Keferloher Montag 2026: Bauern zwischen Wut und Zuversicht

Beim traditionsreichen Keferloher Montag drängten sich rund 250 Besucher in die Tenne des Gut Keferloh - deutlich mehr, als der Wirt erwartet hatte, sodass ihm bereits gegen 11:00 Uhr Weißwürste, Kaffeebecher und Bierkrüge ausgingen.
Keferloher Montag 2026: Bauern zwischen Wut und Zuversicht

Die Krüge stehen gefüllt auf den Tischen, die Bedienungen schleppen kurz vor Mittag das Essen heran, als Stefan Schelle versucht, auf dem „Keferloher Montag“ einen verbindlichen Ton zu setzen. Der stellvertretende Landrat und Oberhachinger Bürgermeister ist ein guter Redner und Landwirt, wie die meisten in der Tenne. Er war schon als Bub auf dem Landwirtschaftsfest samt Markt im Münchner Osten. Jetzt beschwört er gleich zu Beginn den Zusammenhalt: „Wer jammert, der bekommt keinen Besuch.“

Stefan Schelle, stellvertretender Landrat und Bürgermeister von Oberhaching.

Eröffnet hatte den Tag Hannes Bußjäger, Vorstand der Keferloher Freunde und Zweiter Bürgermeister von Grasbrunn, mit einer ausführlichen Begrüßung. Neben Finanzminister Albert Füracker und BBV-Generalsekretär Carl von Butler hieß er unter anderem die stellvertretende Landrätin Nicola Gerhardt, den neuen Bürgermeister Sebastian Stüwe (für ihn war es die Premiere auf dem Keferloher Montag seit seinem Amtsantritt im Mai 2026), MdB Florian Hahn sowie die Landtagsabgeordneten Kerstin Schreyer, Maximilian Böltl und Nikolaus Kraus willkommen. Auch Bezirksrätin Karin Hobmeier, Bezirkspräsident Ralf Huber, Bezirksbäuerin Irmgard Posch, Kreisobmann Anton Stürzer, Kreisbäuerin Sonja Dirl sowie deren Stellvertreterin Claudia Leitner waren geladen.

Hannes Bußjäger, Vorstand der Keferloher Freunde und Zweiter Bürgermeister von Grasbrunn.

Bußjäger bedankte sich herzlich bei Festwirt Heuptken und seiner Mannschaft, bei den Landfrauen für das Kuchenbuffet, bei der Haarer Blasmusik, bei Veranstaltungstechniker Tim Strobel sowie den Gebirgsschützen um Hauptmann Florian Stadler. Auch die Aussteller Eder, Baywa, Schmelzer, Gaar, Claas und Gassner Pflüge erhielten Dank, ebenso seine Frau für die Blumendekoration. Besonderen Dank richtete er an die Vorstandschaft der Keferloher Freunde – Nina Angerbauer, Karl Trautmann, Albert Ostler – und vor allem an Maximilian Böltl, den „stillen Organisator“, ohne den es in den vergangenen Jahren keine Festredner gegeben hätte.

Carl von Butler, Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbands.

Als Carl von Butler, Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbands, vor den Gästen das Wort erhob, ließ er an der Ernsthaftigkeit der Lage keinen Zweifel. Die Landwirtschaft biete unverändert Lebensmittelproduktion, Energieerzeugung, Industrie-Ersatzstoffe und Klimaschutzleistungen an – doch die Politik lasse die Bauern damit allein. Deutlich wurde er bei den wirtschaftlichen Zahlen: „Wir haben aus der Ernte kein Geld. Und wir haben auch aus dem Hopfen kein Geld.“.
Scharf kritisierte er die Bundeswirtschaftsministerin, die den Biogasanlagen „mit Anlauf das Geschäftsmodell kaputt“ mache, sowie das Mercosur-Abkommen: „Wir brauchen nur gleiche Standards und wir brauchen gleiche Produktionsbedingungen für das, was aus dem Ausland zu uns kommt.“.

