„Zuhören, erklären, gemeinsam lösen“ – Grasbrunns neuer Erster Bürgermeister Sebastian Stüwe im Gespräch

Grasbrunns neuer Bürgermeister Sebastian Stüwe über seinen Amtsstart, große Erwartungen und die Zukunft der Gemeinde
„Zuhören, erklären, gemeinsam lösen“ - Grasbrunns neuer Erster Bürgermeister Sebastian Stüwe im Gespräch

Sebastian Stüwe trat am 1. Mai 2026 sein Amt als erster parteifreier Bürgermeister der Gemeinde Grasbrunn an. Stüwe übernimmt das Amt in einer Zeit, in der das Vertrauen der deutschen Bevölkerung in den Staat laut eGovernment Monitor 2025 auf 33 Prozent gesunken ist. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, setzt der ehemalige Kämmerer auf verstärkte Kommunikation und eine bürgernahe Politik. Da die Bürger klare Erwartungen an die Ortsentwicklung haben, plant Stüwe, diese Themen in Grasbrunn priorisiert anzugehen. Seine ersten Tage im Amt sind durch den direkten Austausch mit den Bürgern geprägt, um verloren gegangenes Vertrauen durch Transparenz bei Großprojekten zurückzugewinnen.

Grasbrunn Aktuell traf Sebastian Stüwe auf dem vor zwei Wochen eröffneten Wasserspielplatz in Neukeferloh, den er und seine Frau Lisa mit ihrem gemeinsamen Sohn mittlerweile regelmäßig besuchen. In entspannter Atmosphäre sprach der neue Bürgermeister über seine Ziele für die Gemeinde.

Grasbrunn Aktuell:

Herr Stüwe, Ihren ersten öffentlichen Auftritt nach dem Amtsantritt hatten Sie gemeinsam mit Ihrer Frau Lisa bei der letzten Vorstellung des Harthauser Dorftheaters. Sind dort bereits Bürger mit konkreten Anliegen auf Sie zugekommen?

Sebastian Stüwe:

Tatsächlich überhaupt nicht. Die Menschen haben mich vor allem willkommen geheißen. Das hat mich ehrlich gesagt etwas überrascht, aber natürlich positiv. Es war ein sehr angenehmer erster öffentlicher Termin.

Grasbrunn Aktuell:

Sie standen als Kämmerer und Projektverantwortlicher jahrelang eher hinter den Kulissen. Jetzt stehen Sie deutlich stärker im öffentlichen Fokus. Wie fühlt sich diese neue Rolle an?

Sebastian Stüwe:

Das ist schon ein Prozess, der eigentlich bereits im Wahlkampf begonnen hat. Je näher die Wahl rückte, desto öffentlicher wurde natürlich alles. Mittlerweile merke ich aber, dass mir der Austausch mit den Menschen wirklich Spaß macht. Gespräche auf Veranstaltungen, mit Vereinen oder einfach auf der Straße geben einem viel mit. Gleichzeitig muss ich lernen, den rein fiskalischen Blick etwas abzulegen. Natürlich werde ich immer darauf achten, dass wir wirtschaftlich handeln und solide Entscheidungen treffen. Diese finanzielle Stabilität ist schließlich eine der Grundlagen dafür, dass Grasbrunn heute so gut dasteht. Aber Bürgermeister zu sein bedeutet eben weit mehr als Zahlen und Haushalte.

Grasbrunn Aktuell:

Viele Bürger wünschen sich schnellere Entscheidungen und weniger Bürokratie. Gleichzeitig kennen Sie die komplizierten Verwaltungsprozesse wie kaum ein anderer. Wie lässt sich dieser Spagat lösen?

Sebastian Stüwe:

Es gibt natürlich Themen, bei denen wir stark von anderen Behörden oder gesetzlichen Vorgaben abhängig sind. Dort können wir Prozesse nicht einfach beschleunigen. Aber bei vielen internen Abläufen sehe ich durchaus Potenzial. Wenn beispielsweise eine Straßensanierung Jahre Vorbereitung benötigt, muss man sich fragen, ob der Ablauf wirklich sinnvoll ist. Gerade kleinere Projekte könnten oft einfacher, schneller und kostengünstiger umgesetzt werden, wenn man Prozesse verschlankt und stärker mit regionalen Firmen zusammenarbeitet. Wichtig ist dabei aber immer, dass rechtliche Rahmenbedingungen eingehalten werden.

