Man könnte fast meinen, das Bauvorhaben am Stefflweg 35 habe inzwischen einen festen Platz auf der Tagesordnung des Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschusses reserviert. Was im Frühjahr 2021 als groß angelegter Pferdehof begann, entwickelte sich über die Jahre zu einer landwirtschaftlichen Lagerhalle, einer Getreideverarbeitung und schließlich zu einer Ölmühle mit Ferienwohnung. In der Sitzung des Ausschusses am 9. Juni 2026 stand nun bereits die sechste Austauschplanung zur Diskussion.
Diesmal beantragte der Bauwerber den Neubau einer landwirtschaftlichen Ölmühle mit Betriebsleiterwohnung, Ferienwohnung, Produktlager, Werkstatt und Nutztierstall sowie parallel dazu ein landwirtschaftliches Getreidelager mit Getreidereinigung und Bergehalle. Gegenüber den Vorplanungen wurden die Gebäude erneut verkleinert. Die Flächen der geplanten Baukörper reduzierten sich nochmals um rund 167 Quadratmeter.
Die geplante Ölmühle soll künftig der Verarbeitung selbst angebauter Ölpflanzen dienen. Das vorgelegte Betriebskonzept sieht darüber hinaus die Haltung von Mutterschafen und Lämmern mit entsprechender Direktvermarktung vor. Ergänzend sind weiterhin eine Betriebsleiterwohnung und eine Ferienwohnung vorgesehen. Vier Reitpferde sollen das Konzept für Urlaubsgäste abrunden.
Doch in der 45-minütigen Diskussion begannen genau dazu die Fragen der Gemeinderäte. Denn während die Betriebsbeschreibung von Schafen, Lämmern und Pferden spricht, konnten mehrere Ausschussmitglieder in den eingereichten Plänen keine eindeutigen Unterbringungsmöglichkeiten für die Tiere erkennen. Wo die Stallungen vorgesehen seien, blieb aus den Unterlagen nicht ersichtlich. Entsprechend wurde seitens des Gremiums weiterer Klärungsbedarf angemeldet.
Dass das Projekt erneut intensive Diskussionen auslöste, überrascht kaum. Schließlich beschäftigt der Stefflweg 35 die Kommunalpolitik inzwischen seit mehr als fünf Jahren. Bereits im Mai 2021 berichtete Grasbrunn Aktuell über die ursprünglichen Pläne eines Reiterhofs mit 62 Pferden, Reithalle, Offenstall, Longierhalle und umfangreichen Nebengebäuden. Damals standen insbesondere die Verkehrserschließung über die Springerstraße und die Auswirkungen auf die Anwohner im Mittelpunkt der Debatte. Eine direkte Anbindung an die M25 wurde empfohlen, scheiterte jedoch letztlich an den notwendigen Grundstücksverhandlungen.
Wenig später wurde die Planung deutlich reduziert. Die Zahl der Pferde sollte auf 40 sinken, die Gebäude verkleinert und die Konkurrenzsituation zu bestehenden Pferdebetrieben entschärft werden. Dennoch blieb die zentrale Frage bestehen: Liegt tatsächlich ein privilegierter landwirtschaftlicher Betrieb vor?
Im September 2022 folgte dann die überraschende Kehrtwende. Die bisherigen Reiterhof-Pläne wurden zurückgezogen und durch Konzepte für Getreidelagerung und Getreideverarbeitung ersetzt. Zwei Jahre später stand erstmals die Idee einer landwirtschaftlichen Ölmühle im Mittelpunkt. 2025 folgte bereits die nächste Austauschplanung – nun also die sechste Variante des Vorhabens.
Positiv bewertet wurde in der aktuellen Sitzung, dass inzwischen die Abwasserfrage geklärt werden konnte. Für eine Kleinkläranlage liegt mittlerweile eine Genehmigung vor. Die Erschließung erfolgt weiterhin über den öffentlich gewidmeten Stefflweg.
Das Grundstück selbst umfasst rund 85.170 Quadratmeter. Die geplanten Gebäude würden mit insgesamt etwa 1.331 Quadratmetern lediglich einen untergeordneten Teil der Gesamtfläche einnehmen. Gemeinsam betrachtet sprechen die geplanten Nutzungen augenscheinlich für einen landwirtschaftlichen Betrieb.
Dennoch bleibt die entscheidende Frage offen: Handelt es sich tatsächlich um ein nach § 35 Baugesetzbuch privilegiertes Vorhaben im Außenbereich? Diese abschließende Beurteilung obliegt nicht der Gemeinde, sondern dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten München.
Die Grasbrunner Gemeinderäte stellten deshalb – wie bereits bei den vorherigen Anträgen – einstimmig das gemeindliche Einvernehmen unter Vorbehalt her. Voraussetzung bleibt die erneute Überprüfung des Gesamtkonzepts und die Vorlage einer entsprechenden Privilegierung.
Doch auch nach der Sitzung ging die Diskussion weiter und viele Gemeinderäte fragten sich, was der Bauwerber eigentlich will und wann man das Thema endlich abschließen kann.
Ob mit dem neuen Antrag nun tatsächlich die letzte Version der Planungen am Stefflweg 35 erreicht ist oder ob die Geschichte noch um ein weiteres Kapitel ergänzt wird, lässt sich derzeit kaum vorhersagen. Fest steht lediglich: Außer dem Großraumwohnungsbau-Projekt der DEMOS hat kaum ein Bauvorhaben die Gemeinde Grasbrunn in den vergangenen Jahren derart kontinuierlich beschäftigt wie dieses.
Die Beschlussliste zur Sitzung ist über das Ratsinformationssystem der Gemeinde Grasbrunn abrufbar.

Leitet ruhig noch mehr Verkehr über die Springerstraße-verschmälerte Fahrbahn mit nur einseitigem bzw. gar keinem Bürgersteig und sehr viel genutzt von Kindern der beiden Kindergärten, Fußgängern und Fahrradfahrern!
Zudem scheint es auch nicht von Interesse zu sein, dass hiermit die fast letzte Möglichkeit genommen wird als Spaziergänger von Grasbrunn (über den Stefflweg) in das Waldgebiet Richtung Neukeferloh zu gelangen, ohne ständig auf Autos (Radfahrer) achten zu müssen.
Es ist doch zu erahnen, dass mit Genehmigung dieses Projektes mit Wohnungen und Urlaubsangeboten weitere Anträge folgen werden und wenn einmal genehmigt…
Wehret den Anfängen!