Seine eindringliche Warnung: „2027 werden wir das nicht durchhalten. Und ich schwöre Ihnen, den letzten Liter Diesel, den wir verfahren, verfahren wir nicht auf dem Acker – den verfahren wir beim Demonstrieren.“.
Politisch bezog er klar Stellung: Eine Partei, die auf dem Stimmzettel stehe, sei wählbar – doch wer demokratische Spielregeln verletze, gehöre „konsequent gestellt“. „Der AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt sei „eine Hausaufgabe für uns alle“.
Bewegend war sein Appell zur wachsenden Zahl an Suiziden auf landwirtschaftlichen Betrieben: „Vorn steht der Mensch und die Achtung vor Menschen und das Miteinander.“ Er warb eindringlich für das Sorgentelefon des Bauernverbands.

Albert Füracker, Bayerischer Finanzminister.

Nach diesem kämpferischen Auftritt oblag es dem bayerischen Finanzminister Albert Füracker, die Stimmung zu heben. Mit dem Satz „Die beste Landwirtschaftspolitik ist essen und trinken“ genehmigte er sich einen Schluck aus dem Keferloher und erzählte vom elterlichen Bauernhof. Zum technischen Fortschritt sagte er: „Ein moderner Schlepper hat halt mehr Elektronik, als die Apollo-11-Rakete damals hatte“.

Zur Erbschaftssteuer, die ihm die meisten Bürgerbriefe einbringe, mahnte er zur Vorsicht gegenüber Wahlversprechen: „Glauben Sie dem Politiker am wenigsten, der Ihnen am meisten verspricht“. Bayern klagt hierzu am 12. Oktober 2026 vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe.
Zum Strukturwandel resümierte er nüchtern: „Wir wollen nicht nur, dass es eine Landwirtschaft gibt – wir wollen auch noch Bauern haben. Das ist der entscheidende Unterschied“.
Zur Weltlage fand er klare Worte: „Von 8 Milliarden Menschen würden gerne 7,5 Milliarden mit uns tauschen.“ Er bezeichnete den Keferloher Montag als „ein echtes Optimistentreffen“.

Der Keferloher Montag hat eine mehr als 1050 Jahre lange Tradition und ist bis heute ein Stimmungsbarometer für die Lage der Landwirtschaft. Die Veranstaltung geht zurück auf die siegreiche Schlacht Ottos des Großen im Jahr 955 bei Augsburg gegen die Ungarn. Damals wurden angeblich erbeutete Pferde verkauft, ein Pferdemarkt entwickelte sich, später ein Bierfest, das lange als größte Menschenansammlung in Bayern galt, bis das Oktoberfest ihm den Rang ablief. Der berühmte Steinkrug, der Keferloher, blieb – ebenso wie die Tradition, dass die Bauern früher einen Strohhut trugen.

Doch an alte Zeiten anzuknüpfen, fällt dem Verein der „Keferloher Freunde“ seit Jahren schwer. Für ein Bierzelt samt Landwirtschaftsschau reicht es organisatorisch nicht mehr – das Fest findet nun in der Tenne des Wirtshauses statt. Ein Schritt war die Verlegung vom ersten auf den zweiten Montag im September, um nicht mit dem Karpfhamer Fest in Niederbayern zu konkurrieren.

Im Publikum saßen unter anderem die Altbürgermeister Klaus Korneder aus Grasbrunn und Georg Reitsberger aus Vaterstetten sowie die Grasbrunner Gemeinderäte Gabi Segenschmid, Dritte Bürgermeisterin Carmen Müller, Andreas Mühlberger und Paul König, Leiter des Bayerischen Landesamtes für Steuern.
Reitsberger, der als Landwirt ungezählte Keferloher Montage erlebt hat, erinnerte sich an den historischen Pferdemarkt: 1957 verschwand bei ihm das letzte Pferd vom Hof – heute betreibt er dort einen Erlebnis- und Freizeithof mit 50 eingestellten Pferden.

Vaterstettens Altbürgermeister Georg Reitsberger und Grasbrunns Altbürgermeister Klaus Korneder.
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