Grasbrunn Aktuell:

Im Wahlkampf haben Sie mehrfach betont, kein Parteimann, sondern Verwaltungsprofi zu sein. Wie schwierig wird es künftig, parteifrei zu bleiben, obwohl Sie von CSU und FWG unterstützt wurden?

Sebastian Stüwe:

Entscheidend ist, dass der neue Gemeinderat jetzt erstmal zusammenfindet. Der Gemeinderat ist das zentrale Gremium für die Entscheidungen in der Gemeinde. Dafür braucht es gegenseitige Information und Vertrauen. Natürlich wird es auch künftig Situationen geben, in denen man unterschiedlicher Meinung ist. Aber die Grundlage muss immer eine sachliche Zusammenarbeit sein.

Grasbrunn Aktuell:

Nach 18 Jahren Klaus Korneder beginnt nun eine neue Ära im Rathaus. Wo möchten Sie Kontinuität bewahren und wo soll man Ihre eigene Handschrift erkennen?

Sebastian Stüwe:

Mir ist wichtig, dass wir in der Kommunikation und im Informationsaustausch besser werden. Im Wahlkampf habe ich sehr deutlich gespürt, dass viele Bürgerinnen und Bürger mehr Transparenz wünschen. Gleichzeitig möchte ich die gute Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung fortführen. Wir haben hervorragende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rathaus und in den gemeindlichen Einrichtungen und ich sehe die Verwaltung ganz klar als Dienstleister für die Bürger.

Grasbrunn Aktuell:

Was war Ihr erster Gedanke, als feststand, dass Sie künftig die politische Gesamtverantwortung für Grasbrunn tragen?

Sebastian Stüwe:

Ehrlich gesagt ist das bis heute noch nicht vollständig angekommen. Die vergangenen Wochen waren geprägt davon, laufende Themen abzuarbeiten. Wahrscheinlich wird einem die neue Verantwortung erst wirklich bewusst, wenn der Alltag beginnt und man die ersten großen Entscheidungen in der neuen Rolle trifft.

Grasbrunn Aktuell:

Ein großes Thema im Wahlkampf war die Digitalisierung und der Glasfaserausbau. Welche Lehren ziehen Sie aus den Erfahrungen mit der UGG und der Telekom?

Sebastian Stüwe:

Solche Projekte verlaufen selten geradlinig. Es gibt Höhen und Tiefen. Wichtig ist, dass man konsequent dranbleibt. Rückblickend war es richtig, mit der UGG in Gespräche zu gehen. Ohne diesen Druck wäre die Telekom vermutlich nicht so schnell aktiv geworden. Jetzt haben wir mit der Telekom einen starken Partner, auch wenn der Ausbau sicherlich nicht ohne Probleme ablaufen wird. Wichtig ist mir vor allem, dass wir die Bürgerinnen und Bürger gut begleiten und informieren.

Grasbrunn Aktuell:

Grasbrunn wurde 2025 schuldenfrei. Wie schwierig wird es, diesen Kurs beizubehalten?

Sebastian Stüwe:

Die Gemeinde steht finanziell solide da, weil wir wirtschaftlich breit aufgestellt sind und nicht von einzelnen Großunternehmen abhängig sind. Trotzdem werden die kommenden Jahre nicht einfach. Die wirtschaftliche Entwicklung, steigende Kosten und die hohe Kreisumlage sind große Herausforderungen. Entscheidend wird sein, weiterhin verantwortungsvoll zu wirtschaften und gleichzeitig Entwicklung zu ermöglichen.

Grasbrunn Aktuell:

Sie sprechen häufig von „vorausschauender Entwicklung mit Augenmaß“. Was bedeutet das konkret?

Sebastian Stüwe:

Wir müssen genau zuhören, was die Menschen in der Gemeinde beschäftigt. Gleichzeitig dürfen wir notwendige Entwicklungen nicht blockieren. Besonders beim Thema Wohnraum sehe ich Handlungsbedarf. Wir haben gute Kinderbetreuungseinrichtungen und Infrastruktur, aber teilweise zu wenige Familien vor Ort. Maßvolle Entwicklung kann deshalb durchaus sinnvoll sein, solange der Charakter unserer Gemeindeteile erhalten bleibt.

