Grundschule Neukeferloh schlägt Kilometerjäger beim Stadtradeln

Die Grundschule Neukeferloh gewinnt beim STADTRADELN 2026 den Hauptpreis – und zeigt dabei, worum es bei der Aktion eigentlich gehen sollte.
Grundschule Neukeferloh schlägt Kilometerjäger beim Stadtradeln

Es ist eine kleine, aber durchaus bemerkenswerte Verschiebung beim diesjährigen STADTRADELN in Grasbrunn: Nicht die Grünen Radler Grasbrunn und auch nicht OpenText Cycling Club haben diesmal die Nase vorn, sondern die Grundschule Neukeferloh. Und das ist mehr als nur eine andere Platzierung in einer Tabelle.

Vom 14. Juni bis 4. Juli 2026 traten in Grasbrunn 250 Menschen in 18 Teams in die Pedale. Gemeinsam kamen 47.234 Kilometer zusammen. Das entspricht – nach Berechnung der Gemeinde – einer vermiedenen CO₂-Belastung von rund acht Tonnen, wenn diese Strecken stattdessen mit dem Auto zurückgelegt worden wären.

Noch interessanter wird die Bilanz, wenn man genauer hinschaut.
Die Grundschule Neukeferloh beteiligte sich 2026 erstmals am Schulradeln. Bereits kurz nach dem Start hatte Grasbrunn Aktuell über die gelungene Premiere berichtet: Am ersten Aktionstag kamen die Viertklässler auf mehr als 300 Kilometer, wenige Tage später waren es bereits rund 600 Kilometer.

Am Ende standen 108 Teilnehmer, 2.595 Fahrten und 8.828 Kilometer auf dem Konto des Schulteams. Dabei wurden nach Angaben der Gemeinde rund 1,45 Tonnen CO₂ eingespart.
Die entscheidende Zahl sind allerdings nicht die 8.828 Kilometer. Es sind die 2.595 Fahrten.
Denn genau hier hat die Gemeinde beim diesjährigen Wettbewerb den Bewertungsmaßstab verändert. Während in den vergangenen Jahren vor allem die gefahrenen Kilometer über den Hauptpreis entschieden, wurde 2026 erstmals das Team mit den meisten absolvierten Fahrten ausgezeichnet.

Damit rückt etwas in den Vordergrund, das beim STADTRADELN leicht unter die Räder geraten kann: Es geht nicht darum, wer das sportlichste Team stellt oder wer am Wochenende die längste Tour fährt. Es geht darum, das Fahrrad möglichst oft als Verkehrsmittel im Alltag zu nutzen.
Und da können 2.595 kurze Schulwege durchaus mehr über nachhaltige Mobilität erzählen als Tausende Kilometer auf langen Freizeittouren.

Ein Blick zurück macht den Unterschied deutlich:
Beim STADTRADELN 2025 waren es in Grasbrunn 119 Radelnde in elf Teams, die insgesamt 30.913 Kilometer zurücklegten und damit rund fünf Tonnen CO₂ vermieden. Damals sicherten sich die Grünen Radler Grasbrunn mit 12.262 Kilometern erneut den ersten Platz. OpenText Cycling Club folgte mit 6.922 Kilometern.
Das war zweifellos eine beeindruckende Leistung. Und auch 2026 haben die sportlichen Kilometerjäger ihren Platz im Wettbewerb. Nur misst der Hauptpreis diesmal etwas anderes.
Die Frage lautet nicht mehr ausschließlich: Wer ist am weitesten gefahren?
Sondern: Wer hat am häufigsten das Auto stehen lassen?

Das ist gerade bei einer Grundschule eine spannende Perspektive. Denn Schulwege sind in der Regel kurz – und gerade deshalb besteht hier großes Potenzial. Ein paar Kilometer mit dem Fahrrad wirken in der Statistik zunächst unspektakulär. Wenn sie aber täglich den Weg mit dem Auto ersetzen, summiert sich der Effekt über Wochen und Monate erheblich.

Die Premiere des Schulradelns an der Grundschule Neukeferloh war deshalb schon während des Aktionszeitraums mehr als eine nette Zusatzaktion. Sie verband Bewegung, Verkehrserziehung und Klimaschutz miteinander. Grasbrunn Aktuell hatte bereits zum Auftakt darauf hingewiesen, dass Kinder dabei früh lernen, sich sicherer im Straßenverkehr zu bewegen und ihre eigene Mobilität bewusst wahrzunehmen.
Die Idee zur Teilnahme ging laut unserem früheren Bericht von Rahel Brand aus der Kinder- und Schulsozialarbeit aus. Gemeinsam mit Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern wurde das Schulteam aufgebaut. Unterstützt wurde die Aktion zudem von Eltern und Lehrkräften.
Nun wurde dieser Einsatz belohnt.

Bei der Preisverleihung am 28. Juli 2026 im Bürgerhaus Neukeferloh erhielt jedes teilnehmende Kind von Grasbrunns Erstem Bürgenmeister Sebastian Stüwe einen Gutschein für eine Kugel Eis bei Nesli’s Backcafé. Die vier fleißigsten Kinder bekamen zusätzlich einen Fahrrad-Tachometer. Auch die Schule selbst profitiert: Für das Pausenkammerl wurden neue Spiele angeschafft.
Der Hauptpreis ist damit nicht nur eine Urkunde, die irgendwo im Schulhaus hängt. Ein Teil des Erfolgs landet direkt wieder bei den Kindern.

Natürlich darf man beim STADTRADELN auch sportlichen Ehrgeiz entwickeln. Wer gerne 50, 100 oder mehr Kilometer am Stück fährt, soll das selbstverständlich tun. Genau diese Mischung macht die Aktion schließlich attraktiv. Aber die neue Wertung in Grasbrunn setzt ein interessantes Signal. Wer morgens mit dem Fahrrad zur Schule fährt, zur Arbeit radelt, zum Einkaufen das Auto stehen lässt oder die Kinder mit dem Rad bringt, erfüllt den eigentlichen Sinn der Aktion vielleicht besser als jemand, der einmal am Wochenende eine besonders lange Tour absolviert.

Die Grundschule Neukeferloh hat diesen Gedanken in diesem Jahr ziemlich eindrucksvoll auf die Straße beziehungsweise den Radweg gebracht.

Und vielleicht ist genau das die Botschaft, die vom diesjährigen STADTRADELN hängen bleiben sollte. Nicht jeder muss zum Kilometerfresser werden. Manchmal reicht es, einfach häufiger aufs Fahrrad zu steigen.
Die Grünen Radler dürfen ihre Kilometerkrone also durchaus vermissen. OpenText muss ebenfalls nicht traurig sein. Denn beim STADTRADELN gibt es eigentlich einen Gegner, gegen den alle gemeinsam antreten: den unnötigen Autokilometer.
Und den hat die Grundschule Neukeferloh in diesem Jahr zumindest 2.595-mal aus dem Verkehr gezogen.

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