Rahmenplan für Finckwiese in Haar beschlossen

Mit dem Beschluss des Rahmenplans nimmt das umstrittene Gewerbegebiet auf der Finckwiese in Haar konkrete Formen an.
Rahmenplan für Finckwiese in Haar beschlossen

Der Haarer Stadtrat hat in seiner letzten Sitzung der laufenden Wahlperiode den städtebaulichen Rahmenplan für das geplante Gewerbegebiet auf der Finckwiese mehrheitlich beschlossen und damit den nächsten Schritt für eines der größten Entwicklungsprojekte im Osten Münchens eingeleitet. Grundlage für die Entscheidung waren unter anderem die Ergebnisse mehrerer Bürgerworkshops sowie zahlreiche Stellungnahmen aus Verwaltung, Politik und Bürgerschaft.
Die SPD stimmte gegen den Rahmenplan und begründete dies vor allem mit der weiterhin offenen Frage, welches Unternehmen sich dort überhaupt ansiedeln soll.

Die Finckwiese zwischen B304 und B471 beschäftigt Haar und die Nachbargemeinden bereits seit Jahren. Schon früh wurde deutlich, dass die verkehrsgünstige Lage aus Sicht der Gemeinde ein großes Potenzial für Gewerbeansiedlungen bietet. Gleichzeitig lösten die Planungen immer wieder Diskussionen über zusätzliche Verkehrsbelastung, Flächenverbrauch und Eingriffe in Natur- und Landschaftsräume aus. Bereits 2021 wurde unter dem Schlagwort „Paradise City“ über mögliche Entwicklungen auf dem Gelände diskutiert. Später konkretisierten sich die Überlegungen zu einem modernen Businesspark mit nachhaltigem Anspruch. Grasbrunn Aktuell hatte mehrfach über die Debatten rund um die Finckwiese berichtet, unter anderem über die ersten Planungen eines Businessparks sowie über Warnungen der Nachbargemeinden vor weiter zunehmendem Verkehr.

Der nun beschlossene Rahmenplan bildet die Grundlage für den späteren Bebauungsplan. Ziel der Gemeinde ist es, bei einer konkreten Anfrage eines Unternehmens schnell reagieren zu können, ohne erst ein langwieriges Bauleitverfahren starten zu müssen. Die Stadt verfolgt damit einen Ansatz, der in vielen Kommunen inzwischen üblich geworden ist: Erst die planungsrechtlichen Voraussetzungen schaffen, dann gezielt nach geeigneten Nutzern suchen.

Geplant ist entlang der Wasserburger Straße eine bis zu 15 Meter hohe Produktionshalle. Im westlichen Bereich des Areals sollen kleinere Gewerbehallen sowie flexibel nutzbare Büro- und Funktionsgebäude entstehen. Diese könnten je nach Bedarf unterschiedlich kombiniert werden. Denkbar seien Nutzungen aus den Bereichen IT, Handwerk, Dienstleistungen oder Forschung. Auch kleinere ergänzende Angebote wie ein Café, ein Paketshop oder ein Kiosk wären möglich, sofern sich entsprechende Betreiber finden.

Besonderes Augenmerk legt die Gemeinde auf Mobilität und Nachhaltigkeit. Vorgesehen ist ein sogenannter Mobility-Hub mit Parkflächen, E-Ladesäulen sowie Angeboten für Fahrrad- und Carsharing. Zudem sollen große Teile der Dachflächen mit Photovoltaik ausgestattet werden. Begrünte Dächer, Regenwasserrückgewinnung und eine möglichst energiesparende Bauweise gehören ebenfalls zum Konzept. Die Wärmeversorgung soll überwiegend über Fernwärme erfolgen.

Auch Anregungen aus der Bürgerschaft wurden in den Rahmenplan aufgenommen. So sind größere Bäume, begrünte Aufenthaltsflächen und natürliche Elemente wie Nistkästen vorgesehen. Andere Wünsche fanden dagegen keine Berücksichtigung. Weder ein Campingplatz noch ein Spielplatz oder spezielle Ruhebereiche sollen entstehen. Wohnungen sind im Gewerbegebiet ebenfalls nicht vorgesehen. Nach Einschätzung der Planer seien Wohnnutzungen mit den Emissionen eines Gewerbegebiets nur schwer vereinbar.

Besonders intensiv diskutiert wurde erneut das Thema Verkehr. Die Zufahrt zum Quartier soll ausschließlich über die Wasserburger Straße erfolgen. Geplant ist dort ein neuer Verkehrsknotenpunkt gegenüber der ehemaligen Kaserne. Eine direkte Anbindung über die Forsthausstraße wurde verworfen. Zusätzlich wird über eine Erweiterung der Buslinie 193 nachgedacht, die künftig möglicherweise direkt durch das Gewerbegebiet führen könnte.

Weiterhin kritisch sehen Umweltverbände die Entwicklung auf der Finckwiese. Bereits Ende vergangenen Jahres hatte der LBV gegen mögliche Rodungen im angrenzenden Bannwald mobil gemacht und eine Demonstration vor dem Bürgerhaus Haar organisiert. Die Diskussion um Natur- und Artenschutz dürfte daher auch im weiteren Verfahren eine zentrale Rolle spielen. Gerade die Nähe zu sensiblen Grünflächen sorgt weiterhin für Widerstand bei Teilen der Bevölkerung.

Im Stadtrat selbst fiel die Debatte erwartungsgemäß unterschiedlich aus. Vertreter der Grünen bezeichneten den Rahmenplan zwar als wichtigen Zwischenschritt mit einigen sinnvollen Ansätzen beim Thema Nachhaltigkeit, kritisierten jedoch, dass auf Teilen der Fläche keine Wohnbebauung vorgesehen ist. Aus ihrer Sicht wurde damit eine Chance vertan, dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die CSU wiederum verteidigte das Vorgehen der Gemeinde und verwies darauf, dass frühere Projekte auch deshalb gescheitert seien, weil planungsrechtliche Grundlagen zu spät geschaffen wurden.

Mit dem Beschluss des Rahmenplans beginnt nun die nächste Phase: die Aufstellung eines konkreten Bebauungsplans. Dort wird detailliert geregelt, wo gebaut werden darf, welche Gebäudehöhen zulässig sind und welche Nutzungen konkret möglich sein sollen. Auch ein Hochpunkt an der Ecke Wasserburger Straße und Grasbrunner Straße bleibt weiterhin denkbar. Dieser dürfte maximal 21 Meter hoch werden und würde das neue Gewerbegebiet weithin sichtbar prägen.

Beitragsfoto: © Andreas Mauermayer

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Eine Antwort auf “Rahmenplan für Finckwiese in Haar beschlossen”

  1. Wird es ähnlich wie die gestalterisch trostlose Ladenpassage beim Hochhaus am Jagdfeld? Thema Nistkästen. Wo sollen Vögel Futter für die Aufzucht ihres Nachwuchses finden? Statt Nistkasten sollte man dort betreute Taubenhäuser errichten, denn Tauben sind z.B. Kulturfolger und Fassadenbrüter. Dann würde man wenigstens für eine Vogelart was tun
    Und warum berücksichtigt man die dort lebenden Amphibien nicht, wenn doch das Schlagwort Artensterben jedem bekannt sein dürfte. Die Tiere wandern aus den dortigen Wald- und Feldgebieten in die Gärten der Anwohner und wieder zurück, solange sie nicht vorher bei der Überquerung der Strasse überfahren werden. Bezieht doch endlich mal das Them Naturschutz bei den Planungen mit ein, gerade auch zum Wohl von uns Menschen.

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