Die Parkplatzsituation rund um den S-Bahnhof Vaterstetten war über Jahre hinweg immer wieder Thema im Vaterstettener Gemeinderat. Insbesondere die Nutzung der Stellplätze südlich der S-Bahn, in der Annemonenstraße und durch Pendlerinnen und Pendler aus umliegenden Nachbargemeinden galt vielen als Problem.
„Das Parkhaus steht halb leer, während die Wohnstraßen voll sind“, lautete eine der pointierten Feststellungen in den Beratungen.
Das P+R-Parkhaus am Bahnhof ist derzeit nur zu etwa 50 bis 60 Prozent ausgelastet, obwohl dort für 1,50 Euro pro Tag geparkt werden kann. Gleichzeitig blockieren Dauerparker den öffentlichen Raum. Die Gemeinde reagierte nun mit einem zweistufigen Konzept für Parkraummanagement und Parkraumbewirtschaftung.
In einem ersten Schritt wird das Parken im Umfeld des Bahnhofs werktags von 7:00 bis 18:00 Uhr zeitlich begrenzt. In Teilen der Bahnhofs-, Zugspitz- und Schwalbenstraße ist das Parken bereits auf zwei Stunden mit Parkscheibe beschränkt. Weitere Flächen sollen folgen. Ziel ist es, den ruhenden Verkehr besser zu ordnen, den Begegnungsverkehr zu erleichtern und die Übersicht an Kreuzungen zu verbessern. „Weniger parkende Autos bedeuten auch weniger Konflikte und mehr Sicherheit“, hieß es dazu.
In einer zweiten Phase ist die Einführung kostenpflichtiger Parkplätze vorgesehen. Dafür sollen Parkautomaten aufgestellt werden. Die Investitionskosten liegen – je nach Ausstattung – bei 4.600 bis 6.000 Euro pro Gerät, hinzu kommen Stromanschlüsse und jährliche Betriebskosten. „Das wird die teuerste und schwierigste Aufgabe“, wurde in der Sitzung eingeräumt. Finanziert werden sollen die Automaten über Mittel aus der Stellplatzablöse.
Auf ein externes Gutachten im Umfang von rund 22.400 Euro verzichtete der Gemeinderat bewusst. Stattdessen holte die Verwaltung Erfahrungswerte aus Markt Schwaben, Ebersberg und Grafing ein. Dort zeigten sich laut Rückmeldungen positive Effekte: Die Betriebskosten würden durch die Parkgebühren gedeckt, teils falle sogar ein Überschuss an. Besonders hervorgehoben wurde die zunehmende Nutzung digitaler Angebote wie der Parkster-App, die Bargeld- und Papieraufwand reduziert.
Gleichzeitig blieb das Vorhaben im Gremium nicht unumstritten. „Warum nicht gleich richtig?“, wurde kritisch gefragt – es fehle ein klarer Zeitplan für die Gebühreneinführung. Andere warnten vor einem „betriebswirtschaftlichen Minusgeschäft“ oder einer Verlagerung des Parkdrucks auf gewerbliche Flächen. Dennoch überwog am Ende die Einschätzung, dass ein gestuftes Vorgehen sinnvoll sei.
Die Vaterstettener Gemeinderäte folgten der Empfehlung der Verwaltung und beschlossen:
- Phase 1: Einführung eines Parkraummanagements mit zeitlichen Beschränkungen im Bahnhofsumfeld sowie verstärkte Kontrollen durch die Kommunale Verkehrsüberwachung.
- Phase 2: Erarbeitung einer Parkraumgebührenverordnung und Vorbereitung der kostenpflichtigen Bewirtschaftung einschließlich der Beschaffung von Parkscheinautomaten. Der endgültige Beschluss zur Gebühreneinführung soll zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.
Die Maßnahmen sollen nicht nur die Anwohnerstraßen entlasten, sondern auch Suchverkehr, Lärm und Emissionen reduzieren und damit einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Mobilität leisten. Zugleich versteht die Gemeinde das Projekt als Testlauf für andere Bereiche mit hohem Parkdruck.

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