Grasbrunn Aktuell:

Die Diskussionen um Geothermie und Energieversorgung haben die Gemeinde teilweise stark polarisiert. Wie möchten Sie künftig mit solchen emotionalen Themen umgehen?

Sebastian Stüwe:

Durch möglichst offene Kommunikation. Ich möchte Formate schaffen, bei denen Bürgerinnen und Bürger unkompliziert Fragen stellen können. Transparenz hilft oft dabei, Konflikte zu entschärfen.

Grasbrunn Aktuell:

Gerade beim Thema Verkehr gibt es in Grasbrunn viele Diskussionen. Wo sehen Sie aktuell den größten Handlungsbedarf?

Sebastian Stüwe:

Es gibt mehrere Bereiche, in denen die Menschen seit Jahren Probleme sehen. Die Zornedinger Straße, die Ekkehartstraße oder auch die Situation rund um die Honigblume sind Beispiele dafür. Gerade sichere Schul- und Kindergartenwege müssen stärker in den Fokus rücken. Für mich ein absolutes Unding ist der Weg zur Honigblume in Grasbrunn. Da gehört einfach ein Zebrastreifen hin. Ich finde, man sollte nicht erst handeln, wenn etwas passiert ist.

Grasbrunn Aktuell:

Während des Wahlkampfs fiel häufig das Wort „Miteinander“. Haben Sie den Eindruck, dass die politische Kultur rauer geworden ist?

Sebastian Stüwe:

Leider ja, und das betrifft nicht nur Grasbrunn. Umso wichtiger ist es, wieder stärker miteinander zu reden. Deshalb habe ich beispielsweise direkt eine gemeinsame Chatgruppe für den Gemeinderat eingerichtet, damit Informationen schneller und transparenter weitergegeben werden können.

Grasbrunn Aktuell:

Kommunalpolitik wird oft unterschätzt. Haben Sie manchmal das Gefühl, dass viele Bürger erst reagieren, wenn Entscheidungen bereits gefallen sind?

Sebastian Stüwe:

Das erlebt man tatsächlich leider sehr häufig. Viele kommen erst dann zu Sitzungen, wenn Entscheidungen praktisch schon getroffen wurden oder wenn ein Thema emotional eskaliert. Wir müssen unbedingt neue Wege finden, um die Bürger früher einzubinden. Eine Bürgerfragestunde, unabhängig von der jährlichen Bürgerversammlung wäre beispielsweise ein denkbarer Ansatz.

Grasbrunn Aktuell:

Sie haben oft gesagt, Grasbrunn brauche mehr Dialog statt Gegeneinander. Wie erreicht man Menschen, die sich von Politik inzwischen eher abgewendet haben?

Sebastian Stüwe:

Indem man ihnen zeigt, dass ihre Ideen ernst genommen werden. Wenn Bürger das Gefühl haben, dass Vorschläge ohnehin versanden oder zerredet werden, verlieren sie verständlicherweise die Motivation. Deshalb ist es wichtig, offen zuzuhören und Projekte gemeinsam weiterzuentwickeln.

Grasbrunn Aktuell:

Viele Vereine klagen über immer mehr Auflagen und Bürokratie. Wie sehen Sie das?

Sebastian Stüwe:

Vereine sind enorm wichtig für das gesellschaftliche Leben. Deshalb darf die Gemeinde nicht als zusätzliche Belastung wahrgenommen werden. Natürlich braucht es Sicherheitskonzepte und Regeln, aber wir müssen Lösungen finden, die Ehrenamtliche nicht entmutigen und Prozesse für die Feste und Veranstaltungen in der Gemeinde zu vereinfachen.

Grasbrunn Aktuell:

Die Erwartungen an Sie sind groß. Wie wollen Sie dem gerecht werden?

Sebastian Stüwe:

Vertrauen entsteht nur durch Zusammenarbeit und Verlässlichkeit. Ich möchte Ideen aus allen Fraktionen aufnehmen und gemeinsam Lösungen entwickeln. Mir ist wichtig, dass wir uns am Ende daran messen lassen können, welche konkreten Verbesserungen wir erreicht haben.

Grasbrunn Aktuell:

Wo sehen Sie Grasbrunn im Jahr 2032?

