Spatenstich zur Radschnellverbindung von München nach Garching/Unterschleißheim

Zwischen Fortschritt und Stillstand: Während im Norden Münchens die Radschnellverbindung wächst, blockiert die Deutsche Bahn weiter das wichtige Teilstück zwischen Haar und Vaterstetten.
Spatenstich zur Radschnellverbindung von München nach Garching/Unterschleißheim

Im Landkreis München schreitet der Ausbau moderner Radschnellwege sichtbar voran – zuletzt mit dem Spatenstich für den zweiten Bauabschnitt des Radl-Highways nach Garching und Unterschleißheim. Doch ausgerechnet die Verbindung Richtung Osten nach Vaterstetten stockt seit Jahren, und ein zentraler Grund ist die Deutsche Bahn.

Bereits im April 2021 berichteten wir über die Pläne einer schnellen Radverbindung von München nach Ebersberg, die den Radpendlern sichere und zügige Wege ermöglichen sollte. Anfang 2022 konkretisierten sich die Überlegungen, und mit Blick auf andere geförderte Radprojekte im Freistaat schien die Umsetzung in Reichweite. Doch die Euphorie wich bald Ernüchterung: Im Juli 2023 kam das vorläufige Aus, der geplante „Schnelle Radweg“ wurde gestoppt. Im Mai 2024 legte Grasbrunn Aktuell offen, warum: Die Deutsche Bahn blockierte die entscheidende Trassenführung östlich von Haar.

Konkret geht es um die Passage entlang der Bahnlinie Richtung Vaterstetten. Anwohner und Radverkehrsplaner hatten darin eine ideale Verbindung gesehen – direkt, sicher und kreuzungsfrei. Die Bahn jedoch pochte auf ihre Grundstücksinteressen und lehnte eine gemeinsame Nutzung ab. Damit war das Herzstück des Projekts unplanbar.

Die Folgen sind spürbar: Statt einer direkten Ost-West-Achse zwischen Haar, Parsdorf und Vaterstetten bleibt Radfahrern nur die Wahl zwischen Umwegen über belastete Gemeindestraßen oder gefährlichen Mischverkehrsabschnitten. Gerade für Pendler, die tagtäglich zwischen Landkreis und Landeshauptstadt unterwegs sind, ist das ein herber Rückschlag.

Währenddessen wird andernorts sichtbar, wie es gehen kann. In Garching entsteht ein breiter, beleuchteter und kreuzungsfreier Schnellweg mit klarer Trennung von Fuß- und Radverkehr – ein Pilotprojekt, das bundesweit Beachtung findet. Landrat Christoph Göbel sprach beim Spatenstich von einem „Leuchtturmprojekt für die Region“, das Pendlerverkehr entlastet und Klima wie Straßen gleichermaßen schont.

Der Kontrast könnte deutlicher kaum sein: Fortschritt im Norden, Stillstand im Osten. Für Vaterstetten, Haar und die angrenzenden Gemeinden bleibt die Perspektive unklar. Zwar wird parallel der Neubau der B-304-Brücke ab 2025 eine dreijährige Großbaustelle mit sich bringen – ein idealer Zeitpunkt, um Radverkehr mitzudenken. Doch solange die Bahn ihre Blockade nicht aufgibt, bleibt der „Schnelle Radweg“ nach Ebersberg ein Stück Zukunftsmusik.

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