Harthauser Dorftheater für soziales Engagement geehrt

Das Harthauser Dorftheater ist für mehr als vier Jahrzehnte Kultur, Gemeinschaft und gelebtes soziales Engagement mit der Ehrennadel des Landkreises München ausgezeichnet worden.
Harthauser-Dorftheater

Es ist eine Auszeichnung, die ziemlich genau zu einem Verein passt, bei dem sich seit Jahrzehnten vieles um Applaus dreht – aber eben nicht nur um den Applaus nach der letzten Szene. Das Harthauser Dorftheater wurde am 15. September 2026 gemeinsam mit weiteren engagierten Gruppen und Einzelpersonen vom Landkreis München für besondere Verdienste im sozialen Bereich geehrt. Im Bürgersaal Ismaning überreichte die stellvertretende Landrätin Nicola Gerhardt die goldene Ehrennadel des Landkreises München. Insgesamt wurden 33 Einzelpersonen und zwölf Gruppen ausgezeichnet – so viele Ehrenamtliche wie noch nie bei einer solchen Ehrung.

Für das Harthauser Dorftheater nahmen Katharina Karg, zweite Vorsitzende, Schriftführerin und Schauspielerin Marianne Leibig, Nathalie Wischnewski vom Spielerausschuss und aus dem Ensemble, sowie Schatzmeister Franz Haas die Ehrung entgegen. Begleitet wurden sie vom Ersten Bürgermeister der Gemeinde Grasbrunn, Sebastian Stüwe.

Die Geschichte des Harthauser Dorftheaters reicht inzwischen mehr als vier Jahrzehnte zurück. 1982 begann der Spielbetrieb im Bürgerhaus Harthausen mit dem Stück „Da ist der Wurm drin“ von Maximilian Vitus. Zunächst standen nur drei Aufführungen auf dem Programm. Aus der kleinen Laienspielgruppe entwickelte sich jedoch im Laufe der Jahre ein etablierter Amateurtheaterverein, dessen Ruf weit über die Gemeindegrenzen hinausreicht.

Seit 1990 ist das Dorftheater ein eigenständiger Verein. Die Bühne im Bürgerhaus an der Rosenstraße ist bis heute die feste Heimat der Theaterleute. Das Repertoire beschränkt sich dabei längst nicht auf klassische bayerische Bauernschwänke. Komödien, Boulevardstücke, Kriminalgeschichten und anspruchsvollere Stoffe gehören ebenso zur Vereinsgeschichte. 1985 etwa sorgte die Aufführung der „Lausbubengeschichten“ nach Ludwig Thoma für besonderes Aufsehen: Damals saß sogar der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß im Publikum.
Und 2014 führte das Ensemble „Der bayerische Jedermann“ anlässlich des 1200-jährigen Ortsjubiläums von Harthausen in der Wallfahrtskirche St. Ottilie in Möschenfeld auf, über die heute noch gesprochen wird.

Auch nach der Corona-Zwangspause bewies der Verein, dass die Bühne in Harthausen keineswegs leiser geworden war. 2022 kehrte das Ensemble mit „Moorleichenpoker“ zurück. Inzwischen stehen auch Kinder- und Jugendproduktionen regelmäßig auf dem Spielplan. Zuletzt gehörten unter anderem „Der kleine Muck“ und „Die kleine Hexe“ zum Programm. 2026 wurde mit „Der Liebe wegen“ wieder eine Komödie in drei Akten auf die Bühne gebracht.

Was den Landkreis bei der Ehrung besonders überzeugte, steht in der Ehrenurkunde: Das Dorftheater sei seit seiner Gründung ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Grasbrunn. Hervorgehoben werden die Spielfreude und künstlerische Vielfalt der Mitglieder ebenso wie die Einführung einer eigenständigen Jugendgruppe.

Vor allem aber geht es um das, was nach der Premiere passiert. Denn beim Harthauser Dorftheater gehört es seit vielen Jahren zur Tradition, die Einnahmen der jeweiligen Premiere für einen sozialen Zweck oder eine soziale Einrichtung zu spenden. Theaterkarten werden damit gewissermaßen zu kleinen Eintrittskarten ins Ehrenamt. Wer im Publikum sitzt, unterstützt nicht nur Schauspieler, Bühnenbauer, Technik, Maske und die vielen Helfer hinter den Kulissen – ein Teil des Geldes kommt anschließend anderen Menschen zugute.

Die Liste der Empfänger ist entsprechend lang und zeigt, wie breit das soziale Engagement des Vereins angelegt ist. Unterstützt wurden unter anderem die Nachbarschaftshilfe Vaterstetten, Zorneding, Grasbrunn, der Kindergarten Grasbrunn/Harthausen, das Salberghaus in Putzbrunn, Hospizkreise in Ottobrunn und Haar, Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, sowie zuletzt der Förderverein der Realschule Vaterstetten.

Auch die örtliche Verbundenheit spielt eine Rolle: Das Dorftheater unterstützte die Renovierung der Kirchen St. Andreas in Harthausen und St. Ägidius in Keferloh sowie die Erhaltung der Kirche St. Ottilie in Möschenfeld. Gemeinsam mit anderen Harthauser Ortsvereinen und der Bevölkerung wurde zudem der Dorfbrunnen „Der Wassergeist zu Harthausen“ ermöglicht.

Hinzu kommen Spenden an die Aktion Sternstunden, „s’Münchner Herz“, die KlinikClowns, „Lichtblick Hasenbergl“, die Tafel Vaterstetten-Grasbrunn und den Förderverein des Seniorenzentrums am Wiesengrund in Grasbrunn. Gerade Letzteres zeigt, dass die Hilfe immer wieder auch ganz konkret vor der eigenen Haustür ankommt.

Solches Engagement entsteht allerdings nicht von selbst. Vor dem Vorhang stehen die Schauspieler, dahinter arbeiten Bühnenbauer, Techniker, Souffleusen, Helfer im Theaterbistro, Organisatoren und viele weitere Ehrenamtliche. Das Dorftheater bietet damit nicht nur einen Platz zum Spielen, sondern auch zahlreiche Möglichkeiten, sich einzubringen. Wer selbst Theater machen möchte, kann sich beim Verein auch für Aufgaben auf oder hinter der Bühne engagieren.

Die Auszeichnung des Landkreises würdigt deshalb nicht allein eine Reihe gelungener Theaterabende. Sie würdigt eine Vereinsgemeinschaft, die Kultur und soziales Miteinander verbindet.

Im Landkreis München engagieren sich nach Angaben des Landratsamtes rund 40.000 Menschen ehrenamtlich. Die zwölf ausgezeichneten Gruppen kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen – von Hospizarbeit und Nachbarschaftshilfe über Seniorenangebote bis hin zu Kultur und gemeinnützigen Projekten. Das Harthauser Dorftheater zeigt dabei auf seine ganz eigene Weise, wie Ehrenamt funktionieren kann: mit Bühnenlicht, Textbüchern, Lampenfieber, einer gehörigen Portion Humor – und mit der Bereitschaft, den Erfolg anschließend mit anderen zu teilen.
Oder anders gesagt: In Harthausen fällt der Vorhang zwar nach der Vorstellung. Das soziale Engagement geht aber weiter.

Mit 33 Einzelpersonen und 12 Gruppen ehrte der Landkreis so viele Ehrenamtliche wie noch nie für ihr soziales Engagement. Foto: Landratsamt München/Wening
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