Sebastian Stüwe:

Ich hoffe, dass wir viele der Themen, die die Menschen aktuell beschäftigen, bis dahin spürbar verbessert haben. Vor allem wünsche ich mir, dass die Bürgerinnen und Bürger weiterhin gerne in Grasbrunn leben und das Gefühl haben, dass ihre Anliegen ernst genommen werden.

Grasbrunn Aktuell:

Sie sind seit eineinhalb Jahren Vater eines Sohnes. Wie wollen Sie Familie und Bürgermeisteramt miteinander vereinbaren?

Sebastian Stüwe:

Das wird sicher eine Herausforderung, aber wir haben uns als Familie bewusst dafür entschieden. Man muss sich die Zeit aktiv nehmen und gut organisieren. Gerade weil viele Termine am Abend stattfinden, versuche ich zwischendurch, sofern möglich,  Zeit mit meiner Familie zu verbringen.

Grasbrunn Aktuell:

Und zum Abschluss: Was war der emotionalste Moment des gesamten Wahlkampfs?

Sebastian Stüwe:

Ganz klar der Wahlabend selbst. Man arbeitet monatelang auf diesen Tag hin und weiß trotzdem bis zuletzt nicht, wie es ausgeht. Dass meine Frau an diesem Abend dabei war, hat diesen Moment natürlich noch besonderer gemacht. Wirklich realisiert habe ich das Ergebnis aber erst einige Tage später.

Grasbrunn Aktuell:

Herr Stüwe, vielen Dank für das nette Gespräch und viel Erfolg in den kommenden Jahren.

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2 Antworten auf “„Zuhören, erklären, gemeinsam lösen“ – Grasbrunns neuer Erster Bürgermeister Sebastian Stüwe im Gespräch

  1. Da der neue Erste Bürgermeister die Verwaltung als Dienstleister für die Bürger/innen sieht und mir das Thema Transparenz gerade als bisheriges Gemeinderatsmitglied oft zu kurz gekommen ist, möchte ich sein Angebot der „Offenen Türen“ gerne nutzen und auf die folgenden Punkte aus dem Interview eingehen, indem ich unten ein paar einfache Vorschläge dazu mache:
    1) neue Wege finden, um die Bürger früher einzubinden
    2) Bürgerfragestunde, unabhängig von der Bürgerversammlung
    3) Formate schaffen, bei denen Bürgerinnen und Bürger unkompliziert Fragen stellen können

    zu 1)
    Möglichkeiten der frühzeitigen Einbindung durch frühe Information:
    a) Wir brauchen eine Übersicht über alle laufenden Projekte der Gemeinde und Ihrer Gesellschaften (GP GmbH & Co KG, GwG, GNG) und Gesellschaftsbeteiligungen (GEMO). Ich gebe dieser Übersicht hier mal den Arbeitstitel **Der Grasbrunner Projektverfolger**, auf der man die Diskussion in den Gemeindegremien über ein Projekt schon von Beginn an und den weiteren Werdegang des Projekts verfolgen kann. Ich stelle mir eine Web-Seite mit einer Übersicht über alle geplanten, laufenden und abgeschlossenen Projekte mit grobem zeitlichen Ablauf vor, mit je einer Unterseite für jedes Projekt, wo der zeitliche Ablauf dann genau nachvollziehbar ist. Bei den Ablaufschritten soll man Gremienbeschlüsse (in nicht-öffentlicher Sitzung gefasste erst nur erwähnt, später im Detail dargestellt, wenn die Gründe für die Geheimhaltung entfallen) und die Projektunterlagen (Gutachten, Planungen u.a., soweit öffentlich), idealerweise wieder mit Wortprotokollen aus den öffentlichen Sitzungen, herunterladen können (Link auf WebDAV-Server, siehe Idee zur Informationsfreiheitssatzung ganz unten).
    b) Für jedes Projekt eine FAQ-Liste, damit einerseits Fragen von Bürgerseite und die Antworten der Gemeinde darauf offen kommuniziert werden, und andererseits die Verwaltung darauf verweisen kann, wenn ähnliche oder inhaltlich identische Fragen wiederholt gestellt werden. (Ich persönlich würde auch gerne einen Fragenzähler sehen, damit jeder öffentlich sehen kann, wie groß das Bürgerinteresse am jeweiligen Projekt tatsächlich ist.)
    c) Denkbar wären auch berührungssensitive Bildschirme an öffentlichen Standorten (Wertstoffhöfe, Rathaus), wo man sich schnell einen Überblick verschaffen kann, was läuft (und was nicht so gut läuft — gehört auch zur Transparenz).

