Taubheitsgefühle

Taubheitsgefühle

Die Finanzausschusssitzung und die anschließende Bau-, Umwelt und Verkehrs-Ausschusssitzung am 14.09.2021 zeigte mal wieder eine besondere technische Unzulänglichkeit des Bürgerhauses Neukeferloh: Der eine oder andere Zuschauer mag anfangs gedacht haben, seine Hörfähigkeit verloren zu haben. Im Lauf des Abends wurde aber klar, dass es einfach nur an einer angemessenen Verstärkung des Gesprochenen auf und vor der Bühne mangelte.

Als unser Kämmerer Sebastian Stüwe in der 2. Sitzung des Finanzausschusses wie immer sehr detailreich und verständlich den Haushaltsplan 2022 präsentierte, war für den einzigen anwesenden Zuschauer noch alles relativ gut zu verstehen. In der darauf folgenden Bau-, Umwelt und Verkehrs-Ausschusssitzung waren insgesamt acht Zuschauer (die Presse war nicht dabei) anwesend, die, auch aufgrund der lauten Kühlanlage aus der Küche, kaum ein Wort verstanden haben.

Die einzigen Redner, die mit einem Mikrofon bewaffnet wurden, waren die Landschaftsarchitekten, die die Änderungen zum Bau der Tiefgarage in Möschenfeld präsentierten.

Klaus Korneder ist glücklicherweise mit einer verständlichen Sprechlautstärke gesegnet, was aber leider nicht alle Gemeinderäte und Mitarbeiter der Verwaltung von sich sagen können. Der Dialog unserer Bauamtsleiterin Stefanie Zirngibl – hier sei ihr beeindruckendes Wissen zum Thema Baurecht hervorgehoben – mit Julia Blanck (SPD) war z.B. gar nicht zu verstehen.

An dieser Stelle sei die Frage gestattet, ob eine öffentliche Sitzung überhaupt Sinn ergibt, wenn die anwesende Öffentlichkeit gar nichts verstehen kann. Einige Zuschauer waren jedenfalls so verärgert, dass sie vorzeitig die Sitzung verließen.

Dabei müsste man gar nicht weit fahren, um sich kundig zu machen, wie es richtig geht, also Gemeinderatssitzungen so abzuhalten, dass jeder jeden und alles hören kann. Die Gemeinde Haar ist z.B. sehr gut ausgestattet. Jeder Gemeinderat hat dort ein eigenes Mikrofon vor sich und kann dieses nach Meldung und Aufruf durch den Bürgermeister auf „laut“ schalten.

Auch eine sinnvolle Tisch- und Sitzverteilung kann hilfreich sein. In Haar hat man sich im Bürgerhaus für eine „Burg“-Aufstellung der Tische entschieden, in Vaterstetten für einen Kreis. Vorteil: Im Gegensatz zur den Sitzungen im Bürgerhaus Neukeferloh, wo alle Gemeinderäte nur nach vorne zur Bühne sprechen, wird in der Sitzungen der Nachbargemeinde in die „Mitte“ des Raums gesprochen.

Da die öffentlichen Sitzungen auf absehbare Zeit wahrscheinlich Corona-Pandemie bedingt weiterhin im Bürgerhaus stattfinden müssen, wäre eine Investition in eine Audio-akustische Verbesserung sicher einer der vielen Dinge, in die die Gemeinde Grasbrunn zeitnah investieren sollte.

Vielleicht sollte unsere Verwaltung mal zusammen mit den Gemeinderäten einen „Wandertag“ in eine der Sitzungen der Nachbargemeinden machen, um dann eventuell staunend festzustellen, wie schön es sein kann, wenn man die akustischen Möglichkeiten ausreizt und dem Publikum nicht das Gefühl gibt taub zu sein.

Foto von Andrea Piacquadio von Pexels

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