Weg frei für neues Wohngebiet am Vaterstettener Bahnhof

SZ

Vaterstetten bringt neues Baugebiet auf den Weg. Südlich der Schwalbenstraße könnten mehr als 90 Wohnungen entstehen, doch das gefällt nicht allen.

Es sieht so aus, als bekäme die Großgemeinde nach mehreren vergeblichen Anläufen doch noch ein Ortszentrum für Vaterstetten. Allerdings nicht, wie von der Gemeinde ein paar mal geplant, zwischen Rathaus und Kirche sondern ein paar Straßen weiter am Vaterstettener Bahnhof. Dort plant die Firma Vaterstettener Grundbesitz GmbH auf einem knapp 5000 Quadratmeter großen Areal ein neues Baugebiet mit Wohnungen und Gewerbeflächen. Der zuständige Ausschuss des Gemeinderates hat das Vorhaben nun einstimmig befürwortet und die Bauleitplanung auf den Weg gebracht.

Der von der Firma eingereichte Entwurf sieht zwei Gebäuderiegel aus je drei Häusern vor. Diese sind jeweils in L-Form angeordnet, so dass die beiden Riegel einen Innenhof bilden, der sich nach Norden in Richtung Bahnhofstraße öffnet. Im jeweils äußersten Haus jedes Riegels sind im Erdgeschoss Gewerbeflächen geplant, der Bauwerber nennt als mögliche Nutzung Gastronomie, etwa ein Café, und Ladenflächen. Der überwiegende Teil der Häuser soll allerdings mit Wohnungen belegt werden, insgesamt könnten bis zu 92 Stück entstehen, elf davon als vergünstigte Wohnungen entsprechend der Vorgabe für sozialgerechte Bodennutzung (Sobon).
Ortsentwicklung in Vaterstetten: Die beiden geplanten Gebäuderiegel sollen einen begrünten Innenhof umschließen.

Die beiden geplanten Gebäuderiegel sollen einen begrünten Innenhof umschließen.
(Foto: Vaterstettener Grundbesitz GmbH/oh)
Ortsentwicklung in Vaterstetten: Das Maßstabsmodell zeigt die geplanten Neubauten im Verhältnis zur bestehenden Umgebungsbebauung. Die Ansicht ist gesüdet, oben ist der Bahnhof Vaterstetten zu sehen unten das Gebäude des Supermarktes an der Schwalbenstraße.

Das Maßstabsmodell zeigt die geplanten Neubauten im Verhältnis zur bestehenden Umgebungsbebauung. Die Ansicht ist gesüdet, oben ist der Bahnhof Vaterstetten zu sehen unten das Gebäude des Supermarktes an der Schwalbenstraße.
(Foto: Vaterstettener Grundbesitz GmbH/oh)

Das direkt in der Verlängerung der Bahnhofstraße liegende Haus würde fünf Voll- und ein zurückgesetztes sogenanntes Terrassengeschoss bekommen, die übrigen Gebäude sind mit drei Vollgeschossen plus einem Terrassengeschoss etwas niedriger. Die Parkplätze, insgesamt 158 Stück, sollen in einer Tiefgarage entstehen, außerdem sind 300 Stellplätze für Fahrräder geplant.

Bei Bekanntwerden der Pläne für das Neubaugebiet hatte es Kritik von Anwohnern gegeben, diese wurde auch auf der Bürgerversammlung im vorigen Monat laut. Konkret geht es um die geplante Höhenentwicklung und um den zu erwartenden zusätzlichen Verkehr in den ohnehin bereits stark befahrenen Straßen rund um den Bahnhof.
Ortsentwicklung in Vaterstetten: So sieht der Bahnhofsvorplatz in Vaterstetten derzeit aus, links auf dem Bild sieht man den Zugang zum Bahnsteig.

So sieht der Bahnhofsvorplatz in Vaterstetten derzeit aus, links auf dem Bild sieht man den Zugang zum Bahnsteig.
(Foto: Peter Hinz-Rosin)
Ortsentwicklung in Vaterstetten: Und so könnte es an derselben Stelle in einigen Jahren aussehen, wenn das neue Baugebiet umgesetzt wird.