    Frühzeitige Einbindung durch Möglichkeiten der aktiven **Mitwirkung**:
    d) Wie einst bei der neuen Sporthalle, sollte man interessierte Bürgerinnen und Bürger einladen, eine Art Beratergremium zusammen mit Gemeinderatsmitgliedern zu bilden, wenn es um wichtige Projekte geht. (Wenn man das beim Geothermieprojekt gemacht hätte, wäre es mit Sicherheit nicht zu dem Knatsch um den Standort der Energiezentrale gekommen.)

    e) Ähnlich wie in der Gemeinde Weyarn, sollten wir aber auch Bürgerteams zulassen, die selber Projekte planen wollen. Sie sollten dafür, wenn erforderlich, vom Gemeinderat mit fachlicher Beratung ausgestattet werden, damit fachlich ordentliche Konzepte oder Lösungen herauskommen, die vielleicht auch Geld sparen.

    zu 2)
    Es gibt ja schon eine Bürgermeistersprechstunde, aber interessant wäre auch ein digitales Portal, wo man öffentlich Fragen und Bürgeranträge einstellen kann (aber kein Diskussionsforum), und von dem man eine Nachricht über den gewünschten Kanal erhält, wenn die Antwort gegeben wurde, ggf. auf der oben vorgeschlagenen FAQ-Liste. Denkbar wäre auch, eine öffentliche, digitale Stimmungsplattform zu schaffen, über die die Verwaltung hoffentlich frühzeitig oder auch während der Entwicklungszeit von Projekten Zustimmung oder Ablehnung erfahren kann.

    zu 3)
    Nun, Formate habe ich oben ja schon genannt, weshalb ich hier mal lieber *Kommunikationskanäle* nennen möchte. Die Chat-Gruppe innerhalb des Gemeinderats ist sicher schon mal ganz gut (aber bitte nicht mit WhatsApp, denn jede/r Nutzer gibt damit *fast zwangsläufig* den Zugriff auf **alle** Kontakte im Smartphone frei — auch die von Personen, die **nie Kunde** von WhatsApp oder Facebook waren! — und damit auch an den Meta-Konzern, und das in der Regel, ohne die einzelnen Kontaktpersonen zu fragen, ob die was dagegen haben).
    Mögliche Kanäle:
    – datenschutzfreundliche Messenger mit E2E-Verschlüsselung
    – die gute alte E-Mail, aber bitte auch verschlüsselt (warum bietet die Gemeinde keinen öffentlichen PGP-Schlüssel an, obwohl E-Mail-Verschlüsselung technisch schon lange keine Zauberei mehr ist?)
    – E-Mail-Sammeladressen für den Gemeinderat, Ausschüsse und alle Ämter, wie , (die gibt es, aber nicht alle Ämter habe eine generische Adresse, oder sie steht nicht auf deren Web-Seiten)
    – freilich auch Kontakt- bzw. Anfragenfelder auf den Seiten, wo laufend Änderungen eingepflegt werden oder Personen genannt werden (Anfragen, siehe unten; Projekte; Gemeinderatsmitglieder u.v.m.)

    Hinter all diesen Kommunikationsmitteln sollte ein Nachrichtenaggregator laufen, der die technisch unterschiedlichen Nachrichten auf einer Plattform bündelt, von wo sie innerhalb der Verwaltung weiterverteilt werden.

    Man sollte auch intensiver darüber nachdenken, moderne Kollaborationsplattformen, wie Nextcloud für die Zusammenarbeit von Arbeitsgruppen oder zur Ideensammlung für Projekte aufzusetzen.

    Was mir noch wichtig wäre:

    **Anfragen**:
    Bitte beantworten Sie (öffentliche) Anfragen der Mitglieder des Gemeinderats nicht nur in den Protokollen der Sitzungen, denn das ist nicht mehr zeitgemäß. Bitte machen Sie eine eigene Webseite **Anfragen aus den Gremien an die Verwaltung** unter der Rubrik „Startseite Rathaus & Service Gemeinderat“ (). Es wäre meines Erachtens wichtig, dass die (politische) Arbeit der Mitglieder des Gemeinderats (um was sie sich persönlich kümmern!) mindestens auf diese Weise sichtbar wird.
    Anfragen sollten dann von den Gemeinderatsmitgliedern möglicht auch schriftlich formuliert werden. Bürger/innen würden dann auch von Angelegenheiten erfahren, die in den Grasbrunner Nachrichten bisher nie erwähnt werden.

