockherberg ruft, dann gehört das für viele Bayern längst so selbstverständlich dazu wie die Starkbierzeit selbst. Auch in diesem Jahr wurde beim traditionellen Politiker-Derblecken wieder gezeigt, warum dieser Abend weit über die Grenzen der Landeshauptstadt hinaus Kultstatus genießt. Für viele ist der Nockherberg ein fester Termin im politischen Kalender – nicht nur wegen des berühmten Starkbiers der Paulaner-Brauerei, sondern vor allem wegen der Mischung aus bayerischer Tradition, scharfzüngiger Satire und politischem Kabarett.
Die diesjährige Fastenpredigt hielt erstmals der Schauspieler und Kabarettist Stephan Zinner. Und obwohl er den anwesenden Politikern im Vergleich zu seinem Vorgänger etwas milder begegnete, blieb dennoch genug Stoff für Lacher und nachdenkliche Momente. Gleich zu Beginn sorgte er mit einer Szene für Aufsehen: Als er beim Thema Atomkraft-Neustart laut „Atom? Echt jetzt? Gott im Himmel hilf!“ ausrief, meldete sich Gott höchstpersönlich – allerdings mit weiblicher Stimme. „Schon immer“, antwortete sie trocken auf die Frage, seit wann Gott eine Frau sei. Ein humorvoller, aber zugleich kluger Einstieg, der den Ton des Abends setzte.
Zinner kennt die politische Bühne des Nockherbergs gut. Viele Jahre spielte er im Singspiel selbst Markus Söder. Entsprechend selbstbewusst erklärte er, er besitze das „große Markusium in Söderistik“. Mit spitzer Feder erinnerte er den Ministerpräsidenten daran, dass dieser einst angekündigt hatte, nach zehn Jahren aufhören zu wollen – allerdings sei das noch der „alte Markus Söder“ gewesen, ohne Bart und mit dem Ziel eines höheren Frauenanteils in der CSU. Ein Satz, der im Saal für hörbares Gelächter sorgte.
Auch andere bekannte Gesichter der Politik bekamen ihr Fett weg: Hubert Aiwanger wurde zum „John Rambo aus Rottenburg an der Laaber“, SPD-Chef Lars Klingbeil erhielt das Prädikat „Charisma wie ein Einbau-Kühlschrank“, während Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze für ihren unerschütterlichen Optimismus gelobt wurde – „wenn Optimismus erneuerbar wär, könnten Sie ganz Bayern versorgen“.
Zwischen den humorvollen Spitzen schob Zinner immer wieder ernstere Töne ein. Besonders deutlich wurde er beim Thema Bildung. Trotz steigender Schülerzahlen seien in Bayern keine zusätzlichen Lehrkräfte geplant. „Für die schwarze Null produzieren wir Bildungsnullen“, kritisierte er und erhielt dafür viel Applaus.
Zum traditionellen Abend auf dem Nockherberg gehört neben der Fastenpredigt natürlich auch das Singspiel. In diesem Jahr trat Thomas Unger als Markus Söder der mittelalterliche Barde auf, der das Publikum mit satirischen Liedern über die Bundespolitik unterhielt. Besonders die Seitenhiebe auf Kanzler Friedrich Merz (gespielt von David Zimmerschied) und Innenminister Alexander Dobrindt (Wowo Habdank) sorgten für viele Lacher im Saal. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (Gerhard Wittmann) wiederum klagte humorvoll über die Herausforderungen seiner Stadt und sammelte im Bettelmönch-Gewand symbolisch Spenden „für eine arme Stadt“.
Gerade diese Mischung aus Kabarett, politischem Kommentar und bayerischer Volkskultur macht den Reiz des Nockherbergs aus. Seit Jahrzehnten ist das Starkbierfest ein Spiegel der politischen Stimmung im Freistaat.
Am Ende waren sich viele Politiker einig: Es war ein gelungener Abend. Markus Söder sprach von einem „guten Start“, Familienministerin Ulrike Scharf lobte die Rede als würdig für die Tradition der Fastenpredigt, und Katharina Schulze hob hervor, dass es sowohl Momente zum Lachen als auch zum Nachdenken gegeben habe.
So bleibt der Nockherberg auch in diesem Jahr das, was er seit Generationen ist: ein Ort, an dem Politik mit Augenzwinkern betrachtet wird. Oder, wie man in Bayern sagen würde: Derbleckt wird, was Rang und Namen hat – und genau deshalb gehört dieser Abend fest zur politischen Kultur des Freistaats.
Wer den Nockherberg verpasst hat, kann hier die ganze Veranstaltung ansehen:

Es war gut, auch wenn der CSU, lt. Medienberichten, so manche Aussage und Darstellung nicht gepasst hat. Die Gesichtszüge mancher Politiker sprechen Bände. Und das Wort „Augenmass“ wird bei so manchem Politiker weiterhin ein unbekanntes Wort bleiben.