An der Lehnerstraße in Grasbrunn stehen seit einiger Zeit ausgemusterte MVV- und Reisebusse auf dem ehemaligen Parkplatz der Firma Feinkost Kugler. Offiziell sollen dort für zunächst zwei Jahre gebrauchte Busse zum Weiterverkauf abgestellt werden.
Beschlossen wurde diese Nutzung erst in der Bauausschusssitzung des Gemeinderats am 13. Januar 2026 – mit einer knappen 7:5-Mehrheit.
Brisant: Die Busse stehen bereits seit dem vergangenen Jahr auf der Fläche, diskutiert und formal genehmigt wurde die Nutzung jedoch erst jetzt.
Die aktuellen Diskussionen sind Teil einer langen Geschichte. Als Feinkost Kugler 2014 nach Parsdorf umzog, blieb der Parkplatz an der Lehnerstraße zurück. Der Bebauungsplan wurde nie angepasst, ein städtebaulicher Vertrag mit dem Eigentümer kam nicht zustande. Eigentlich hätte die Fläche nach dem Wegzug zurückgebaut werden sollen.
2017 eskalierte der Konflikt, als der Eigentümer dort einen Busbahnhof errichten wollte. Das Gericht untersagte dies, erlaubte jedoch eine Nutzung für „ruhenden Verkehr“ – also reines Abstellen von Fahrzeugen. Diese rechtliche Einordnung bildet bis heute die Grundlage für alle Übergangslösungen.
Für viele Anwohnerinnen und Anwohner ist die Geduld längst erschöpft. Die durch den Wegzug von Kugler entstandenen Restflächen sorgen seit Jahren für Unmut. Besonders das legendäre „Grasbrunner Loch“ wurde zum Sinnbild des Stillstands – und bei Grasbrunn Aktuell mehrfach zum Thema, teils auch satirisch (siehe Rückblick am Ende des Artikels).
Zwar ist das Loch inzwischen verfüllt, doch der Bauhof nutzt die Fläche seit Jahren als Lager für Geräte und Baumaterial. Der Ortseingang am Kreisel gilt bei vielen weiterhin als Schandfleck.
Neu – und deutlich brisanter – sind die Sicherheitsbedenken, die Anwohner schildern. Das Gelände ist nicht abgesperrt, viele Busse stehen offen und frei zugänglich. Nach Angaben aus der Nachbarschaft nutzen Jugendliche die Busse nachts als Treffpunkt, um zu rauchen oder Alkohol zu trinken. In einigen Fahrzeugen befinden sich zudem alte 12-Volt-Autobatterien.
„Nicht auszudenken, wenn in den Bussen gezündelt wird. Dann fliegt uns das alles hier um die Ohren!“, sagt ein Anwohner aus der angrenzenden Willstraße.
Einzelne Bewohner vermuten sogar Drogenhandel auf dem Areal. Beweise dafür gibt es bislang nicht – das Unsicherheitsgefühl jedoch ist real. Für viele sind die Zustände unzumutbar.
„Eine Abstellfläche für ausrangierte Busse am Ortseingang ist weder gestalterisch noch ökologisch verantwortbar. Das widerspricht unserem Anspruch an ein gepflegtes, sicheres und lebenswertes Ortsbild.“, sagt Mitchell Nelson von den Grasbrunner Grünen.

Der Grundstückseigentümer argumentiert in einem Schreiben vom 4. August 2025, dass die Nutzung bewusst auf gebrauchte Busse beschränkt wurde. Wohnmobile würden jährlich mehrfach bewegt, Busse hingegen lediglich einmal bei Zu- und Abfahrt. Dadurch seien Emissionen und Verkehrsbelastung geringer als bei Wohnmobilen. Die Nutzung sei zudem klar auf zwei Jahre befristet, beginnend ab 1. Oktober 2025.
In der Beschlussvorlage heißt es, die beantragte Nutzung sei dem ruhenden Verkehr zuzuordnen und daher grundsätzlich zulässig. Auch das Landratsamt München habe in der Vergangenheit signalisiert, dass eine solche Befreiung vom Bebauungsplan möglich sei. Gleichzeitig räumt die Verwaltung ein, dass die Nutzung vor allem in den Wintermonaten optisch beeinträchtigend sei und eine Absicherung des Geländes eigentlich geboten wäre.
Bleibt die zentrale Frage: Übergangslösung oder weiteres Dauerprovisorium? Nach mehr als einem Jahrzehnt ohne klare Perspektive wirkt auch diese Entscheidung wie ein weiteres Verschieben grundlegender Probleme. Die Kombination aus fehlender Aufwertung, offenem Gelände und Sicherheitsrisiken verstärkt den Eindruck, dass am Ortseingang von Grasbrunn weiterhin reagiert statt gestaltet wird.
Ob die zweijährige Befristung tatsächlich zu einer nachhaltigen Lösung führt oder ob Anwohner auch in zwei Jahren wieder vor denselben Fragen stehen, wird sich zeigen.
Klar ist schon jetzt: Rechtlich möglich heißt nicht automatisch gut umgesetzt.
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Rückblick:
- „Das Ende des Grasbrunner Lochs“ (2020)
- Aprilscherz „Ein Schwimmbad für Grasbrunn“ (2021)
- Aprilscherz „Grasbrunner Loch verfüllt“ (2022)

Für mich ist nicht nachvollziehbar, warum da alte Busse abgestellt werden und nicht endlich ein Parkplatz für die ganzen, pakplatzblockierenden Wohnmobile, die überall in der Gemeinde stehen geschaffen wird. Und so oder so, darf das Gelände nicht für jeden zugänglich sein.
„Wir Grünen lehnten die Genehmigung ab, weil die Abstellfläche für ausrangierte Busse am Ortseingang sehr unschön ist. Zudem ziehen beschädigte Busse mit eingeschlagenen Scheiben Vandalismus an und bergen durch mögliche Öl- und Benzinrückstände ein Risiko für Boden und Umwelt.“