Am Sonntag, dem 24. August 2025, fand im Münchner Nußbaumpark vor der St. Matthäus Kirche wieder eine besondere Aktion statt: Die Barber Angels Brotherhood e.V. schnitten über 120 obdachlosen und bedürftigen Menschen kostenlos Haare und Bärte. Elf Friseurinnen und Friseure arbeiteten drei Stunden lang unermüdlich, um den Gästen nicht nur ein gepflegtes Aussehen, sondern auch ein Stück Würde und Selbstwertgefühl zurückzugeben.

Mit dabei waren diesmal auch engagierte Unterstützer aus Neukeferloh. Sabine und Robert Stocker, die seit einigen Monaten eine Filiale ihrer Metzgerei Stocker in Neukeferloh betreiben, verteilten Gratis-Leberkäsemmeln. Die dazugehörigen Semmeln und Brezen spendete die Bäckerei Gattinger aus München.
Sabine Stocker erklärte ihre Motivation so:
„Ich stamme aus einer sehr alten Familie – Wilhelm Busch hat sogar für meine Großmutter ein Gedicht geschrieben – und da ist es sowieso eine Verpflichtung, Gutes zu tun und nicht darüber zu sprechen. Aber als ich von den Barber Angels im Fernsehen hörte, war ich sofort begeistert. Wir haben gesunde Kinder und gerade ein gesundes Enkelkind bekommen – also wurde es Zeit, etwas zurückzugeben. Nach einem Telefonat mit Uwe Pichl von den Barber Angels stand die Aktion fest. Wenn jeder Mensch ein klitzeklein wenig Gutes tun würde, dann wär das prima.“

Auch Gabi Segenschmid, Gemeinderätin in Grasbrunn, 2. Vorsitzende des Seniorentreff Grasbrunn e.V. und Inhaberin eines Friseursalons in Neukeferloh, packte als „Gast-Barber Angel“ mit an – bereits zum zweiten Mal. „Ich war total beeindruckt von den Menschen und ihren Geschichten. Viele wollten mich nach dem Schneiden umarmen und haben sich so herzlich bedankt. Eine wunderbare Erfahrung – ich mache sehr gerne wieder mit“, erzählt sie. Nach ihrem dritten Einsatz wird sie selbst offiziell „Apostel“ im Kreis der Barber Angels.

Doch es blieb nicht nur beim Schneiden und Verteilen von Leberkässemmeln: Die Aktion Brücke e.V., die den Einsatz organisierte, stellte zusätzlich Pflegeprodukte, Karotten, kleine Snacks, Getränke, Schuhe, Kleidung und Bücher bereit. So erhielten die Gäste auch praktische Unterstützung für ihren Alltag.

Leitung vor Ort hatte Uwe Pichl, „Zenturio“ der Barber Angels, der überwältigt war von der großen Resonanz. Gleichzeitig wies er auf ein Problem hin: „Die Friseurdichte in München ist höher als in jeder anderen Stadt, aber aus München ist diesmal nur eine Friseurin dabei. Das ist wirklich schade.“
Die Idee der Barber Angels geht zurück auf Claus Niedermaier, Friseurmeister aus Biberach, der die Bruderschaft 2016 gründete. Heute zählt der Verein über 900 Mitglieder weltweit und ist in zahlreichen Ländern aktiv. Für sein Engagement erhielt Niedermaier am 10. September 2024 das Bundesverdienstkreuz am Bande, verliehen von Bundesarbeitsminister Hubert Heil im Namen des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier.
Niedermaier selbst sagt über die Arbeit seiner Bewegung: „Wir schenken Menschen, die oft alles verloren haben, einen Moment Würde und Selbstvertrauen. Ein Haarschnitt allein löst keine Probleme – aber er kann Türen öffnen und das Herz berühren. Genau dafür stehen wir Barber Angels.“

Die Barber Angels haben seit ihrer Gründung unzählige Einsätze durchgeführt. Ihre Mission ist einfach und gleichzeitig tief bewegend: Bedürftigen Menschen durch kostenlose Haarschnitte ein Stück Würde zurückzugeben. Viele Gäste berichten, dass sie nach einem Haarschnitt wieder Mut gefasst haben – sei es für ein Vorstellungsgespräch, die Wohnungssuche oder einfach für den nächsten Gang zur Bäckerei.
Wer sich engagieren möchte, findet alle Informationen auf der Barber Angels Brotherhood.
Auch Spenden sind herzlich willkommen:
Volksbank Ulm-Biberach eG
IBAN: DE22 6309 0100 0115 1160 01
BIC: ULMVDE66
oder via PayPal


Es werden alle Kommentare moderiert. Lesen Sie bitte auch unsere Kommentarregeln:
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen. Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte - gerne auch mit Humor.