Zur Podiumsdiskussion, zur Umfrage und zu einigen Vorwürfen

Zur Podiumsdiskussion, zur Umfrage und zu einigen Vorwürfen

Die Podiumsdiskussion mit den beiden Grasbrunner Bürgermeisterkandidaten Sebastian Stüwe (parteilos, unterstützt von CSU und Freien Wählern) und Andreas Ziegler (SPD) hat viele Menschen bewegt – vor Ort wie online. Fast 270 Bürgerinnen und Bürger waren im Bürgerhaus dabei, über 780 haben sich bislang die Aufzeichnung angesehen. Das sind deutlich mehr als bei der Veranstaltung vor sechs Jahren. Allein das werten wir als Erfolg für die politische Kultur in unserer Gemeinde.

In den Tagen danach haben uns zahlreiche Zuschriften, Kommentare und persönliche Rückmeldungen erreicht. Die meisten waren fast ausschließlich positiv. Beide Kandidaten wurden als kompetent, sympathisch und engagiert wahrgenommen. Viele Zuschauer sagten uns, sie seien sich auch nach der Diskussion noch nicht sicher, wem sie ihre Stimme geben. Das spricht für beide.
Gleichzeitig gab es Kritik – an meiner Moderation, an Details im Ablauf und insbesondere an der Online-Umfrage unter dem Video mit der Frage: 
„Wer hat Sie bei der Podiumsdiskussion mit den Grasbrunner Bürgermeisterkandidaten mehr überzeugt?

Zur Moderation
Zunächst zur Veranstaltung selbst: Ziel war es von Anfang an, beiden Kandidaten einen fairen, sachlichen Rahmen zu bieten. Es war nie meine Absicht, jemanden zu bevorzugen oder zu benachteiligen. Dass bei einzelnen Themen die erste Frage häufiger an Andreas Ziegler ging, war keine bewusste Entscheidung, sondern ergab sich aus der Gesprächssituation. Andere wiederum empfanden es genau umgekehrt.
Auch der Vorwurf, Sebastian Stüwe habe deutlich mehr Redezeit erhalten, hält einer sachlichen Betrachtung nicht stand. Viele hatten eher den Eindruck, dass er bemüht war, in seinen Antworten möglichst viele Aspekte unterzubringen. Entsprechend habe ich ihn mehrfach an die Zeit erinnert. Andreas Ziegler war häufig knapper und sehr auf den Punkt.

Zur Neutralität von Grasbrunn Aktuell
Uns wurde im Nachgang vorgeworfen, wir würden einseitig berichten oder Wahlkampf für einen bestimmten Kandidaten machen. Diese Unterstellung weisen wir entschieden zurück.
Wir haben allen Ortsfraktionen die Gelegenheit gegeben, ihr Programm und ihre Kandidaten für den Gemeinderat bei Grasbrunn Aktuell zu präsentieren. Dem sind auch alle gefolgt.
Auch haben wir jeweils von jeder Kandidatenvorstellung einmal berichtet und auf alle Wahlveranstaltungen.

Interessant ist dabei: In früheren Jahren wurde uns immer wieder unterstellt, wir würden zu sehr im Sinne der Verwaltung berichten. Nun heißt es plötzlich, wir stünden auf der anderen Seite. Das zeigt vor allem eines – wir berichten offenbar nicht parteigesteuert, sondern unabhängig.

Zur Umfrage unter dem Video der Podiumsdiskussion
Besonders intensiv wurde die Online-Umfrage diskutiert. Nach einzelnen Hinweisen, wir könnten mit der Veröffentlichung der Ergebnisse die Wahl beeinflussen, haben wir die Ergebnisanzeige nach Stimmabgabe kurzfristig deaktiviert.
Wir haben uns daraufhin mit Kolleginnen und Kollegen vom BR, WDR, der Süddeutschen Zeitung sowie mit der Bundeszentrale für politische Bildung ausgetauscht. Das Ergebnis dieser Gespräche war eindeutig: Bei unserer Abstimmung handelt es sich rechtlich um ein nicht-repräsentatives Stimmungsbild, wie es zahlreiche Medien regelmäßig veröffentlichen.
Würden wir der Argumentation folgen, dass eine solche Online-Abstimmung das Wahlverhalten beeinflusst, dürften auch öffentlich-rechtliche Sender, private Medienhäuser oder große Printmedien keine Umfragen mehr durchführen oder veröffentlichen.

