Wo ein Wille ist, ist noch lange kein Radweg

M25 Harthausen

Das Thema Radwege innerhalb der Gemeinde Grasbrunn beschäftigt und erhitzt die Gemüter seit vielen Jahrzehnten. Auch der Autor dieser Zeilen hatte als Kind vor 45 Jahren schon Probleme Freunde in Harthausen mit dem Fahrrad zu besuchen.
Wo andere Gemeinden schon viel weiter sind, wird in Grasbrunn alle Jahre wieder aufs neue diskutiert, wie man die Ortsteile Harthausen, Möschenfeld, Grasbrunn und Neukeferloh mit einer durchgehenden Radstrecke verbinden kann.

In fast allen Wahlkämpfen der letzten Jahrzehnte wurde den Bürgern der Gemeinde Grasbrunn immer wieder der Bau eines durchgängigen Radwegs versprochen, passiert ist bis heute leider nicht viel.

In der Gemeinderatssitzung vom 18. Mai 2021 stellte CSU-Gemeinderat Bernhard Bauer einen Antrag an die Gemeindeverwaltung, mit der Bitte den “Grundstückserwerb für einen Geh- und Radweg für das Teilstück Harthausen-Möschenfeld” mit den Grundstückseigentümern zu klären.

Bürgermeister Korneder erklärte im Vorfeld der Abstimmung, das die Gemeinde bereits seit geraumer Zeit mit dem Eigentümer, der Wilhelm von Finck Hauptverwaltung über das Teilstücks Harthausen-Möschenfeld und über die vier fehlenden Teilstücke der Strecke von Möschenfeld nach Grasbrunn in Verhandlungen stehe.
Die im April 2021 durch die Vorsitzende des Bund Naturschutz Ortsgruppe Grasbrunn Doris Dorschner-Walleitner zur Verhinderung des Baus einer Tiefgarage auf dem Privatgelände der Familie von Finck in Möschenfeld (Anmerkung der Redaktion) gestartete Online-Petition , trage allerdings nicht zu einer guten Verhandlungsposition bei, sagte Korneder.
Man wolle dem Landratsamt nach einer hoffentlich positiven Einigung mit dem Grundstückseigentümer dennoch vorschlagen, das erste Teilstück von Harthausen bis zur Kurve bei Möschenfeld zu realisieren,  so der Bürgermeister.

Der Gemeinderat stimmte dann zwar mehrheitlich für den Antrag, auf absehbare Zeit wird der Radweg zwischen Harthausen und Möschenfeld aber wahrscheinlich nicht realisiert werden, da noch zu viele Fragen offen sind.

In der Vergangenheit wurde immer wieder darüber spekuliert, inwieweit die Wilhelm von Finck Hauptverwaltung GmbH überhaupt bereit sei, die erforderlichen Flächen an die Gemeinde Grasbrunn zu verkaufen. Viele Bürger sind der Meinung, dass das gescheiterte “Golfplatz-Projekt in Möschenfeld” immer noch dafür verantwortlich sei und dass die Wilhelm von Finck Hauptverwaltung GmbH sich deshalb in Sachen Grundstücksverhandlungen immer noch “verschnupft” zeige. Die Wahrscheinlichkeit dieser These ist allerdings sehr gering.

Natürlich kann es aber nicht sein, dass man Bürgern die demokratische Beteiligung an einer Online-Petition verwehrt und dies zur Diskussionsgrundlage für den Erwerb der für den Radweg benötigten Grundstücke macht. Das würde nämlich bedeuten, das der Eigentümer die erforderlichen Flächen erst nach einem “Quid pro quo”-Prinzip zu Verfügung stellen würde.
Dies wäre dann als Koppelgeschäft und somit rechtswidrig einzustufen.

Ob und wann die Gemeindeteile über einen Radweg miteinander verbunden werden, steht weiterhin in den Sternen. Vielleicht ist ja statt einer weiteren Petition an die Verwaltung oder Schreiben an das Landratsamt eher ein Bittgesuch der Bürger an die Grundstückseigentümer nötig, um einen durchgehenden Radweg von Harthausen über Möschenfeld nach Grasbrunn bis Neukeferloh zu realisieren.

