Dorfladen Harthausen vor Neustart: Umfrage und Beteiligung sollen Zukunft sichern

Mit einem Wechsel an der Spitze, einer Kundenumfrage und neuen Ideen zur Beteiligung will der Dorfladen Harthausen seine Erfolgsgeschichte fortschreiben und sich für kommende Jahre neu aufstellen.
Dorfladen Harthausen vor Neustart: Umfrage und Beteiligung sollen Zukunft sichern

Der Dorfladen Harthausen, seit Jahren ein Herzstück des sozialen und wirtschaftlichen Lebens im Ort, steht vor einem wichtigen Umbruch. In absehbarer Zeit wird der Laden von einem neuen Führungsteam übernommen. Lilla Stadelmaier soll die Geschäftsführung übernehmen und tritt damit die Nachfolge von Johanna Mayer an, die den Dorfladen im Jahr 2009 mitbegründet und über viele Jahre geprägt hat.

Im Zuge dieses Neustarts wurde eine Umfrage unter den Kundinnen und Kunden gestartet. Ziel ist es, die Wünsche und Bedürfnisse der Bevölkerung noch besser zu verstehen und darauf aufbauend Sortiment, Öffnungszeiten und Service weiterzuentwickeln. Erste Rückmeldungen zeigen deutlich, wo der Schuh drückt: So wünschen sich viele Kundinnen und Kunden beispielsweise, dass Kartenzahlung nicht erst ab 15 Euro, sondern auch bei kleineren Beträgen möglich ist – ein Aspekt, der gerade im Alltag für mehr Komfort sorgen könnte.

Ein Blick zurück zeigt, wie besonders dieses Projekt ist: Vor 17 Jahren haben rund 160 Harthausenerinnen und Harthausener beschlossen, die Nahversorgung im Ort selbst in die Hand zu nehmen. Mit handwerklichem Einsatz, viel Idealismus und dem Erwerb von Geschäftsanteilen wurde der Dorfladen als Mini-GmbH (UG) gegründet – getragen von etwa 160 stillen Gesellschaftern. Der Laden entwickelte sich zu einem echten Vorzeigeprojekt, wie Grasbrunn Aktuell zum 15-jährigen Bestehen würdigte.
Für viele Menschen in Harthausen ist der Dorfladen bis heute mehr als nur ein Geschäft: Er ist Treffpunkt, Versorger und ein Stück gelebte Dorfgemeinschaft – ein wichtiger Baustein für die Lebensqualität vor Ort.

Doch auch ein gut etabliertes Projekt bleibt nicht vom Wandel der Zeit verschont. Jedes Jahrzehnt bringt seinen eigenen Zeitgeist mit sich. Die anfängliche Begeisterung über die Einkaufsmöglichkeit im Ort ist bei manchen der Gewöhnung gewichen. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass die Umsätze rückläufig sind – trotz einer grundsätzlich guten strukturellen Aufstellung. Diese Entwicklung ist mittelfristig bedrohlich und gefährdet den Fortbestand des Dorfladens.
Hinzu kommen äußere Faktoren: Steigende Personalkosten, der Mangel an Personal für kurze Arbeitszeiten, sowie höhere Energie- und Einkaufspreise schmälern den finanziellen Spielraum. Während in den vergangenen Jahren eine positive Rendite erzielt werden konnte, ist dies aktuell nur noch mit einem wachsenden Umsatzvolumen realistisch.

Genau hier setzt der aktuelle Prozess an: Bewährtes soll gestärkt, neue Chancen aktiv genutzt werden. Die Verantwortlichen betonen, wie wichtig dabei die Unterstützung aus der Bevölkerung ist. Die Umfrage ist ein erster Schritt – ein weiterer könnte eine neue Beteiligungsmöglichkeit sein.
Viele der ursprünglichen Teilhaber sind im Laufe der Jahre weggezogen oder verstorben. Damit gingen nicht nur finanzielle Anteile verloren, sondern auch das wichtige Gefühl: „Das ist mein Dorfladen.“ Dieses Mitverantwortungsgefühl ist zentral für den langfristigen Erhalt.

Geplant ist daher, wieder stärker für eine Beteiligung zu werben:
 Stille Anteile haben einen Nennwert von 200 Euro, sind ohne Verpflichtungen, ohne Haftung und ohne Nachschusspflicht. Die Frage an die Dorfgemeinschaft lautet bewusst offen:
Kannst Du Dir vorstellen, Teil dieser Gemeinschaft zu werden und Anteile zu erwerben?

Der Dorfladen Harthausen steht damit an einem Wendepunkt – mit einem neuen Führungsteam, frischen Ideen und dem klaren Ziel, gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern die Zukunft zu gestalten. Denn eines ist klar: Der Dorfladen ist nur dann dauerhaft erfolgreich, wenn er von vielen getragen wird – wirtschaftlich, ideell und im täglichen Einkauf.
Oder anders gesagt: Ein guter Dorfladen bedeutet auch ein gutes Leben in Harthausen.

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2 Antworten auf “Dorfladen Harthausen vor Neustart: Umfrage und Beteiligung sollen Zukunft sichern

  1. Der Dorfladen in Harthausen ist fester Bestandteil der Gemeinschaft. Er befähigt die Bewohner sowie auch vorbeifahrende Handwerker, schnell, spontan und teils auch klimaneutral Einkäufe zu tätigen. Die Qualität der Metzgerwaren möchte ich besonders hervorheben. Zudem ist der Dorfladen auch ein Treffpunkt, in dem man sich austauscht, gemeinsam lacht, neues erfährt und vielleicht auch neue Menschen kennen lernt. Durch den Dorfladen wächst unsere Gemeinschaft. Lasst uns unbedingt alles dafür tun um diesen besonderen Laden weiterhin in unserem Dorf zu erhalten.

  2. Schade, dass es soweit kommen muss.

    Ich freue mich, wenn die neue Leitung sieht, dass nicht der eigene (Un-)Wille zählt, sondern das, was die Kundschaft möchte. Der Dorfladen ist eine Dienstleistung, und eine Wurst aus dem Sortiment zu nehmen „weil sie zu gut geht“ ist irgendwie ein seltsamer Ansatz. Auch drei Wochen geschlossen in den Sommermonaten finde ich mutig – zeigt ja eigentlich, dass es dem Laden sehr gut geht wenn man sich das leisten kann/konnte.

    Ein (Dorf-)Laden lebt davon, dass dort eingekauft wird. Egal ob Edeka, Penny oder Baumarkt. Aber um einen lokalen Laden zu unterstützen reicht es nun mal nicht, täglich nur eine Tageszeitung zu kaufen und sich dann mit Bildern aus tschechischen Supermärkten über die dortigen günstigen Preise für seinen Monatseinkauf auf Facebook zu freuen. Das ist keine Unterstützung, so stirbt der Laden alles weitere was da noch kommen kann.

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