Licht am Ende des Gehwegs – oder: Warum eine Laterne in Grasbrunn jetzt im Weg steht

Es gibt sie, diese Projekte, die in die Geschichte einer Gemeinde eingehen – und sei es nur als Vorlage für die nächste Kabarettveranstaltung.
Licht am Ende des Gehwegs – oder: Warum eine Laterne in Grasbrunn jetzt im Weg steht

Der Haarer Weg in Grasbrunn ist so ein Fall: ein Paradebeispiel für den Fortschritt, der sich selbst ein Bein stellt. Stolze 930.000 Euro – also fast eine Million – investierte die Gemeinde in die umfassende Sanierung. Ergebnis? Ein Gehweg, der neue Maßstäbe setzt. Nicht in der Breite oder Schönheit, sondern durch eine charmante, mitten darauf platzierte Straßenlaterne.

Die Laterne, die einst friedlich am Straßenrand stand, hat nun eine prominente Rolle eingenommen: als unerwartetes Hindernis auf dem neuen Gehweg. „Da kommt kein Schneepflug vorbei, auch mit einem Kinderwagen wird es schwierig,“ witzelte Johannes Bußjäger (Freie Wähler) während der Bauausschusssitzung am 27. November. Er schloss seine rhetorische Frage gleich an: „Kann mir jemand den Grund erklären und wer das zu verantworten hat?“ Antwort? Ratlose Gesichter. Grasbrunns Erster Bürgermeister Klaus Korneder (SPD) und Bauamtsleiterin Stephanie Zirngibl erklärten unisono, dass man dies erst prüfen müsse. Offenbar liegt die Ursache tief verborgen – vermutlich in einem Ordner, der den Titel „Wie kompliziert kann Straßenbau sein?“ trägt.

Dabei klang alles so vielversprechend. „Neue Fahrbahn, moderne Straßenentwässerung, komfortable Gehwege“, hieß es in der Ankündigung vom 14. August 2024. Dass diese „Komfortzone“ künftig einen Slalomkurs für Fußgänger bieten würde, hatte niemand auf dem Plan. Die Bauarbeiten dauerten bis in den November hinein – und wurden schließlich mit der Präzision einer Handwerkerrechnung abgeschlossen: etwas teurer als geplant, aber immerhin pünktlich.

Doch die Laterne ist kein bloßer Fehler, sondern ein Statement: Warum sollte ein Gehweg schnurgerade sein? Grasbrunn geht hier neue Wege – buchstäblich. Vielleicht folgt bald ein Wettbewerb, wer es schafft, Kinderwagen, Einkäufe und sich selbst unbeschadet daran vorbeizumanövrieren. Für besonders Mutige könnte der Gehweg jetzt im Winter gar als Slalomstrecke dienen.

Während die Laterne weiter stumm über den Haarer Weg wacht, sucht die Gemeinde nach einem Verantwortlichen. War es das Ingenieurbüro Schmidt & Potamitis? Die ausführende Firma Swietelsky? Oder doch der ominöse „Planungsfehler“, der so oft als Sündenbock dient? Noch ist nichts entschieden. Bauamtsleiterin Zirngibl versprach jedenfalls, Licht ins Dunkel zu bringen – ironischerweise mit jener Laterne, die für den Schatten sorgt.

Obwohl das Ergebnis nicht jeden begeistert, beweist Grasbrunn doch, dass kommunale Projekte immer wieder für Überraschungen gut sind. Vielleicht wird die Laterne eines Tages als Wahrzeichen gefeiert, als Symbol für den unermüdlichen Kampf gegen die Tücken der Bauplanung. Bis dahin bleibt uns nur, staunend stehenzubleiben – am besten direkt neben der Laterne.

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