Neubau der Autobahnbrücke über die A99: GRÜNE drängen auf nachhaltige Planung und Bürgerbeteiligung

Der geplante Abriss und Neubau der B304-Brücke über die A99 zwischen Haar und Grasbrunn entwickelt sich zu einem Politikum mit weitreichenden Folgen für Natur, Anwohner und Verkehr.
Ersatzneubau der B304-Brücke an der A99: Rodungsarbeiten starten

vAls Grasbrunn Aktuell Ende Juni erstmals berichtete („Drei Jahre Baustelle: Neubau der B-304-Brücke ab Oktober 2025“), sah es noch nach einem technisch notwendigen Routineprojekt aus: Abriss, Behelfsbrücke, Neubau. Drei Jahre Bauzeit. Kaum Details.
Doch wie wir am 12. August schrieben („Kritik an Brückenplanung an der A99 wird lauter“), mehren sich inzwischen die Stimmen, die mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung einfordern.

Kritik an Brückenplanung an der A99 wird lauter
Geplante Behelfsbrücke der Autobahn GmbH an der A99. Unten rechts ist der Bannwald, der gerodet werden soll zu sehen.

In ihrer Erklärung machen die Grünen-Ortsverbände und Fraktionen aus Haar, Grasbrunn und Vaterstetten deutlich: Weil der Ersatzneubau nach § 17 FStrG genehmigungsfrei sei, bleibe den Kommunen und Bürger:innen kaum Einfluss. „Bisher wurden Kommunen und Bürger:innen nur unzureichend über die Baupläne informiert“, kritisieren sie und verlangen zeitnahe Informationsveranstaltungen sowie qualifizierte Unterlagen mit Gelegenheit zu Nachfragen.

Besonders heftig stößt den Grünen wie den Anwohner:innen die geplante Rodung des Bannwalds auf: Für die Zufahrten zur Behelfsbrücke südlich der B304 soll ab Oktober 2025 gefällt werden. „Die Wiederaufforstung muss mindestens 150 Prozent der abgeholzten Fläche umfassen“, fordern die Grünen und pochen zugleich auf Emissionsschutz während und nach der Bauzeit.

Ganz ähnlich argumentiert Josef Mück aus dem Luisenweg in Neukeferloh. In seiner E-Mail an Landrat Christoph Göbel, dessen Stellvertreter Ernst Weidenbusch, Otto Bußjäger sowie das Landratsamt München schlägt er vor, die Behelfsbrücke auf die nördliche Seite der B304 zu verlegen. Damit ließe sich der Bannwald erhalten und zugleich die Lärmbelastung seiner Nachbarschaft verringern. „Wir müssen den Bannwald erhalten und nicht zulassen, dass unser Lebensraum auf Jahrzehnte zerstört wird“, schreibt Mück im Namen der Anwohne.

Vorschlag der Anwohner, die Behelfsbrücke auf die andere Seite zu verlegen.

Radwege: Von der Brückensperrung zum „Schnellen Radweg“

Die Pressemitteilung der Grünen greift auch ein altes Thema auf: die Radverbindung entlang der Bahnlinie. Da der Radweg an der B304 während der Bauzeit gesperrt werden soll, fordern sie: „Der Radweg an der S-Bahn muss ertüchtigt werden.“ Insbesondere auf Grasbrunner Flur sei er nach Regen oft unbefahrbar.

Damit rückt auch der „Schnelle Radweg“ München–Ebersberg wieder ins Blickfeld, über den Grasbrunn Aktuell seit 2021 mehrfach berichtete. Eigentlich galt das Projekt seit Ende 2023 als gescheitert, weil die Bahn ihre Flächen nicht freigeben will. Doch nun könnte der Brückenneubau eine neue Gelegenheit bieten, Radwege besser einzubinden. „Auf der Behelfsbrücke ist ein Radweg von mindestens drei Metern Breite einzurichten“, heißt es in der Erklärung. Gleiches soll für die künftige neue Brücke gelten.

Neben Bannwald und Radwegen steht auch die Transparenz im Zentrum der Kritik. „Warum wurde der schlechte Zustand der Brücke nicht früher erkannt und somit eine langfristigere Planung ermöglicht?“, fragen die Grünen. Anwohner wie Josef Mück sehen sich von den Planungen überrollt und verlangen, dass Alternativen geprüft werden.

Der offene Brief der Grünen und die Schreiben von Anwohnern an Landrat Göbel, seinen Vertreter Ernst Weidenbusch (beide CSU) zahlreiche andere Politiker und Verbände erhöhen den Druck: Die Kreisbehörden müssen sich jetzt positionieren – zwischen den Vorgaben der Autobahn GmbH und dem Protest aus Bevölkerung und Kommunen. Bislang gibt es weder Antworten auf die Fragen nach der Notwendigkeit der Bannwaldrodung noch eine klare Zusage, die Alternativen ernsthaft zu prüfen.

Was als technischer Ersatzneubau begann, ist längst ein politisches Thema mit Symbolkraft und könnte auch die Kommunalwahl 2026 beeinflussen. Es geht um mehr als Beton und Asphalt: um den Schutz des Bannwalds, um Transparenz staatlicher Planungen und um die Frage, ob Großprojekte ohne Rücksicht auf Bürgerinteressen durchgedrückt werden.

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3 Antworten auf “Neubau der Autobahnbrücke über die A99: GRÜNE drängen auf nachhaltige Planung und Bürgerbeteiligung

  1. Nach der Pressemitteilung der GRÜNEN Ortsverbände und Stadtrats-/Gemeinderatsfraktionen aus Haar, Grasbrunn und Vaterstetten zum Neubau der Autobahnbrücke der B304 über die A99, scheint die Autobahn Südbayern sich eines besseren zu besinnen, und bietet den geforderten Dialog an.

    Obwohl noch Herausforderungen vor uns liegen, zeigt sich, dass konstruktive Kritik festgefahrene Situationen verbessern kann. Und jetzt gilt es erst recht, die Autobahn Südbayern einzuladen, „an geeigneten Gemeinderatssitzungen, Bürgerversammlungen oder ähnlichen Informationsveranstaltungen teilzunehmen, um über das Projekt und den
    aktuellen Projektstand zu informieren“. Auf!

    https://www.autobahn.de/planen-bauen/projekt/as-haar-bw422

  2. Ich bin sehr enttäuscht, keinerlei Transparenz, keinerlei Informationen, warum werden nicht Alternativen geprüft? Warum ist bis heute nichts passiert, angeblich müsste doch aufgrund der Sicherheit schon längst Netze unter der Brücke gespannt sein.

  3. Transparenz. Vom Bürger gefordert, im Wahlkampf versprochen, nach der Wahl ist die Transparenz und Information der Bürger vergessen.

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