Am 9. Oktober 2025 wurde das Aviäre-Influenza-Virus H5N1 erstmals in diesem Herbst in Bayern nachgewiesen – in einem Gänsebetrieb im Landkreis Dingolfing-Landau, rund 130 Kilometer von München entfernt. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bestätigte den Befund, rund 3.000 Tiere mussten getötet werden. Auch in Baden-Württemberg, Brandenburg und Niedersachsen mussten größere Bestände gekeult werden. Insgesamt sprechen Experten inzwischen von rund 400.000 betroffenen Tieren in Deutschland.
Das Virus breitet sich vor allem durch Wildvögel aus, die auf dem Weg in ihre Winterquartiere in großen Schwärmen an Rastplätzen verweilen. Besonders Kraniche gelten in diesem Jahr als stark betroffen – mehrere Tausend Tiere sind laut FLI in Norddeutschland und Brandenburg bereits verendet. Diese Rastplätze werden zu sogenannten Infektionsdrehscheiben, da die Tiere in engem Kontakt stehen und das Virus über Ausscheidungen weitergeben.
In Bayern verläuft eine der europäischen Zugrouten entlang der Donau – und damit auch über Teile Ober- und Niederbayerns. Fachleute rechnen mit weiteren Fällen, insbesondere in Regionen mit offenen Gewässern und Feuchtgebieten, die Zugvögel anziehen.
Für Grasbrunn selbst gibt es aktuell keine bestätigten Fälle und damit auch keine Aufstallungspflicht. Dennoch wird die Situation von den örtlichen Geflügelhaltern aufmerksam beobachtet.

Thomas Unterbichler, Betreiber von Grasbrunner Freilandeier, erklärt gegenüber Grasbrunn Aktuell: „Die Vogelgrippe ist jedes Jahr im Herbst und Frühjahr ein Thema. Heuer scheint es wieder schlimmer zu sein. Das Gute aus Sicht eines Vogelhalters: Grasbrunn liegt weit entfernt von offenen Gewässern, die Zugvögel anziehen. Eine gewisse Gefahr besteht aber immer.“
Unterbichler betont, dass sein Betrieb zwar noch keine Vorsorgemaßnahmen ergreifen musste, aber vorbereitet ist, falls die Behörden eine Aufstallungspflicht verhängen. „Wir haben schon vor Jahren einen Maßnahmenplan erstellt. Netze, Planen und Desinfektionsmatten liegen bereit – wir können bei Bedarf sofort reagieren. Wir beobachten das genau. Panik bringt nichts, aber Vorsorge schon. Wenn es so weit kommt, sind wir vorbereitet.“
Laut Friedrich-Loeffler-Institut besteht für den Menschen kein besonderes Risiko, sich in Deutschland über infizierte Vögel anzustecken. Dennoch wird empfohlen, tote Wildvögel nicht anzufassen und Funde den örtlichen Behörden zu melden. Fleisch und Eier können weiterhin unbedenklich verzehrt werden, wenn sie gründlich durchgegart werden – bei mindestens 70 Grad im Kern.
Während die Viruslage in anderen Regionen angespannt bleibt, ist in Grasbrunn derzeit kein Grund zur Beunruhigung gegeben. Doch mit dem beginnenden Herbst und den durchziehenden Zugvögeln steigt das Risiko, dass sich die Situation auch in Oberbayern ändern könnte.
Hinweis:
Wer mehrere tote Wildvögel oder auffällig geschwächte Tiere findet, sollte diese nicht berühren und den Fund 089-6221-2375 oder per E-Mail (idealerweise mit Foto und Standort) dem Landratsamt München, Veterinäramt, melden.
Beitragsfoto: FreePik

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