Der Grundwasserpegel sinkt vielerorts weiter, und während München bereits alle städtischen Brunnen abgeschaltet hat und mehrere Landkreisgemeinden zum Sparen aufrufen, gibt es in Grasbrunn, Haar und Vaterstetten bislang keine verbindlichen Auflagen. Doch die Frage drängt sich auf: Reicht ein bloßer Appell zum „bewussten Umgang mit der Ressource Wasser“ noch aus, oder braucht es angesichts der Entwicklung bald doch drastischere Maßnahmen?
In Grasbrunn und Vaterstetten ist immer wieder zu beobachten, dass Grundstücksbesitzer ihre Gärten stundenlang, manche sogar über den ganzen Tag verteilt, bewässern. Aus fachlicher Sicht ist genau das wenig sinnvoll und teils sogar schädlich. Wer mehrmals täglich kurz sprengt, befeuchtet meist nur die obersten Zentimeter des Bodens. Das Wasser dringt gar nicht bis zu den Wurzeln vor, verdunstet bei den aktuellen Temperaturen zu einem großen Teil ungenutzt und fördert zudem, dass Rasen und Pflanzen flache statt tiefe Wurzeln ausbilden. Die Folge: Die Vegetation wird auf Dauer anfälliger für Trockenheit nicht widerstandsfähiger, während gleichzeitig wertvolles Grundwasser verschwendet wird. Sinnvoller ist seltenes, dafür kräftiges und tief eindringendes Gießen, am besten in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden, wenn die Verdunstung geringer ist.
Wie ernst die Lage bereits ist, zeigt sich auch bei der Pflege der öffentlichen Grünanlagen: Der Bauhof der Gemeinde Grasbrunn ist derzeit täglich im gesamten Gemeindegebiet unterwegs, um Grünflächen, Baumscheiben und Beete zu bewässern. Angesichts der schieren Fläche und der anhaltenden Hitze kann dabei aber naturgemäß nicht jeder Baum und jede Grünfläche ausreichend versorgt werden. Die Folgen dieser Wasserknappheit sind längst sichtbar: Seit Wochen kräuseln sich bei zahlreichen Bäumen im Gemeindegebiet die Blätter, viele werfen ihr Laub bereits vorzeitig ab – ein deutliches Stresssignal der Vegetation.
Das ist mehr als nur ein optisches Problem. Bäume sind für das Ortsklima unverzichtbar: Sie spenden Schatten, kühlen die Umgebung durch Verdunstung, binden Feinstaub und CO₂ und tragen wesentlich zur Lebensqualität bei – gerade in heißen Sommern, in denen sie am dringendsten gebraucht werden. Fällt ein ausgewachsener Baum aufgrund von Trockenstress aus, lässt sich dieser Verlust nicht kurzfristig ausgleichen; ein Ersatzbaum braucht Jahrzehnte, um dieselbe kühlende und ökologische Wirkung zu entfalten. Der tägliche Einsatz des Bauhofs zeigt damit exemplarisch, vor welchem Dilemma auch die Gemeinde steht: begrenzte Wasserressourcen und begrenzte Kapazitäten treffen auf einen wachsenden Bedarf, der mit zunehmender Hitze und Trockenheit weiter steigt.
Die Gemeindewerke Grasbrunn (GwG) betonen, dass im eigenen Versorgungsgebiet derzeit keine akute Wasserknappheit besteht und die Trinkwasserversorgung uneingeschränkt gesichert ist. Gleichzeitig räumt die kaufmännische Vorständin Verena Schlederer ein, dass die langjährigen Messreihen zunehmend schwankende Pegel zeigen, weil trockene und niederschlagsreiche Jahre sich immer stärker abwechseln. Seit Jahresbeginn sei ein kontinuierlicher, wenn auch bislang unauffälliger Rückgang des Wasserstands zu verzeichnen. Sollte sich diese Entwicklung beschleunigen, kündigt die Gemeinde an, öffentlich zum Wassersparen aufzurufen, die Bewässerung von Grünflächen zu reduzieren und Schaubrunnen zeitweise abzuschalten. Weil Grasbrunn über eine eigene, von der Stadtwerke-München-Sparanordnung unabhängige Versorgung verfügt, appelliert man derzeit auf freiwilliger Basis: Regenwasser zum Gießen sammeln, Wasch- und Spülmaschinen nur voll beladen laufen lassen und beim Autowaschen die Waschstraße statt des Gartenschlauchs nutzen.