Aber die Hoffnung stirbt zuletzt:
In 40 Jahren wurden immerhin 830 Meter Radweg realisiert. Wenn in diesem Tempo weitergemacht wird, können sich in 200 Jahren sicher die kommenden Generationen über die restlichen 5 Kilometer freuen. Es sei denn, bis dahin bewegen wir uns entweder gar nicht mehr, oder fliegen vielleicht von Ortsteil zu Ortsteil und brauchen keine Radwege mehr.

“Grasbrunn Aktuell” lädt hiermit alle Bürger und auch Gemeinderäte herzlich ein, das Thema in den Kommentaren zu diskutieren.

Eine kleine Chronologie:

Schon Mitte der 1980er Jahre versuchte unser damaliger Bürgermeister Wilhelm Dresel, leider vergeblich, die Ortsteile über einen Radweg zu verbinden.
In den folgenden 30 Jahren gab es immer wieder Unfälle auf der Strecke von Harthausen bis Neukeferloh, teils sogar mit tödlichem Ausgang.

Im Juli 2009 stellte die BFG (Bürger Für Grasbrunn) einen Antrag zur Gemeinderatssitzung bezüglich des Neubaus von Geh- und Radwegen entlang der M25 von Harthausen über Möschenfeld – Grasbrunn bis Neukeferloh.

Im Januar 2010 fanden dann Gespräche zwischen der BFG und dem Landratsamt statt, im Oktober 2010 stellte die BFG dann noch eine schriftliche Anfrage ans Landratsamt, das den Vorschlag zwar befürwortete, eine weitere Bearbeitung allerdings erst nach erfolgreichem Erwerb der benötigten Grundstücke durch die Gemeinde Grasbrunn in Aussicht stellte.

2015 wurde von den Bürgerinnen Sandra Schwarzmann und Sylke Würmeling eine Petition über OpenPetition gestartet, um die Gemeindeverwaltung und das Landratsamt auf die Dringlichkeit einer Radweg-Verbindung der Ortsteile hinzuweisen.
691 Stimmen kamen bis Oktober 2015 zusammen und wurden an Klaus Korneder, dem 1. Bürgermeister der Gemeinde Grasbrunn übergeben. Damals hieß es, dass die Verhandlungsposition der Verwaltung für die erforderlichen Grundstücke mit den Grundstückseigentümern durch die Petition geschwächt worden wäre und machte den Initiatorinnen der Petition wenig Hoffnung auf eine baldige Umsetzung.

Bis 2018 passierte dann erstmal nicht viel. Dann begannen die Arbeiten zum 830 Meter langen Radweg entlang der M25 von Grasbrunn bis zum Sportpark, der im Mai 2019 feierlich und pressewirksam von Bürgermeister Klaus Korneder, Landrat Christoph Göbel und Vize-Landrat Otto Bussjäger mit einer 3 Minuten-Radl-Fahrt eröffnet wurde.

Ursprünglich plante das Landratsamt sogar, die Verbindung als Solar-Radweg mit im Boden eingebauten Photovoltaik-Modulen zu bauen. 657.000 Euro sollte der Ausbau (der es ermöglichen sollte, die Strecke zu beheizen, beleuchten und sogar E-Bikes und Autos während dem Vorbeifahren zu laden), kosten und führte im Mobilitätsausschuss des Kreistags zu hitzigen Diskussionen zwischen Landrat Göbel und Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer (beide CSU), der kritisierte, dass es sich bei der Planung zum Radweg “konzeptionell um eine Fehlgeburt” handele und das Projekt “jetzt schon ein Fall für das Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler” wäre.

Gekostet hat der Radweg dann statt der vom Landratsamt ursprünglich kalkulierten 430.000 Euro – ohne Solar-Ausbau-  trotzdem 695.000 Euro, wovon der Freistaat 367.000 Euro und der Landkreis 330.000 Euro übernahmen, da der Radweg an der Kreisstraße M25 verläuft.
Die Pläne zu einem Solar-Ausbau wurden dann im Mai 2020 endgültig begraben. Die Weiterführung bis Neukeferloh, die noch im Wahlkampf versprochen wurde, liegt nach wie vor auf Eis, da der Grundstückseigentümer des benötigten Teilstücks bis jetzt nicht bereit war, die Fläche an die Gemeinde zu verkaufen. Nun prüft die Gemeindeverwaltung gemeinsam mit dem Landratsamt, ob man die Fläche über enteignungsrechtliche Maßnahmen im Sinne des Allgemeinwohls zugesprochen und dann vom Eigentümer erwerben kann.