Und so könnte es an derselben Stelle in einigen Jahren aussehen, wenn das neue Baugebiet umgesetzt wird.
(Foto: Vaterstettener Grundbesitz GmbH/oh)

Die Verkehrsthematik führte auch im Ausschuss zu einiger Diskussion, David Göhler (Grüne) und Zweite Bürgermeisterin Maria Wirnitzer (SPD) forderten, dass der Bauwerber möglichst schnell ein Mobilitätskonzept vorlegen soll. Ziel müsse sein, aufzuzeigen, wie sich der Verkehr durch das neue Baugebiet entwickelt und wie sich dadurch eventuell entstehende Probleme lösen lassen könnten.

Noch weiter ging Roland Meier (Freie Wähler). Auch er forderte, möglichst früh ein Verkehrs- und Mobilitätskonzept erstellen zu lassen, außerdem solle man einen Einbahnstraßenring rund um den Bahnhof prüfen. Er habe mit Anwohnern gesprochen, diese hatten besonders den Begegnungsverkehr auf den engen und zugeparkten Straßen als Problem ausgemacht.
Könnten weniger Parkplätze die Bewohner zum Verzicht auf Autos bewegen?

Laut Bauamtsleiterin Brigitte Littke werden Verkehrsgutachten und Mobilitätskonzept ohnehin im Verfahren gefordert, allerdings solle man damit warten, bis die Pläne des Bauwerbers konkreter sind, also etwa wie viele Wohnungen welcher Größen tatsächlich gebaut werden sollen und wie dann der Parkplatzbedarf laut Stellplatzschlüssel ausfällt. Hier sollte man großzügig sein, schlug Josef Mittermeier (SPD) vor und den Stellplatzschlüssel großzügiger auslegen. Seiner Meinung nach könnte man durch weniger Parkplätze die künftigen Bewohner dazu bringen, sich weniger Autos anzuschaffen. Gegenrede kam von Benedikt Weber und Josef Schmid (beide CSU), die in der Stellplatzsatzung vorgeschriebenen Parkplätze sollten auch gebaut werden.

Der von Meier angeregte Einbahnstraßenring sei durchaus überlegenswert, sagte Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU), man sollte das Thema aber gesondert behandeln. Er schlug vor, die Freien Wähler sollten dazu einen eigenen Antrag stellen, die Verwaltung werde außerdem prüfen, was verkehrsrechtlich an der Stelle möglich ist. Damit war auch Meier einverstanden.
Ortsentwicklung in Vaterstetten: So wenig los wie in der Visualisierung des Bauwerbers ist in der Bahnhofstraße eher selten. Die Freien Wähler schlagen einen Einbahnstraßenring vor, um den zusätzlichen Verkehr zu entzerren.

So wenig los wie in der Visualisierung des Bauwerbers ist in der Bahnhofstraße eher selten. Die Freien Wähler schlagen einen Einbahnstraßenring vor, um den zusätzlichen Verkehr zu entzerren.
(Foto: Vaterstettener Grundbesitz GmbH/oh)

Der Bürgermeister äußerte zudem noch etwas Verwunderung, dass nach der vielen Kritik an dem Projekt, keine Bürger zur Sitzung erschienen waren. Tatsächlich hätte dies wohl einige Kritikpunkte an dem Vorhaben zumindest abgeschwächt, jedenfalls jene, die mit der geplanten Baudichte zu tun haben. Denn hier hat die Gemeinde nur einen sehr eingeschränkten Spielraum, da es für den nördlichen Teil des Grundstücks bereits einen Bebauungsplan gibt, der eine sehr großzügige Nutzung erlaubt. Laut Littke könnte der Bauwerber demnach bis zu 55 Wohnungen auf dem Grundstück erstellen.

Ohne Gegenstimmen wurde im Ausschuss beschlossen, einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan für das Grundstück zu erstellen. Damit verbunden ist laut Littke auch eine Bauverpflichtung: Wenn der Bauwerber nicht in einem angemessenen Zeitraum das beantragte Projekt umsetzt, würde das Baurecht wieder verfallen. Eine von dem vorgestellten Vorhaben abweichende Bebauung sei ohnehin nicht zulässig.

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