Ähnlich ist die Lage in Haar und Vaterstetten. In Haar beobachten die Stadtwerke einen deutlichen Verbrauchsanstieg an heißen Tagen, weil, wie es dort heißt, „die Gartenbesitzer kräftig gießen“. Verbindliche Einschränkungen sind derzeit nicht geplant, empfohlen wird aber, nur morgens oder abends und nur bei tatsächlichem Bedarf zu wässern. In Vaterstetten meldet der zuständige Wasserverband einen monatlichen Rückgang des Grundwasserspiegels um fünf bis zehn Zentimeter – spürbar, aber noch kein Grund für verbindliche Regeln. Die Gemeinde arbeitet dennoch bereits an einem Wasserschutzkonzept und rät während Hitzeperioden dazu, auf tägliches Rasensprengen, das Neubefüllen von Pools sowie das Waschen von Autos und Terrassen zu verzichten.
Wie ernst die Lage werden kann, zeigt der Blick nach München. Dort hat Oberbürgermeister Dominik Krause eine Allgemeinverfügung erlassen, die das Rasensprengen und Autowaschen mit Leitungswasser verbietet, ergänzt durch eine Wassersparanordnung der Stadtwerke München, die auch mitversorgte Landkreisgemeinden wie Unterhaching, Unterföhring oder Neubiberg betrifft. Verstöße können mit Bußgeldern bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Der Leiter der Wassergewinnung, Hermann Löhner, beschreibt die Situation als angespannt, aber nicht kritisch – zuletzt war das Versorgungssystem an heißen Tagen jedoch zu mehr als 90 Prozent statt der sommer-üblichen 80 Prozent ausgelastet. Ursache sei die anhaltende Trockenheit seit Anfang 2025, wodurch sich das Grundwasser nicht wie gewohnt neu bilde. In Höhenkirchen-Siegertsbrunn ist der Brunnenpegel binnen anderthalb Jahren sogar um rund 4,5 Meter gefallen, weshalb dort bereits ein dritter Brunnen gebaut wird.
Noch setzen Grasbrunn und seine Nachbargemeinden auf Eigenverantwortung statt auf Verbote. Ob das angesichts sinkender Pegel, gestresster Bäume und immer heißerer Sommer auf Dauer ausreicht, bleibt offen. Klar ist: Jeder gesparte Liter zählt, und wie das Beispiel der ineffizienten Dauerbewässerung zeigt, bedeutet weniger gießen nicht automatisch einen trockeneren Garten – oft ist genau das Gegenteil der Fall. Und je bewusster private Gärten und Grundstücke bewässert werden, desto mehr Kapazität bleibt dem Bauhof, um die für alle wichtigen öffentlichen Bäume und Grünanlagen über die Hitzeperiode zu bringen.
Wer sich über die kommunale Ebene hinaus für mehr Hitze- und Klimaschutz einsetzen möchte, findet bei der Petition „Hitzewellen töten – Klima- und Hitzeschutz jetzt!“ von GermanZero und Campact Gelegenheit dazu. Die Initiative fordert unter anderem, Gelder aus dem Klima- und Transformationsfonds nicht zweckzuentfremden, die Förderung von Wärme- und Kältepumpen wieder auszubauen und ein Hitze-Sofortprogramm für Städte, Schulen, Kitas und Pflegeeinrichtungen aufzulegen. Allein im Juni sind nach Angaben der Initiative bundesweit mehr als 5.100 Menschen an den Folgen von Hitze gestorben.
Zur Wasserknappheit in Flüssen und Seen in Europa hat das ZDF-Auslandsjournal vor ein paar Tagen einen Beitrag veröffentlicht.

Wir würden uns klare Empfehlungen wünschen. Jeder verlorene Baum ist zu wertvoll, um ihn tatenlos sterben zu lassen. Lieber 100 Euro für Wasser und Abwasser zahlen, als eine abgestorbene Fichte fällen zu müssen. Wie ist die aktuelle Lage und wie lange darf die Trockenheit noch anhalten, ohne bei der derzeitigen Nutzung die Trinkwasserversorgung zu gefährden?
Prioritäten? Große Flächen, wie ein Golfplatz, oder besser hunderte von privaten Gärten?