    **Informationsfreiheit*:
    Die Gemeinde hat eine Informationsfreiheitssatzung, die inzwischen gut gealtert ist. Es ist heutzutage nicht mehr zeitgemäß, dass man als Bürger/in auf die Verwaltung als Bittsteller zukommen muss, um bestimmte Informationen zu erhalten. Es sollte im Sinne der Transparenz selbstverständlich sein, dass man sich öffentliche Informationen über ein Online-Portal besorgen kann. Die Satzung sollte dahingehend erweitert werden. Am besten setzt man einen öffentlich erreichbaren WebDAV-Server auf, auf dem die Informationen nach Themen geordnet vorliegen, durchsuchbar sind, und von dem man die zugehörigen Unterlagen auf den eigenen Computer laden kann.

    **Grasbrunner Nachrichten (GN)**:
    Ich habe schon öfters angeregt, die redaktionellen Inhalte auch im **HTML-Format** direkt auf der Web-Seite der GN und als **E-Pub-Datei** für E-Book-Reader zu veröffentlichen.
    Der Grund ist offensichtlich, wird bisher leider konsequent ignoriert: haben Sie schon mal die GN auf einem Smartphone geöffnet? Tun Sie’s! Dann sehen Sie … genau, nicht besonders viel, jedenfalls nicht Personen mit Altersweitsichtigkeit oder mit anderen Seheinschränkungen. Freilich habe ich auch eine Brille mit Nahsichtschliff, aber das Lesen derart kleiner Schriften ist eine Qual. Das ständige Hinein- und Heraus-Zoomen und das Verschieben des gezoomten Texts ebenso.
    Der **Vorteil** von HTML (Hyper Text Markup Language) und EPUB (Electronic Publication): man kann die Schriftgröße für angenehme Lesbarkeit je nach benutztem Gerät einstellen, ohne zoomen zu müssen, weil **bei diesen Formaten die Zeilen je nach Schriftgröße anders umgebrochen** werden, so dass immer die gesamte Zeilenbreite auf dem Bildschirm sichtbar ist. (Man lese zur Bestätigung unter https://de.wikipedia.org./wiki/EPUB den dritten Absatz.) Zoomen und seitliches Verschieben gehört dann der Vergangenheit an, man muss den Text dann nur noch von oben nach unten bzw. umgekehrt rollen.
    Noch ein Wort zu Yumpu (siehe z.B. die Mai-Ausgabe unter ):
    Selbst in der Vollbilddarstellung auf einem PC-Monitor ist die Schrift unzumutbar klein und alles andere als scharf (gezoomt nicht unscharf, aber das Zoomen und Verschieben ist auch hier extrem lästig). Bei jedem Umblättern (der Effekt ist ja eine nette Spielerei aber für’s Lesen überflüssig) geht der Zoom dann auch wieder verloren bzw muss auf dem Smartphone zurückgenommen werden, weil sonst das Blättern nicht geht. So ist das keine zumutbare Bedienung.
    Übrigens ist mein Vorschlag von HTML/EPUB für die GN keine Nerd-Spinnerei: viele Apps von Zeitschriften, beispielsweise Europas größtes Computer-Magazin, machen das genau so!

    Abschließend möchte ich meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, dass ich mit meinen Ideen und konkreten Vorschlägen offene Türen einrenne und nicht gegen Wände der Unverständnis stoße.

  2. Ein sehr interessantes Interview. In der heutigen Zeit das Amt eines Bürgermeisters zu übernehmen, erfordert schon viel Mut und Kraft.
    Ein Bürgermeister der mehr als dreißig Jahre sein Amt erfolgreich ausgeübt hat, ist der Bürgermeister der Stadt Lüdinghausen. Er hat auf über 300 Seiten seine Erlebnisse und Erfahrungen während dieser Zeit in einem Buch niedergeschrieben. Vielleicht kann dieses Werk „Abenteuer Kommunalpolitik“ erschienen im Aschendorf Verlag den Einstieg für den neuen Bürgermeister erleichtern. Lesenswert ist es auf jeden fall.

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