Ein neuer Normvorschlag der Internationalen Elektrotechnischen Kommission (IEC) sieht vor, den Anschluss solcher Anlagen über haushaltsübliche Steckdosen zu verbieten. Stattdessen sollen spezielle Leitungen und Installationen vorgeschrieben werden. Damit würde das Plug-and-Play-Prinzip, das Balkonkraftwerke so attraktiv macht, deutlich eingeschränkt.
Erst 2024 hatte die Bundesregierung Hürden für Balkonkraftwerke abgebaut: Mieter dürfen solche Anlagen nun einfacher installieren, und auch die Anmeldung wurde vereinfacht. Seit kurzem bietet sogar IKEA Balkonkraftwerke zur einfachen Steckdoseninstallation an.
In Deutschland wird der Vorstoß der IEC daher scharf kritisiert. Fachverbände wie der Bundesverband Steckersolar, aber auch Anbieter wie Zendure, Anker, Yuma oder Priwatt warnen: Der Normvorschlag könnte die Verbreitung dieser klimafreundlichen Technologie massiv bremsen.
Derzeit sind in Deutschland über eine Million Balkonkraftwerke registriert, die pro Jahr ca. 700 GWh Strom im Jahr produzieren. Im ersten Halbjahr 2025 kamen rund 200.000 neue Anlagen hinzu. Gerade weil sie ohne Elektriker, ohne komplizierte Genehmigungsverfahren und ohne große Kosten auskommen, gelten sie als wichtiger Baustein der Energiewende.
Auch Speichersysteme, die überschüssigen Strom puffern, wären von der neuen Norm betroffen. Fachleute sehen hierin einen Rückschritt. Denn lokale Speicher gelten als Schlüssel für stabile Stromnetze.
Die Unterzeichner einer gemeinsamen Stellungnahme sprechen sich für eine eigenständige Produktnorm für steckerfertige Systeme bis 800 Watt aus. Die Sicherheit sei durch nationale Standards wie die VDE 0126-95 ausreichend gewährleistet.
Sollte die IEC-Norm ohne Änderungen in Kraft treten, könnte sie bereits ab 2026 gelten. Für Anlagen, die bis dahin installiert sind, greift der Bestandsschutz – sie dürfen wie gewohnt betrieben werden. Wer also noch 2025 aktiv wird, profitiert doppelt: durch einfache Schuko-Stecker-Installation, steuerfreie Einspeiseerträge und mögliche Fördermittel.
Ob der Vorschlag der IEC tatsächlich umgesetzt wird, ist noch offen. Die Debatte zeigt jedoch, wie wichtig nationale Klarheit ist. Denn: Wer die Energiewende vor Ort vorantreiben möchte, braucht einfache und praktikable Lösungen statt neuer Hürden.
Grasbrunn Aktuell bleibt an dem Thema dran.

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