Ja, theoretisch ist jede Online-Umfrage manipulierbar. Das gilt für kleine lokale Plattformen ebenso wie für große Medienhäuser. Entscheidend ist jedoch die Plausibilität der Zahlen. Das Verhältnis von Videoaufrufen zu abgegebenen Stimmen zeigt keine auffällige Verzerrung. Von einer systematischen Manipulation kann keine Rede sein.
Wir haben dennoch technische Anpassungen vorgenommen und die Sicherheitsmechanismen weiter verschärft. Nach sorgfältiger Abwägung haben wir uns entschieden, die Ergebnisse wieder sichtbar zu machen. Transparenz halten wir für den besseren Weg.

Noch einmal klar gesagt: Diese Umfrage ist kein repräsentatives Wahlergebnis, sondern ein Stimmungsbild unter denjenigen, die das Video gesehen und freiwillig abgestimmt haben.
In den nächsten Tagen wir auf Grasbrunn Aktuell außerdem weitere Umfragen zur Kommunalwahl 2026 schalten.

Zwei starke Kandidaten – eine Entscheidung
Mit Sebastian Stüwe und Andreas Ziegler stehen zwei engagierte, sympathische Kandidaten zur Wahl. Einer wird gewinnen.
Grasbrunn Aktuell ist keine Wahlkampforganisation. Wir bieten eine Plattform für Information, Austausch und Diskussion. Nicht mehr – aber auch nicht weniger.

Was uns in den vergangenen Wochen allerdings irritiert, ist der Tonfall mancher Debatten. Wahlkampf darf leidenschaftlich sein. Aber Respekt sollte keine Saisonware sein.
Uns liegt an einem fairen Miteinander. Auch nach dem 8. März 2026. Gerade dann.

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3 Antworten auf “Zur Podiumsdiskussion, zur Umfrage und zu einigen Vorwürfen

  1. Zunächst herzlichen Dank an Oliver Bertram und das Team von Grasbrunn-Aktuell für die gelungene Veranstaltung. Den Verlauf fand ich durchaus fair, vor allem waren die Fragen nicht so tiefgehend, dass auch Herr Ziegler als fachfremder eine angemessene Chance hatte.
    Ich persönlich teile den aktuellen Stand der Umfrage (70% für Hr. Stüwe), da war eindeutig mehr Substanz erkennbar.

    Was mich massiv irritiert und beschämt ist, dass Herr Bertram im Nachgang derart bedrängt wird und genötigt ist, sich gegen, aus meiner Sicht unbegründete, Vorwürfe zu wehren.
    Presse- und Meinungsfreiheit sind ein hohes Gut und gerade in einer Kommune wie Grasbrunn kommt es doch auf ordentlichen Wertmaßstäben basierenden Umgang an. In dem Sinne hoffe ich, dass wir hier wieder auf ein gutes Maß des politischen Austauschs zurückfinden und akzeptieren, dass auch Umfragen ein Teil der Demokratie sind.

  2. Wir fanden die Veranstaltung sehr gut, weil man sich so noch mal ein besseres Bild von beiden Kandidaten machen konnte. Auffällig war, das nach der Veranstaltung von einigen versucht wurde Stimmung gegen Herrn Stüwe machen und immer wieder davon gesprochen wurde, das Herr Ziegler nicht gerecht behandelt wurde. Das haben wir und wohl auch die meisten Zuschauer nicht so empfunden.

  3. Im Namen der CSU begrüßen wir sehr, dass die Umfrage wieder online ist. Danke an die Redaktion (insbesondere an Oliver Bertram) für Engagement und transparente Berichterstattung.

    Zur Klarstellung: Von Seiten der CSU gab es keinerlei Beschwerde, keine Androhung rechtlicher Schritte und keinen Versuch, diese Umfrage zu unterdrücken oder die Podiumsdiskussion in Zweifel zu ziehen. Demokratie lebt vom offenen Austausch – nicht von juristischem Druck.

    Wir stehen für Kompetenz, Fairness und Transparenz. Und genau das erwarten wir auch von allen, die für uns und mit uns kandidieren.

    Offene Meinungsbilder gehören dazu. Sie auszuhalten auch.

    CSU Grasbrunn

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