Die Ankündigung kam plötzlich – und traf die betroffenen Gemeinden eiskalt: Im Oktober 2025 beginnen auf Grasbrunner Seite die Rodungsarbeiten im Bannwald, um Platz für eine Behelfsbrücke zu schaffen. Damit verschwindet nicht nur ein ökologisch wertvoller Waldstreifen, sondern auch der natürliche Lärmschutz für viele Anwohner in Neukeferloh und Umgebung. Für sie bedeutet das nicht nur mehr Verkehrslärm über Jahre hinweg, sondern auch Baustellenbetrieb quasi vor der Haustür.
Aus Sicht der Bürger ist das eigentliche Problem jedoch nicht der Bau selbst, sondern die Art und Weise, wie er kommuniziert wurde. Auch Grasbrunns Bürgermeister Klaus Korneder (SPD), Haars Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) und Vaterstettens Bürgermeister Leonhard Spitzauer seien nach eigenen Aussagen von dem Vorhaben überrascht worden. Von der Autobahn GmbH erfuhren alle drei betroffenen Gemeinden erst wenige Tage vor der öffentlichen Bekanntmachung der Pläne. Details zum Zeitplan und zu den Auswirkungen auf Verkehr, Umwelt und Anwohner liegen bis heute nur bruchstückhaft vor.
Im Offenen Brief vom 11. August 2025 fordern Josef Mück und zahlreiche Mitunterzeichner eine öffentliche Bürgerinformationsveranstaltung – mit klaren Antworten zu Bauumfang, Lärmschutz, Umweltverträglichkeit und Bürgerbeteiligung. Doch bisher gibt es weder einen festen Termin noch verbindliche Zusagen.
Besonders ärgerlich: Die Bauarbeiten hätten sinnvoll mit anderen Projekten verknüpft werden können – etwa mit der Aufwertung des Radwegs entlang der Bahnlinie zwischen Vaterstetten und Haar. Dieser ist ohnehin als Ausweichstrecke für Radfahrer vorgesehen, wenn der B304-Radweg während der Bauphase gesperrt wird. Wie Grasbrunn Aktuell berichtete bereits am 7. Juli 2023 berichtete, bleibt der Weg jedoch unbefestigt, weil die Bahn den Ausbau des „Schnellen Radwegs“ auf unbestimmte Zeit stoppte.
Damit wird eine Chance vertan, während der Baujahre eine attraktive und sichere Radverkehrsachse zu schaffen.
Auch die Deutsche Bahn AG taucht in der Debatte nur am Rand auf – obwohl ihre Streckenlage für Verkehrsführung und Radwegplanung eine zentrale Rolle spielt. Hier wie bei der Autobahn GmbH gilt: Kommunikation mit den betroffenen Gemeinden und Bürgern findet zu spät und zu wenig statt.
Der Brückenneubau ist aus technischer Sicht wohl unumgänglich. Doch der Umgang mit den Anwohnern, der fahrlässige Verlust von Lärmschutz und die mangelnde Einbindung der Gemeinden werfen ein schlechtes Licht auf die Planungs- und Abstimmungskultur. Wer Projekte dieser Größenordnung umsetzt, muss früh, offen und nachvollziehbar informieren – sonst wächst der Unmut schneller als jede Behelfsbrücke gebaut werden kann.


Die Behelfsbrücke kann doch nördlich der aktuellen B304 gebaut werden
Denn da muss kein Bannwald diesseits und jenseits der Autobahn abgeholzt werden
Den Lärmschutz und die spätere Aufforstung kann man sich somit auch sparen
„Befestigter Radweg“ entlang der Bahnstrecke heisst hoffentlich nicht wieder Versiegelung und grossräumige Beseitigung des Bewuchses entlang des Fahrradweges. Gerade in diesen Tagen merkt man, wie wichtig Bäume sind. Hier inbesondere für eine kühlende Beschattung.