Wird die Grasbrunner Energiezentrale zum Wahlkampfthema?

Die Energiezentrale ist nicht mehr nur ein Sachthema, sie ist der neue politische Brennpunkt entlang der Gemeindegrenze.
Wird die Grasbrunner Energiezentrale zum Wahlkampfthema?

Die Gemeinderatssitzung am 25. November 2025 hat gezeigt, wie sehr die geplante Energiezentrale für Geothermie inzwischen zum politischen Zündstoff geworden ist. Tagesordnungspunkt 2, die Entscheidung über die Aufstellung eines Bebauungsplans, wurde auf Antrag von Johannes Seitner (Freie Wähler Gemeinschaft Grasbrunn) erneut vertagt.
Zuvor hatte der Gemeinderat über den Bürgerantrag aus der Bürgerversammlung vom 9. Oktober 2025 beraten. Viele Anwohner aus dem Technopark und der Anemonenstraße waren gekommen, um ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen.

Die Verwaltung wies darauf hin, dass ein weiteres Verschieben die Planungen auf unbestimmte Zeit verzögern würde. Laut Bauamtsleiterin Stefanie Zirngibl sei eine Entscheidung dringend nötig, um die Verfahren sauber weiterzuführen.

Hannes Bußjäger von der Freien Wähler Gemeinschaft Grasbrunn brachte zusätzlich Bewegung in die Debatte. Er berichtete von einem Gespräch mit dem Landratsamt, wonach der Alternativstandort südlich des Edeka, direkt neben der Kfz-Zulassungsstelle, zunehmend realistisch erscheine. Die Container für Geflüchtete sollen im nächsten Jahr abgebaut werden. Damit könnte die Fläche für die Energiezentrale frei werden.

Die Diskussion darüber ist nicht neu. Schon im Sommer berichtete Grasbrunn Aktuell in den Artikeln „Debatte um Standort der Energiezentrale im Technopark geht weiter„, „Widerstand gegen geplante Energiezentrale im Technopark Neukeferloh“ und „Entscheidung um Energiezentrale im Technopark Neukeferloh vertagt„.

Besonders brisant wurde es ein paar Tage nach der Sitzung. Dr. Michael Niebler, CSU-Fraktionsvorsitzender im Vaterstettener Gemeinderat, verschickte am 28.11.2025 ein Schreiben an die Anwohnerinnen und Anwohner der Anemonenstraße oder die, die in der Nähe wohnen, das Grasbrunn Aktuell vorliegt.
Darin behauptet er, Vaterstettens Bürgermeister Leonhard Spitzauer hätte bereits eine Protestnote vorbereitet, falls Grasbrunn den Bebauungsplan auf den Weg gebracht hätte.

Das sorgt für Verwunderung, denn bisher war aus Vaterstetten kaum etwas zu hören. In der Bürgerversammlung Vaterstetten vom 9. Oktober 2025 blieb Spitzauer zurückhaltend.
Auch im Juli zeigte sich, dass Vaterstetten eher abwartet und nur punktuell Stellung bezieht:.

Nun aber zeichnet Niebler ein völlig anderes Bild. Besonders sein Hinweis auf einen angeblich unterschriftsreifen Protestbrief wirft Fragen auf. Warum wurde dieser Ton gegenüber Grasbrunn bisher nicht öffentlich sichtbar? Und warum erst jetzt?

Niebler spricht in seinem Schreiben von gravierenden Auswirkungen auf Vaterstetten, sollte die Energiezentrale am ursprünglichen Standort im Technopark Neukeferloh entstehen. Er kritisiert die geplante Höhe der Schornsteine, die Lage zwischen zwei Wohngebieten und den Wegfall des Waldstreifens, der seit 1985 als Pufferzone festgesetzt ist.
Er nennt die Anlage einen „monströsen Bau“, der das Ortsbild verschandeln würde. Seine Wortwahl zeigt, dass in Vaterstetten längst ein anderes Framing vorherrscht, als man bisher öffentlich zugegeben hat.
Dazu kommt: Eine demokratiepolitisch heikle Linie zieht er gleich mit. Bürgerinitiativen auf beiden Seiten der Gemeindegrenze hätten dafür gesorgt, dass der Punkt abgesetzt wurde. Das Ergebnis der Abstimmung verschweigt er nicht: Freie Wähler, CSU, FDP und zwei Grüne stimmten gegen die sofortige Behandlung des Bebauungsplans.

Die von der Verwaltung vorgelegten Beschlussvorlagen bestätigen viele der Punkte, die in der öffentlichen Diskussion seit Monaten kursieren. Die Gemeinde prüft weiterhin Alternativstandorte und setzt gleichzeitig die Bauleitplanung am Bolzplatz fort.
Aus der Beschlussvorlage 167/2025 geht hervor, dass mehrere Alternativflächen analysiert wurden, darunter die Gartenstraße 2, die alte Schulturnhalle und die Teerfläche am Wertstoffhof. Nur erfüllt keine davon die Anforderungen vollständig.
 Weitere zur Diskussion stehende Flächen sind zwischen Autobahnauffahrt A99 und Technopark 2 und zwischen Autobahnauffahrt A99 und Bahnlinie. Die Fläche neben der Zulassungsstelle bleibt aber anscheinend die bisher aussichtsreichste Option.
Aus der Beschlussvorlage 165/2025 wird zudem klar, wie tief die Planung für den Standort am Bolzplatz bereits reicht. Von Grünflächenänderung bis zur Anpassung des Flächennutzungsplans ist alles vorbereitet.

Blau: Alternative 1 neben der Kfz-Zulassungsstelle, Gelb: Alternative 2 zwischen Autobahnauffahrt A99 und Technopark 2, Rot: Alternative 3 zwischen Autobahnauffahrt A99 und Bahnlinie.

Dass die Energiezentrale inzwischen zum Wahlkampfthema wird, zeigt nicht nur der Brief Nieblers. Auch der Blick auf Vaterstetten selbst macht deutlich, dass die Lage dort im Umbruch ist. Der langjährige Kämmerer Markus Porombka hat gekündigt. Er verlässt die Gemeinde im Frühjahr 2026 und gibt auch seine Rolle als Geschäftsführer der GeoEnergieMünchenOst ab, ausgerechnet im Jahr der Bohrung. Ob und wie dies das Vaterstettener Projektteam schwächt, wird sich zeigen. Gleichzeitig fehlt eine klare Linie aus dem Rathaus, während die Vaterstettenerer CSU nun über Briefe Druck aufbaut.

Grasbrunn sucht weiter nach einem tragfähigen Alternativstandort. Gleichzeitig muss das Verfahren sauber vorbereitet bleiben, falls es am Ende doch keine Alternative gibt.
Der Standort nördlich des Edeka könnte zum Schlüssel werden. Er liegt nicht direkt an der Wohnbebauung und dürfte weniger Konflikte auslösen.

Eines ist sicher: Die Energiezentrale ist längst kein rein technisches Projekt mehr. Sie entscheidet mit über den Wahlkampf 2026, über Nachbarschaftsfrieden und über das Selbstverständnis zweier eng verflochtener Gemeinden.

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