Warum schlechte Homeschooling-Noten keine Rolle spielen

Seit über einem Jahr befindet sich Deutschlands Bildungssystem im Corona-Notstand. Viele Schwächen dieses Systems wurden offenbar. Politik und Lehrkörper ringen hilflos um das bestehende System aus Leistung, Wissen, Noten und Frontalunterricht.

Viele Eltern fangen an sich zu sorgen, ob die daraus resultierende bildungstechnische Unterversorgung zum nachhaltigen Problem für unsere Kinder werden könnte. Dabei besteht die Annahme, dass klassische Bildung und der bisherige Schulabschluss in Zukunft eine Bedeutung für den beruflichen Weg der Kinder haben.

Dabei gilt das bereits heute nicht mehr, oder zumindest nicht mehr in dem Maß wie noch vor 20 Jahren. Bereits heute stehen für Unternehmen andere Aspekte bei der Mitarbeiterwahl im Vordergrund als Abinote oder abgeschlossenes Studium. Das allein sollte alle Eltern dazu veranlassen, sich weniger zu sorgen, den Druck auf ihre Kinder ggf. zu verringern und eigene Ansprüche an die Aus-/Bildung aus der Gleichung der Kinder zu verbannen.

Auf der anderen Seite schielen auch nicht wenige Schulabsolventen auf Alternativen zur klassischen Beschäftigung z.B. im Freiberufler- und Unternehmertum. Selbstverwirklichung und Flexibilität sind die Themen der “Generation Z”, Work-Life-Cut und der Einsatz für konkrete Ziele im Job, der Traum von einer besseren Welt und nachhaltiges Wirtschaften für eine gesunde Erde. (#1) Das Ganze natürlich voll digital, weltweit und vernetzt.

Sowas kann man nicht mit klassischer Bildung vorbereiten. Unser Bildungssystem ist im Herzen analog und aus einer Zeit, in der Wissen die Einfachheit des Lebens offenbaren sollte. Aber diese Zeit ist vorbei. “Umgang mit Nichtwissen und Komplexität statt Wissensvermittlung muss [heute] im Vordergrund stehen! Wir müssen das gute Leben lehren und Impulse für das eigene Lernen geben, statt Karriere und Abschluss zu zelebrieren. Beziehungslernen, eigenes erfahren und erleben: Das müsste Kern eines neuen Bildungsdenkens sein.”, so die Zukunftsforscherin Aileen Moeck in einem sehr lesenswerten Interview mit dem Magazin t3n. (#2)

Das mag auf den ersten Blick radikal, verrückt oder gar abschreckend klingen. Aber der Wandel unserer Welt in den vergangenen Jahrzehnten war so unvergleichlich schnell und groß, dass ein rein technisches Upgrade unseres Bildungssystems mit Tablets und MS Teams bei weitem nicht ausreicht. Wir müssen beginnen, unseren inhaltlichen Anspruch an Bildung weiterzuentwickeln und unsere Kinder zukunftsgerecht auf das vorbereiten, was ihnen die Welt von übermorgen abverlangen wird.

Wie ist Ihre Meinung? Gerade wenn Sie politisch aktiv sind interessiert mich, warum Zukunft in der Bildung keine Kernkompetenz der Politik ist.

Gastbeitrag von Andreas Penzel

Quellen:
#1: https://www.avantgarde-experts.de/de/magazin/generation-z/
#2: https://t3n.de/news/zukunftsforscherin-aileen-moeck-1367877/

Foto: Manuel Lopez

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