Otto Bußjäger verlässt die Freien Wähler

Nach wachsender Kritik am politischen Kurs der Bundes- und Landespartei zieht der FW-Kreisvorsitzende und stellvertretende Landrat nun die Konsequenz – bleibt jedoch lokalpolitisch aktiv.
Otto Bußjäger verlässt die Freien Wähler

Mit einem Paukenschlag verlässt Otto Bußjäger (53), ehemaliger Bürgermeister von Grasbrunn, langjähriger Kreisvorsitzender der Freien Wähler im Landkreis München und stellvertretender Landrat, die Bundespartei der Freien Wähler – mit sofortiger Wirkung. Dieser Schritt kommt für politische Beobachter wenig überraschend, spiegelt er doch eine Entwicklung wider, über die auch Grasbrunn Aktuell in den letzten Jahren mehrfach berichtet hat.

Bereits im November 2018 war es zu internen Spannungen innerhalb der Freien Wähler gekommen, als führende Mitglieder öffentlich mit Bußjäger abrechneten. Dennoch hielt dieser der Partei lange die Treue – auch 2023, als sich viele nach der Flugblatt-Affäre von Hubert Aiwanger distanzierten, stellte sich Bußjäger noch öffentlich hinter den Parteichef. Spätestens mit der Sperrung der Facebook-Seite der Kreis-FW durch Meta im Februar 2025 wurde deutlich, wie unruhig es im Umfeld der Partei geworden war.

Nun aber ist das Band endgültig zerschnitten. Bußjäger begründet seinen Schritt mit dem „Abdriften nach rechts“ und einem Stil, der zunehmend auf „Konfrontation, Protest und Polarisierung“ setze. Ein Gespräch mit dem FW-Fraktionschef Florian Streibl im Landtag habe diesen Eindruck sogar noch verstärkt. Seine Kritik reichte von mangelnder Aufmerksamkeit für städtische Themen über fehlende Positionierung bei sozialen Fragen bis zur Ignoranz gegenüber Infrastrukturprojekten wie dem Brenner-Zulauf oder der Investitionspolitik im Raum Ottobrunn.

Der Schritt Bußjägers ist Teil einer größeren Bewegung: Bereits vor zwei Wochen hatte der Kreisverband München-Land angekündigt, ohne Unterstützung der Bundespartei in die Kommunalwahl 2026 zu gehen. Jetzt macht man Nägel mit Köpfen. Der gesamte Verband will künftig als unabhängige, freie Wählergruppe antreten – ohne Parteibindung, aber weiter mit Fokus auf Bürgernähe und kommunale Sacharbeit.

Bußjäger behält seinen Posten als Kreisvorsitzender – denn dieser ist formal nicht an eine Parteimitgliedschaft gebunden. Auch seine Aufgaben als stellvertretender Landrat und politischer Ansprechpartner will er wie gewohnt fortführen.
Aiwanger reagiert schroff

Die Entwicklung im Landkreis München markiert eine Zäsur in der Geschichte der Freien Wähler vor Ort. Während die Bundespartei um ihren Kurs ringt, setzt der Kreisverband auf Eigenständigkeit, Bürgernähe und kommunale Verantwortung.

Ob und wie sich dieser neue Weg auf die Kommunalwahl 2026 auswirkt, bleibt abzuwarten – klar ist aber: In Grasbrunn und dem Landkreis wird nicht mehr unter dem alten Parteibuch gespielt.

Eine Antwort auf “Otto Bußjäger verlässt die Freien Wähler”

  1. Ganz gut, dass Herr Bussjäger die FW verlässt, allein schon seine Ahnungslosigkeit und meiner Meinung starke Inkompetenz beim Brenner Nordzulauf sprechen Bände.

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