2020 wurde kurz vor der Wahl die Presse seitens der SPD-Grasbrunn informiert, das bis auf einen letzten Teil von 250 Metern alle benötigten Flächen zur Fortführung des Radwegs vom Sportpark bis zur Leonhard-Stadler-Straße gesichert seien. Mit der Eigentümerin des letzten Stücks würde man noch verhandeln.

Quellen:
Münchner Merkur, 24.05.2019 “Die erste Etappe ist geschafft: Radweg eröffnet – beim Rest zieht es sich
Münchner Merkur, 15.04.2019 “Donnerwetter wegen Solar-Radweg: 90-Meter-Teststrecke soll 650.000 Euro kosten
Süddeutsche Zeitung, 04.05.2020 “Ein ganz normaler Radweg
Ratsinformationssystem der Gemeinde Grasbrunn “Antrag der CSU-Fraktion vom 20.04.2021 – Grunderwerbsverhandlungen für das Teilstück des Geh- und Radweges von Harthausen nach Möschenfeld
Münchner Merkur, 03.03.2020 “
Radweg nach Neukeferloh: Gemeinde hat fast alle Flächen zusammen – zweiter Abschnitt rück näher
Süddeutsche Zeitung, 18.10.2015 “Der lange Weg zum Radweg

 

7 Antworten auf “Wo ein Wille ist, ist noch lange kein Radweg

  1. Die einzige Möglichkeit, den Radweg zu realisieren, besteht wohl in der Enteignung der Grundstückseigentümer.
    Aber lieber wartet man noch weitere 45 Jahre und verhandelt sinnlos weiter.

  2. Meine größte Verwunderung nach unserem Umzug von Vaterstetten nach Grasbrunn vor Jahren, war das schlechte Radwegenetz. Als Begründung wurden auch mir die im Artikel genannten Gründe genannt.
    Aber ist die Lage in Grasbrunn wirklich so viel komplizierter als in anderen Gemeinden?
    Auch mir als Gemeinderat fällt es bisher schwer die Lage gänzlich zu überblicken. Mein bisheriger Eindruck ist, dass hier Abhängigkeiten wirken, die den Ausbau lähmen. Diese aufzulösen sollte die Aufgabe der Gemeindeverwaltung in Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat sein.

    Die FWG (Freie Wählergemeinschaft Neukeferloh – Harthausen – Grasbrunn) deren Partei ich nicht angehöre, hat dazu einen neuen Antrag für den Keferloher Weg gestellt, den ich unterstütze.

  3. Ich verfolge die Planungen für den Radweg seit mehr als 10 Jahren.
    Meiner Meinung stehen weder der Gemeinderat noch der Erste Bürgermeister hinter einer Realisierung. Das Projekt wird immer sehr zurückhaltend angegangen. Wenn man wirklich den Radweg will, dann müsste man endlich mal handeln.

  4. Da helfen alle Anträge nichts. Die Gemeinderäte können sich alle einig sein, aber durchführen muss die Verhandlungen der Bürgermeister mit den Grundstückseigentümern. Und das hat hat ja wie man sieht, seit 13 Jahren schon nicht geklappt.

  5. Es ist doch immer das gleiche. Was wir Harthausener wollen, wird im Rathaus weggeschoben. Mal daran zu denken, dass hier auch Kinder leben, die auch sicher zur Schule nach Baldham kommen sollen und uns sagt, die sollen doch durch den Wald fahren, ist doch unglaublich. Wir wollen keine Ausreden mehr, wir wollen Tatsachen.

  6. Netter Beitrag, aber viel zu lang und umsonst. Warum wurde Herr Korneder nicht gefragt, warum sich die Verhandlungen schon so lange hinziehen? Warum geben Sie ihm nicht die Möglichkeit, den Bürgern die Sache zu erklären?

    1. Hallo Herr Wagner!
      Was meinen Sie mit umsonst? Das Thema wurde vor drei Wochen im Gemeinderat diskutiert.
      Der Artikel ist zugegeben länger als andere Artikel auf der Seite, aber leider kann man das Thema Radweg und die Historie dahinter kaum kurz zusammenfassen. Der Bürgermeister hat genau wie Sie auch, die Gelegenheit sich hier in den Kommentaren dazu zu äußern.
      Vielleicht melden Sie sich noch mal. Gerne auch direkt über info@grasbrunn-aktuell.de

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