Wahlverschmutzung

TikTok Bundestagswahl

In den letzten Wochen und Monaten verschärfen sich in den sozialen Medien Schmutzkampagnen gegen einzelne Parteien und Personen. Besonders die bei Jugendlichen beliebte Plattform “TikTok” quillt in den letzten Monaten quasi vor Falschaussagen über.

Im Mai veröffentlichte dort ein 15-jähriger ein Video, das einen von ihm gespielten Wahlsieg der Grünen, untermalt mit dem Song “Gangsta’s Paradise” zeigt. Auf verschiedenen enthaltenen Bildern werden angebliche Verbote präsentiert (Fleischverbot, Silvesterraketenverbot, W-LAN-Verbot an öffentlichen Plätzen usw.), welche die Partei im Falle ihres Wahlsieges einführen würden.

Der Clip hatte 500.00 Aufrufe. Daraufhin erscheinen fast täglich neue Videos von Nachahmern, die die falsche Botschaft aufgreifen und Millionen von Klicks erzielen.

Bis vor kurzem gab es den TikTok-Kanal “der_Bundestag”, der vorwiegend Video-Aufzeichnungen von AfD-Politikern im Bundestag zeigte. Der “echte” Bundestag hatte damit nichts zu tun und ist auch nicht auf TikTok vertreten. Nach Recherchen des Bayerischen Rundfunk wurde der Kanal vor einigen Wochen dann entfernt, bis dahin war die rechte Propaganda aber für Millionen von Nutzern sichtbar.

Auch Fake-Zitate von Markus Söder auf TikTok, Twitter und anderen sozialen Netzwerken finden so ihre Zuschauer und beeinflussen vor allem junge und Erst-Wähler. Der Algorithmus von “TikTok” besorgt den Rest und schlägt den Nutzern aufgrund der Klickzahlen gezielt Fake-Videos dieser Art vor.

TikTok selbst untersagt zwar in seinen Richtlinien das Verbreiten von Fehlinformationen. Gleichzeitig räumt TikTok aber ein, dass es die schiere Menge an hochgeladenen Videos unmöglich macht, zu überprüfen, ob und was als “Fake-News” bzw. Propaganda zu werten ist. Und ob TikTok – als chinesisches Unternehmen – zudem eine politische Zielsetzung der Desinformation und Destabilisierung verfolgt, ist schwer nachzuweisen.

Mittlerweile haben sich “Wahlverschmutzungs”-Videos bei TikTok zu einem Geschäftsmodell für seine User entwickelt. Im Netz bieten Nutzer gegen Bezahlung die Produktion solcher Fake-Videos an. Und TikTok bezahlt sogar für Videos mit hohen Zuschauerzahlen.

Wie die Bundestagswahl letztlich ausfällt und ob alles beim alten bleibt oder die “Zeit für etwas NOISE” anbricht, bleibt abzuwarten. Die Zeiten, in denen man ohne die Verbreitung von Falschmeldungen völlig unbeeinflusst wählen geht, ist allerdings vorbei.

Quelle: BR, ARD Kontraste

Eine Antwort auf “Wahlverschmutzung”

  1. Ich kann bisher keine negativen Effekte bei meiner 12jährigen Tochter erkennen. Sie stellt gerade wg TikTik sehr kluge Fragen, ist gut informiert und wohl deshalb AfD-Gegnerin. Aber wenn der Algorithmus wie bei Youtube funktioniert, was ich nicht weiß, wäre es natürlich eine Gefahr, weil dann eine Informationsblase entstehen kann.

Kommentare sind geschlossen.